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Hier gibt’s Wetzsteine, Schleifblöcke und Schälmesser
Der Jahrmarkt fiel ins Wasser

Nicht viel los war am Montag beim Jahrmarkt in Köllerbach.    
Nicht viel los war am Montag beim Jahrmarkt in Köllerbach.    FOTO: BeckerBredel
Köllerbach. Pech mit dem Wetter zum Abschluss des Herz-Jesu-Festes in Köllerbach. Von Walter Faas

„Schreib nidd so vill uff! Es räänd, es iss niggs los. Unn ferdich!“, das diktiert Dieter Paulus dem Reporter in den Block. Recht hat er. Eben zwitscherte noch die Amsel im Garten der Martinskirche, schon donnert es über der Burg.  Beim „Rollenden Gewürzhaus“, gegenüber in der Fresagrandinariastraße, versorgt sich die Kundin Käthe Wassmuth noch schnell mit der Universalwürze, die ihren Rindsbraten so unvergleichlich zart macht und den es, laut ihrer Aussage, nur auf Jahrmärkten gibt, „sonst  nirgendwo“.


Hier darf auch intensiv über den Wert Solinger Schneidwaren debattiert werden. Wer hätte denn geahnt, dass es Scheren für Papier, Stoff, Zehennägel, ja sogar Nasen- und Ohrenhaare gibt? Die Kunst des Scharfmachens, hier wird sie noch gepflegt. Gemeint sind Wetzsteine für Sensen, Schleifblöcke für Ausbeinmesser, Abziehblöcke fürs Rasiermesser,  Zigarrensteine fürs  berühmte Windmühlen-Schälmesser.

Die Händler mit Turban: Gerne hätte man mal gewusst, woher ihre bunten Harem- und Strandbuxen für zehn Euro das Stück oder die pfiffig geschneiderten Tops kommen. Stammen doch nicht etwa aus Kinderarbeit? Ali, Mustafa und Rachid  lenken ab: „Ist alles aus 100 Prozent Baumwolle oder Viskose!“ Wollten wir gar nicht wissen, sondern wo genäht wird. Die Fachhändler aus Pakistan und Indien versichern: „Steht doch drauf: Made in Italy.“ Der Chic ist danach, also wollen wir es mal glauben. Nebenan hängen rund 100 Gürtel und genau so viele Hosenträger, hierzuland als Gallier bekannt,  an einem runden Ständer, geschützt durch darüber aufgespannte knallbunte Regenschirme, ist ihr  Leder doch empfindlich gegen Nässe.

Auf dem eigentlichen Kirmesgelände ist, um mit dem eingangs erwähnten Dieter zu reden, „niggs los.“ Als sich kurz vor 16 Uhr „der Regen zum Wolkenbruch aufklärt“, haben selbst die hartgesottensten Marktbeschicker die Nase voll und brechen ihre Zelte ab. Bleibt nur noch nachzutragen, wie der neue Standort abseits der Durchgangsstraße bei den Teilnehmern angekommen ist? „Also mir hat der bewährte Lauf die Straße rauf und runter besser gefallen. Der hatte mehr Flair“, sagt Maria Sticher. Na ja, bei Dauerregen vielleicht auch nicht.