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Der Klosterkirche aufs Dach gestiegen

Der Klosterkirche aufs Dach gestiegen

Maßgeschneidert – so wird das neue Dach der Püttlinger Klosterkirche. Orkantief Niklas hatte das alte Dach regelrecht in die Höhe gesaugt. Ein Versicherungsfall, jetzt wird saniert. Die SZ stieg mit aufs Dach.

"Rund 100 000 Euro", so viel kostet die Sanierung des Kirchendaches am Kloster Heilig Kreuz Püttlingen. Peter Letzel nannte die Zahl. Er ist Bauleiter der Firma Güth aus Saarbrücken und dazu Sachverständiger für das Dachdeckerhandwerk. "Ein außergewöhnliches Dach", sagt Letzel. "Ich hatte das Vergnügen, hier schon mal zu arbeiten, in den frühen neunziger Jahren."

Damals wurde das geschwungene "schanzenförmige" Dach - das auch mal augenzwinkernd "Püttlinger Sprungschanze" genannt wird - erstmals saniert. 20 Meter ist es hoch, 262 Quadratmeter groß, und es sieht wirklich ein wenig aus wie eine kurze, dafür extrabreite Skischanze. Der renommierte Architekt György Lehoczky, Erbauer des Klosters, hat es so gewollt: Heilig Kreuz sollte die "stille Schwester" der weltberühmten Wallfahrtskirche Notre Dame du Haut im französischen Ronchamp werden. Diesem sakralen Gebäude des Architekten Le Corbusier gleicht das Püttlinger Kloster.

Ein Wetterschaden hat nun eine erneute Sanierung notwendig gemacht: Sturmtief Niklas vom 31. März dieses Jahres, in Deutschland mit bis zu 192 Kilometer schnell, hatte das Klosterdach nach oben gesaugt. "Es war nicht mehr fest mit der Holzverschalung verbunden und musste erneuert werden", schildert Letzel.

Die Sturmversicherung kommt für den Schaden, geschätzte 100 000 Euro, auf. Und jetzt sind die Bauklempner des Saarbrücker Dachdeckerunternehmens Güth mit der Sanierung beschäftigt. Zuerst wurde die vorhandene Kupfereindeckung entsorgt. Auf die Vordeckung nageln die Klempner, "unsichtbar", mit sogenannter Edelstahlhafe, die neuen Kupfertafeln. Bauleiter Letzel weist auf eine weitere Besonderheit des Klosterdachs hin, die Unbeteiligten so schnell gar nicht auffallen mag: "Das Klosterdach läuft nach oben hin konisch zu." Ein Trapez, das heißt: Jede einzelne Platte muss sozusagen maßgeschneidert werden. "Die Platten sind unten 52 und oben 22 Zentimeter breit", schildert der Bauleiter. Weil das Kirchendach zudem gleichzeitig konvex und konkav konstruiert ist (ein- beziehungsweise auswärts gewölbt), ergeben sich weitere handwerkliche Herausforderungen. Die haben Klempnermeister Thomas Schwamberger und sein Azubi Nico Lewer aber offensichtlich gut im Griff. Morgens bringen sie ihr Eindeckmaterial für einen Tag mit zur "Baustelle Kloster" und geben so Metalldieben keine Chance. Dann steigen sie aufs Dach ("Bei schönem Wetter ein Vergnügen"), sichern sich mit eingehängten Leitern, wählen die passende Platte aus, verlegen sie in so genannter Doppelstehfalz-Technik, nageln sie wie beschrieben und verbinden sie mit einem Falzenschließer.

"Das Material Kupfer hat den Vorteil, dass es eine Patina bildet, eine Schutzschicht, die es haltbarer macht", sagt Experte Letzel. So gesehen müsste das Kirchendach eigentlich mindestens 100 Jahre lang halten, doch: "Eine absolute Sicherheit gegen orkanartige Stürme gibt es nicht. Wir haben aber vor dem Baubeginn Windsog-Berechnungen angestellt, um die größtmögliche Sicherheit zu garantieren", sagt Letzel.

Tafel für Tafel arbeiten sich Meister Schwamberger und sein Geselle in die Höhe, bis hoch zum Kreuz. "Das wird auch noch überarbeitet, vom Rost befreit und neu gestrichen", erklärt Letzel.

Noch glänzt das neue Kupfer , aber schon bald wird es die erwähnte Patina bilden und ist dann dunkelgrün wie die übrige Eindeckung des gesamten Klosters.

kloster-heilig-kreuz.de