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Der Künstler-Blick fürs Unscheinbare

Der Künstler-Blick fürs Unscheinbare

Püttlingen. Als feste Konstante hat sich über all die Jahrzehnte hinweg in Gitta Nießens Werken die Faszination für scheinbar Alltägliches und selbstverständlich Hingenommenes etabliert.Am Freitag wurde im Püttlinger Schlösschen die Ausstellung "Die Schönheiten der unscheinbaren Dinge" der Malerin eröffnet

Püttlingen. Als feste Konstante hat sich über all die Jahrzehnte hinweg in Gitta Nießens Werken die Faszination für scheinbar Alltägliches und selbstverständlich Hingenommenes etabliert.Am Freitag wurde im Püttlinger Schlösschen die Ausstellung "Die Schönheiten der unscheinbaren Dinge" der Malerin eröffnet. Die 63 Exponate bilden einen Querschnitt durch alle Schaffensperioden der 1933 geborenen saarländischen Künstlerin. Einen breiten Raum nimmt die Wiedergabe von Naturereignissen und -erscheinungen ein. "Die meisten meiner Inspirationen erhalte ich unter freiem Himmel", sagt die Künstlerin. "Gesteinsstrukturen" ist eine Knitterarbeit und stammt wie das Wachsgraffiti "Verwesendes Blatt" aus den 60er Jahren. Die Technik hat Nießen während ihres Studiums am Atelier für Kunsterziehung an der Universität Bonn und der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk Saarbrücken selbst entwickelt: Alte Bilder werden abgeschabt, geknittert und schließlich zu einer neuen Papierstruktur aufgearbeitet. Den Werken der frühen Jahre sind aktuellere Arbeiten gegenübergestellt, die sich losgelöst vom Konkreten präsentieren, wie "Meteor", eine Materialcollage aus dem Jahr 2006. Der zweite Raum ist ganz den Werken aus Nießens isländischer Periode gewidmet. Privat mit der Insel im hohen Norden verbandelt, hatte sie sich während der 80er Jahre oft dort aufgehalten. Hier paart sich die Natur mit dem Fantastischen. "Angesichts der Elementargewalten rückt der Mensch in die Bedeutungslosigkeit", sagt Nießen. "Missetäterwüste" zeugt in düsteren Farben von der schaurigen Sitte, Verbrecher in der Natur auszusetzen. Gefängnisse waren in Island unbekannt. Nießen fängt keine Glanzlicher ein, wie sie in Tourismusprospekten und Naturwunderlisten zu finden sind. Auch hier schweift ihr Blick wieder in das scheinbar Beiläufige. Sie fängt "Schneeweite" ebenso ein wie in "Aratunga II" einen Hausbach, der einer Familie als Wasserleitung dient. Es herrscht die Gouache-Technik vor. "Aquarellfarben sind zu zart für diese überwältigende Landschaft", erklärt Nießen. In jüngerer Zeit hat sie sich wieder heimischen Motiven zugewandt. Die Völklinger Hütte erwies sich dabei als nie versiegender Quell der Inspiration. Nießen ist durch das Gelände gestreift, hat fotografiert und sich die Materialien zusammengesucht. Das eigentliche Bild ist bei ihr stets das letzte Glied im Schaffensprozess. Manches, wie "Möllerhalle" ist dabei eins zu eins von der Fotovorlage auf Leinwand übertragen, andere Aufnahmen dienten nur als grober Leitfaden. Originale Teile von Gebäuden und Maschinen wurden in die Bilder eingebaut, Unspektakuläres erhält so die Chance auf eine völlig neue Bedeutung. Eine Materialcollage aus getrocknetem Seetang zählt zu den charmantesten Exponaten: Man sieht die "Geister von Hiddensee" förmlich über dem Wasser tanzen. Die Ausstellung ist noch bis zum Sonntag, 21. September, im Püttlinger Schlösschen zu sehen, und zwar dienstags, donnerstags, und sonntags von 15 bis 18 Uhr.