| 19:14 Uhr

Bogart und Bonanza im Kälberstall

In seinem Köllerbacher Dorfkino zeigte Harald Baldauf am Samstag den Film-Klassiker „Casablanca“. Foto: Jenal
In seinem Köllerbacher Dorfkino zeigte Harald Baldauf am Samstag den Film-Klassiker „Casablanca“. Foto: Jenal FOTO: Jenal
Köllerbach. Der Köllerbacher Harald Baldauf hat sich über Jahrzehnte eine Art Heimatmuseum geschaffen. Seine jüngste Errungenschaft, ein Dorfkino im früheren Kälberstall, hat seine Feuerprobe bestanden, mit dem Film-Klasssiker „Casablanca“. Walter Faas

"Entweder man mag Antikes - oder nicht." Harald Baldauf, Rentner im "Unruhestand", Köllerbacher, Besitzer eines Bauernhauses im Ortsteil Engelfangen - und zudem Eigentümer des "Zeitze Haus" in Ludweiler, das er liebevoll und denkmalgerecht restauriert hat - kann keinem Brocante (Flohmarkt), meist in Frankreich oder Belgien, aus dem Weg gehen. "Neuerdings auch dem Internet nicht", schmunzelt Baldauf selbstkritisch. Über das moderne Medium fand er im niedersächsischen Bremervörde eine originale Kinoeingangstür aus dem frühen vorigen Jahrhundert, mit Kassenschalter, Schwarzweiß-Werbefotos, Kartengeber und Absperrgitter.



Flohmarkt-Funde

Hingefahren, handelseinig geworden, heimtransportiert, eingebaut, passt! "Über diese Tür bin ich auf die Idee gekommen, ein Dorfkino einzurichten." Zielstrebig, nach dem Motto "Wer suchet, der findet", kaufte sich Baldauf, über die erwähnten Wege, Kinosessel "Sperrsitz, Parkett und Loge", mit und ohne Stoffbezug. Filmvorführgeräte, Lautsprecher, eine Leinwand-Umrandung aus gedrechseltem Holz und mit Samtbezug kamen hinzu, sogar noch ein uraltes Vorführgerät aus Holz mit bemalten Glasplatten aus der Frühzeit des Kintopp. Außerdem ein Wanderkino, wie es in der Provinz bis zum Ende der sechziger Jahre noch regelmäßig zum Einsatz kam. Ein Riesenprojektor stammt aus Bad Kreuznach, die Sprossenfenster aus Dresden, der hölzerne Bauchladen der Kartenabreißerin aus Lothringen, das Begleitklavier und die Colatruhe aus "weiß ich nicht mehr". Jede Menge Kinoplakate, schwarz-weiß oder bunt, hängen an den Wänden des früheren Kälberstalles. Wir erkennen Humphrey Bogart , Ingrid Bergman , Fernandel , den grimmig blickenden Regisseur Rainer Werner Fassbinder , die schöne Hanna Schygulla . Wer Ernst Krukowski ist, die "Sechs Ernostos" oder "Herr Z-Z-Zick persönlich", bleibt wahrscheinlich vergessen, ihre Konterfeis dem Kälberstall erhalten. Im September 1950 zeigten die längst geschlossenen Köllerbacher Burglichtspiele "Das indische Grabmal" in zwei Teilen. Im gleichen Jahr gab es im (längst nicht mehr bestehenden) Saal Krass in Püttlingen die "Klingende Heimat". Baldauf besitzt die dazu gehörigen gerahmten Plakate aus dieser Zeit, dazu weitere Hinweise auf Komödien wie "Michel in der Tanzstunde" oder Tragisches wie "Der Fremdenlegionär". Am vorigen Samstag hat Baldauf einer Besuchergruppe den Hollywood-Klassiker "Casablanca" vorgespielt, "wie ich gestehen muss, über moderne Beamertechnik", sagt er. Entscheidender als die Vorführtechnik ist das einmalige Flair in seinem in Eigeninitiative geschaffenen Dorfkino, in dem er auch viele uralte Fernsehserien wie "Bonanza", "Rin Tin Tin" oder "Fury" zeigen kann.

Besichtigungs-Termine können mit Harald Baldauf, Tel. (0 68 06) 49 04 63 oder (01 70) 9 10 69 69, vereinbart werden.