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Bürgerversammlung zur Erweiterung der Kies- und Sandgrube in Püttlingen

Erweiterung der Kies- und Sandgrube : Firmenleitung: „Die Rohstoffe werden knapp“

Bürgerversammlung befasst sich morgen mit der geplanten Erweiterung der Sandgrube in Püttlingen.

„Jeder Bundesbürger benötigt pro Tag über 30 Kilogramm an Steine- und Erden-Rohstoffen, also mehr als ein Kilogramm pro Stunde.“ Das steht in Infobroschüren vom Verband der Baustoffindustrie Saar und des Püttlinger Unternehmens „Schmeer Sand + Kies“, dessen Geschäftsräume auf dem Püttlinger Dickenberg sind. Das Unternehmen plant die Erweiterung seiner Abbaufläche in Richtung Ritterstraße. Dieses Vorhaben sorgt für Aufregung in der Bevölkerung. Die Initiative „Pro Wald!“ macht mobil –  mit Versammlungen, Flugblättern und einer Demo (wir berichteten).

Wenn Werner Schmeer, Seniorchef des Unternehmens, den Rohstoffbedarf eines Bundesbürgers ins Gespräch bringt, hat das aus seiner Sicht seinen Grund. Denn Rohstoffe wie Sand und Kies würden in Deutschland allmählich knapp, sagt er. „Bei steigendem Bedarf“, erklärt sein Sohn Torsten Schmeer, einer der Geschäftsführer. Er sagt: „Jedes Einfamilienhaus, das gebaut wird, benötigt 140 Tonnen, jede Wohneinheit immer noch 40 Tonnen.“

Weil es sich bei Sand wie auch bei Kies um schweres Material handelt, seien Anfahrtswege über 30 Kilometer wirtschaftlich unrentabel, ergänzt Geschäftsführerin Anja Schmeer. Sie sagt: „Wenn das Material über längere Entfernungen angefahren werden muss, vergrößert das die Emissionen durch die schweren Fahrzeuge erheblich. Und damit gehen auch die Baukosten in die Höhe, so dass sozialer Wohnungsbau nicht mehr stattfinden kann.“

Das Unternehmen „Schmeer Sand + Kies“ beschäftigt nach Angaben von Anja Schmeer 20 Mitarbeiter. Man dürfe aber auch nicht die Zulieferer vergessen, „die bei uns das Material abfahren. An einem Arbeitsplatz der Rohstoffgewinnung hängen 50 nachfolgende und regionale Arbeitsplätze im Baugewerbe“.

Zum Erweiterungsplan erklärt Seniorchef Werner Schmeer: „Wir planen eine neue Abbaufläche in der Größe von 140 Metern Breite und 118 Metern in der Länge, von denen wir vorerst in der Breite nur 60 Meter nutzen wollen.“ Dies ergebe eine Fläche von 7080 Quadratmetern. Zum Vergleich: Der Rasen der Allianz-Arena des Fußball-Bundesligisten FC Bayern Münchnen ist nach Wikipedia-Angaben rund 8000 Quadratmeter groß.

„Es handelt sich um nachwachsenden Wald“, betont Werner Schmeer und verweist auf die Nachhaltigkeits-Programm seines Unternehmens. Dieses habe im Jahr 2019 nicht zum ersten Mal den Nachhaltigkeitspreis der deutschen Gesteinsindustrie wie auch einen europäischen Umweltpreis erhalten. Torsten Schmeer erklärt: „Wir rekultivieren, wir beteiligen uns an diversen Artenschutzprogrammen, wandeln einen alten Fichtenbestand von 4,5 Hektar in einen standortgerechten Laubmischwald um – und zwar in Püttlingen. Dazu haben wir ein Wildbienenprojekt auf dem Gelände initiiert und einen ökologischen Vertrag mit der Stadt Püttlingen abgeschlossen, in dem es um die langfristige Nichtbewirtschaftung einer Waldfläche geht.“

Ob die Argumente der Schmeer-Geschäftsleitung ausreichen, die Bürger von „Pro Wald!“ zu besänftigen, wird die Bürgerversammlung an diesem Dienstag, 28. Januar, ab 19 Uhr im Gasthaus Schmeer beziehungsweise die geplante Sitzung des Püttlinger Werksausschusses am Dienstag, 4. Februar, ab 17 Uhr im Rathaussitzungssaal Püttlingen zeigen. Darin werden die Kommunalpolitiker in öffentlicher Sitzung über die Genehmigung der beantragten Erweiterung abstimmen.