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Bundesverdienstmedaille für Paul Schneider

Verdienstmedaille für Paul Schneider : Ein Leben für den Ringersport

Der Köllerbacher Paul Schneider erhält die Bundesverdienstmedaille für sein langjähriges Engagement.

Stolz präsentiert er die Bundesverdienstmedaille an seiner Brust. Dabei steht er eigentlich selbst nicht so gerne im Mittelpunkt. „Ich nehme diese Auszeichnung als Wertschätzung für meine Arbeit“, sagt Paul Schneider, „denn ich nehme mich selbst nicht so wichtig.“

Geboren in Sichtweite der Köllerbacher Burg war der Einstieg in den Ringersport für den heute 69-Jährigen geradezu naheliegend. Das Talent war da, die Erfolge kamen. Fünfmal wurde Schneider deutscher Meister im Nachwuchsbereich, 1969 belegte er bei den Weltmeisterschaften der Junioren den vierten Platz. Der Sport und seine Faszination sollten ihn nicht mehr loslassen. Doch anders als er gedacht hatte. Denn schon mit 21 Jahren wurde er Cheftrainer beim KSV Köllerbach, mit dem er 1972 deutscher Mannschaftsmeister wurde. „Paul war schon in jungen Jahren ein Vorbild. Auf der Matte hat er uns Techniken beigebracht und auch gezeigt, wie man sich neben der Matte benimmt“, erzählte Bernd Wegner, damals Nachwuchssportler, heute Präsident des Saarländischen Ringerverbands, „wir haben ihn darum oft Professor genannt.“

Professor wurde Schneider nicht, dafür Lehrer an Grund- und Hauptschulen. 2006 schaffte er es mit Unterstützung seines langjährigen Weggefährten Gerd Meyer, die Grundschule Köllerbach zur Modellschule des Sports zu machen. Mit Lehrauftrag an der Universität des Saarlandes war er für die Ausbildung von Diplomsportlehrern verantwortlich. Mit seiner Arbeit in der Fachkonferenz Sport sorgte Schneider dafür, das der Bewegungskomplex Raufen/Rangeln/Ringen im saarländischen Lehrplan verankert wurde. Noch heute arbeitet er in der Traineraus- und Lehrerfortbildung.

Als Landestrainer Freistil hat er oft mit seinem für den griechisch-römischen Bereich zuständigen Kollegen Frank Hartmann um die besten Talente gestritten. „Etienne Kinsinger wäre sicher auch ein ausgezeichneter Freistiler geworden“, scherzte Schneider über die saarländische Olympia-Hoffnung im klassischen Stil. Hartmann war wie zahlreiche Freunde und Wegbegleiter am vergangenen Freitag zur Feierstunde ins Püttlinger Schlösschen gekommen.

„Ich glaube, dass die Arbeit mit jungen Menschen mich selbst jung erhält“, sagte Schneider, der nach wie vor an Schulen oder in Vereinen Trainingsstunden abhält. „Damit leistet er seit Jahrzehnten auch einen ganz wichtigen Beitrag zur Integration und Prävention“, hob Landespolizeidirektor Norbert Rupp hervor, Innen-Staatssekretär Christian Seel ergänzte: „Paul Schneider hat Zeit seines Lebens viele ehrenamtliche Aufgaben übernommen und reichlich für unser Land und das Gemeinwesen gearbeitet, damit die Welt verändert und auch ein Stück besser gemacht.“

Eigentlich wollte Schneider mit 70 aufhören, „aber der Bernd Wegener kann mich ja überzeugen“, räumte der Geehrte ein.

Den Unruhestand genießt er mit Ehefrau Margret. Reisen mit dem Wohnmobil ist das große Hobby der beiden. „Von Portugal bis Türkei bis zum Nordkap“ waren die beiden, die seit 1985 verheiratet sind, schon unterwegs. Freunde behaupten, nicht nur im Auto habe Margret meistens das Steuer in der Hand. „Die Blumen, die sie heute bekommen hat, sind mehr als verdient“, sagte Schneider mit dem ihm eigenen Charme und Humor, „hätte sie die von mir bekommen, wäre aber gefragt worden: Paul, was hast du wieder angestellt?“

Die Antwort: Er wird mal wieder für eines seiner Ehrenämter gearbeitet haben – und dafür wurde er jetzt ausgezeichnet. „Ich habe es gerne gemacht, es war nie ein Muss“, sagte Schneider und stellte einmal mehr die anderen ins Rampenlicht: „Ich danke allen, die mich begleitet und unterstützt haben.“