Kulturköpfe : Sie ist Buchhändlerin mit Leib und Seele

Seit 100 Jahren ist die Püttlinger Buchhandlung Balzert in Familienbesitz. Christina Barbian setzt sich hier intensiv für Leseförderung ein.

Zahlen unter verschnörkelten bunten Wappen – im angebauten Wintergarten, der taghell und luftig das Gegenteil des Geschäfts vorn raus auf die Pickard­straße darstellt, wird der Blick fast magisch zu jener beschrifteten Tafel gezogen. „Die Hauspunkte“, erklärt Christina Barbian lächelnd. Als Harry Potter Fan ist man sofort im Bilde: Ahja, die Gryffindors hatten offensichtlich die Nase vorn, dicht gefolgt von den Hufflepuffs und Slytherins. Hogwarts lässt schön grüßen.

Im Regal daneben finden sich noch mehr Überbleibsel der letzten Potter-Nacht wie der Sprechende Hut und Einmachgläser voller wunderlicher Ingredienzien. „Wir haben allein vier Wochen lang Zauberstäbe gebastelt“, verrät die Buchhändlerin, auf deren Konto diese und unzählige andere Veranstaltungen in der Traditionsbuchhandlung Balzert gehen, „aus mit Glitter versetztem Kleister“. Überreicht wurden sie den glücklichen Nachwuchsmagiern in einer „echten“ Ollivander-Kiste. Unbezahlbar, diese Liebe zum Detail und die Arbeit, die in der Vorbereitung steckt.

Zwar ist es selten, dass ein Buch wie geschnitten Brot geht. Statt auf Bestseller zu warten, tut ein Buchhändler Anno 2019 selbstredend gut daran, um seine Klientel zu werben – mittel Lesungen, Konzerten, Mitmachangeboten. Doch Christina Barbian organisiert dies alles vor allem aus einem Grund: Weil sie ihren Beruf liebt und diesen Laden, der sich seit 100 Jahren im Besitz ihrer Familie befindet. „Schon als Kind hieß es: Du machst mal das Geschäft, Tina.“ Als Metzger oder Frisöre hätten die Balzerts wahrscheinlich ein Problem mit ihrer zweitältesten Tochter bekommen. Doch Christina Barbian ist verrückt nach Büchern. Entsprechend unfallfrei gestaltete sich der berufliche Einstieg.

Wobei sie hier nichts allein reißen könnte. Mutter Christel Balzert-Stein kommt noch täglich helfen. Die beiden Schwestern sind ebenfalls involviert: Katja Stein-Kockler steht mit im Laden und managt mehr oder weniger alles, was mit Schreibwaren, Geschenkartikeln und Spielzeug zu tun hat.

Für die Außenwahrnehmung, sprich Werbung und Internet, zeichnet sich Magdalena Orlet zuständig. Die Diplom-Grafikerin ist ein wahres Basteltalent – ein Segen für alle möglichen und unmöglichen Veranstaltungen, die sich an Kinder richten. Detektiv- oder Einhörner-Nachmittage zum Beispiel. Das kreative Ferienprogramm bei Balzert ist legendär, ebenso der Welttag des Buches im April, bei dem ganze Schulklassen zu Bücherschnitzeljagd und Lesung eingeladen werden.

Gut möglich, dass sich das in der nächsten Generation keiner mehr antun möchte. Mit dem Geschäft verheiratet zu sein, ist kein gängiger Lebensentwurf mehr. „Ich habe wenig Hoffnung, jemanden zu finden, der weitermacht“, meint die gebürtige Püttlingerin mit Blick auf ihre eigenen drei Kinder und die der Geschwister. Momentan bereitet ihr aber eher die Konkurrenz im Internet Sorgen. Da hilft nur Service, Service, Service: „Bücher gratis nach Hause liefern oder als Geschenk verpacken, gehört für uns dazu.“ Importe, Sonderbestellungen, antiquarische Sachen ... „alles, was irgendwie geht, machen wir möglich“. Und zwar gern.

Besonders am Herzen liegt Christina Barbian der Nachwuchs: „Ich möchte, dass Kinder mehr lesen.“ Deshalb zwackt sie jeden Monat ein paar Stunden ab und liest an zwei Grundschulen. Oder stellt in Kindergärten Bilderbücher aus oder lädt ganze Schulklassen zu sich in den Laden ein, wo auch Autoren aus der Region immer wieder für Lesungen vorbeischauen.

Vorbild fürs Lesen ist sie sowieso permanent: „Sie werden mich in meiner Freizeit nie ohne Buch sehen.“ Das fängt schon beim Frühstück an und geht beim Mittagessen weiter, am liebsten Fantasy, Krimis und Kinderbücher. Ja klar, es gibt auch richtige Leseverweigerer, hat sie erfahren. Aber oft fehlt nur die Übung, glaubt die Buchhändlerin. „Wenn man erst mal drei Bücher geschafft hat, läuft es wie geschmiert.“
https://balzert.buchhandlung.de

Mehr von Saarbrücker Zeitung