| 15:45 Uhr

Erwischter Fahrer empört
Blitzer, die in Hecken stecken

Die Blitzer-Säule am Ortsausgang von Köllerbach-Etzenhofen in Richtung Walpershofen, aufgenommen Anfang Juni: Die sich dicht an eine Hecke schmiegende grüne Säule ist insbesondere vom entgegenkommenden Verkehr nur schwer zu erkennen.
Die Blitzer-Säule am Ortsausgang von Köllerbach-Etzenhofen in Richtung Walpershofen, aufgenommen Anfang Juni: Die sich dicht an eine Hecke schmiegende grüne Säule ist insbesondere vom entgegenkommenden Verkehr nur schwer zu erkennen.
Püttlingen. „Abzocke“, flucht ein ertappter Autofahrer. Die Püttlinger Verwaltung hält dagegen. Von Walter Faas

„Eine Dreistigkeit!“ schimpft ein Autofahrer aus dem Kreis St. Wendel und meint den Blitzer am Ortseingang von Köllerbach, wo er „geblitzt“ wurde. Ein hochmodernes Laser-Messgerät zur Ermittlung gefahrener Geschwindigkeiten, eine Säule, erkennbar an den dunklen Ringen, ein Gerät, das mehr und mehr auf deutschen Straßen, meist innerorts, zum Einsatz kommt. In Püttlingen gleich an sechs Stellen, wie hier in Köllerbach-Etzenhofen.


Der betroffene SZ-Leser stört sich weniger an den Säulen selbst. Er gibt auch zu, in der Tat hier die erlaubte Geschwindigkeit leicht überschritten zu haben, ebenso wie ein Bekannter, der direkt hinter ihm in einen zweiten Pkw fuhr und ebenfalls den grellen Blitz einschließlich des reflexartigen Tritts auf die Bremse erlebte. „Was mich hier stört, dass dieser Blitzer total hinter Hecken versteckt ist, so dass man ihn überhaupt nicht sieht. Für mich ist das eine typische Autofahrerfalle und eine Abzocke. Ich frage mich, ob das überhaupt zulässig ist.“

Genau das wollte die Saarbrücker Zeitung von Bernd Bläs, dem Leiter des Püttlinger Ordnungsamtes, wissen. Bläs: „Selbstverständlich sind wir daran interessiert, dass die Überwachungseinrichtungen sichtbar sind, denn nur so können sie ihre volle Wirkung entfalten.“



Gegebenenfalls müssten die Hecken also zurückgeschnitten werden. Ob das hier in Etzenhofen denn der Fall sei, lautete somit die weitere Frage der SZ-Redaktion und übermittelte Bläs ein entsprechendes Foto, das Anfang Juni des Jahres entstand und einen doch recht dichten Bewuchs zeigt. Bläs erklärt dazu: „Die Behauptung, der Blitzer sei hinter Hecken versteckt, muss ich natürlich zurückweisen. Allerdings ist richtig, dass es an dieser einen von sechs Messstellen in der Vegetationsperiode vorkommen kann, dass die Sicht auf die Messeinrichtung eingeschränkt ist.“ Das komme in dieser Jahreszeit aber auch regelmäßig bei Verkehrszeichen oder Beleuchtungseinrichtungen vor. In der Regel werde dann „von den Technischen Diensten der Bewuchs zurückgeschnitten beziehungsweise dann, wenn es sich um Privatgrundstücke handelt, der Grundstücksbesitzer aufgefordert, den Rückschnitt vorzunehmen.“

Wie viele „Verkehrssünder“ sind es denn eigentlich, die in Püttlingen pro Jahr geblitzt werden, und in welcher Höhe liegen die Bußgelder? Dazu Bernd Bläs: „Insgesamt haben wir im vergangenen Jahr rund 4400 Verkehrsverstöße an allen Messstellen registriert, wobei es sich überwiegend um Verwarnungen handelt. In 90 Fällen wurde allerdings vom Landesverwaltungsamt ein Bußgeld verhängt. Über die Höhe dieser Bußgelder ist der Stadt nichts bekannt, da der Stadt Püttlingen vom Landesverwaltungsamt lediglich eine so genannte Fallkostenpauschale – 17,48 Euro pro Bescheid – erstattet wird.“ Und was war dieses Jahr bisher der „Rekord“ bei den Geschwindigkeitsüberschreitungen?

Der liegt bei fast dem Doppelten der an dieser Stelle erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern (km/h): Ein Autofahrer in der Hauptstraße in Etzenhofen war 45 km/h zu schnell. Und dabei ist eine Toleranz von drei km/h bereits berücksichtigt.

Bernd Bläs
Bernd Bläs FOTO: Andreas Engel