„Das Festival hat Kultcharakter“

„Das Festival hat Kultcharakter“

„Onnaschd druff“ sind die Leute im Köllertaler Hinterwald schon immer. Und deswegen kann sich auch ihr Hinterwaldfest „Umsonst & Draußen“ schon 36 Jahre behaupten. Schön war's wieder am Wochenende an der Püttlinger Edelweißhütte.

"Mich verblüfft, dass die immer irgendwelche Stars an Land ziehen. Bo Oskarson-Platten hab' ich mir vor 40 Jahren im Saarbrücker 2001-Laden gekauft. Und jetzt ist er hier im Jungenwald." Darüber freut sich Stefan Paulus, Besucher beim 36. Hinterwald-Festival. 2001 in Saarbrücken gibt's lange nicht mehr, Bo Oskarson tourt allemal, und das Hinterwaldfest bleibt Kult.

Mit einem Stubbi geht's los

"Aus Norddeutschland, aus dem Schwarzwald, aus Frankreich, von überall her kommen die Leut', um mit uns zu feiern", sagt Rudolf Wilhelm, genannt Rusch, vom "Hinterwald Braintrust" . Ein Pressesprecher namens Rusch, das hochoffiziös-rituelle Öffnen des ersten Stubbi-Bieres (wo andere ein Fass anstechen), ein generelles Nein zu Eintrittsgeldern - hier geht's alternativ zu. Das Auge in der Pyramide, umschlossen von einem Dreieck, über der Haupttribüne - wir erinnern uns an die Trilogie "Illuminatus": Es sieht alles und drückt alle Augen zu. Zwei (leider nicht ganz so schöne) Julitage lang feiern die Hinterwäldler ihr Fest, tausende Sympathisanten schließen sich an, Stimmung inklusive. "Das Festival hat Kultcharakter, ist familiär geblieben, hat die Zeiten gut überstanden" resümiert Besucher Hans Scherer. "Alles auf Anfang", lautet 2016 die Devise, festgemacht an Gruppen wie Engelfangen, am erwähnten Oskarson, an Snydergang - dahinter steckt der im Saarland unvergessene Gerd Schneider, Bassist der noch legendäreren Gruppe RS Rindfleisch. "Die Spielregeln sind geblieben: Freies Zelten , freier Eintritt, freies Vergnügen", betont Sprecher Rusch.

Ausflug mit dem Traktor

Dann geht's beinahe nonstop durch das Programm, laut bis zur Sperrstunde, moderat lustbetont auf der Nachtbühne, mit Kinderprogramm "Kokolores" und der Erkenntnis: "Köllerbach ist immer einen Ausflug mit dem Traktor wert", sagt der Schwarzenholzer Manfred Ney, der sich einen original Elfer Deutz-Traktor, Baujahr 1940, zur coolen Ausflugslimousine "Mannomobil" ausgebaut hat und damit die Edelweißhütte im Jungenwald antuckert. Ansonsten? Die 68-er haben ihre Hippieklamotten veredelt - fair produziert", versteht sich -, ihre Bäuchlein wachsen lassen, trotzen dem einen oder anderen Zipperlein, sind bestens gelaunt. So gefällt's auch den Jungen, die in großer Zahl am Fest der "Altvorderen" teilnehmen - wenn's sein muss "onnaschd", mit Skamusik, streng frisierten Scheiteln und Krawatte. "All you need is love" haben die Beatles mal gesungen - die Devise hat sich im Hinterwald erstaunlich frisch gehalten.