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Bitte nicht anstarren

Köllertal. Trisomie 21 ist eine genetische Fehlbildung. Betroffene wirken oft ausgeglichener als ihre „gesunden“ Zeitgenossen. An diesem Samstag, 21. März, ist der von den Vereinten Nationen ausgerufene Welttag des Downsyndroms. Wir haben mit Experten über ihre Einrichtungen im Köllertal und die Akzeptanz Betroffener gesprochen. Walter Faas

"Menschen mit Downsyndrom haben ihr Herz auf der Zunge. Sie sind emotional, sensibel und meist sehr fröhlich", sagt Sabine König. Sie leitet die Förderschule geistige Entwicklung in Heusweiler und schildert: "Wir unterrichten derzeit 120 Schüler, darunter einige mit Downsyndrom." Weitere behinderte Schüler besuchen die Regelschulen im Köllertal , im Rahmen von Inklusionsmaßnahmen.

Gemeint ist der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung. "Funktioniert eigentlich ganz gut. Viele Eltern empfinden die Inklusion als Bereicherung. Manche haben aber auch Angst, ihr Kind würde dadurch nicht genug lernen", sagt König.

Nach ihrer Wahrnehmung ist die Akzeptanz in der Bevölkerung gegenüber Menschen mit Downsyndrom in den letzten Jahrzehnten zwar gewachsen, aber: "Es gibt immer noch Menschen, die solche Kinder über Gebühr lange anstarren. Das schmerzt die Eltern natürlich sehr." Dabei seien Kinder, Jugendliche oder Erwachsene mit Downsyndrom "besonders liebevoll, dankbar und hilfsbereit", berichtet Jörg Schmitt, Sozialarbeiter in der Lebenshilfe Obere Saar in Püttlingen.

Die Lebenshilfe betreut auf ihrem Wintringer Bauernhof sowie in ihren Werkstätten in Bübingen und Püttlingen derzeit 790 Beschäftigte mit geistiger Behinderung, darunter 70 mit Downsyndrom. "Die berufliche Motivation dieser Menschen ist besonders hoch. Sie sind lernbereit, wissbegierig, engagiert und stehen ihrer Arbeit sehr positiv gegenüber", schildert Schmitt.

Bei der Lebenshilfe werden die Beschäftigten mit Trisomie 21 (ein anderer Name für das Downsyndrom) meist für einfache Arbeiten im Verpackungsbereich eingesetzt, "aber auch für komplexere Tätigkeiten bis hin zu ausgelagerten Plätzen im ersten Arbeitsmarkt". Dazu bietet die Lebenshilfe ihren Klienten so genannte arbeitsbegleitende Maßnahmen und Bildungsprojekte an.

"Aktuell befindet sich eine Gruppe, darunter vier Menschen mit Downsyndrom, in einer Skifreizeit auf dem Feldberg, und alle haben viel Spaß dabei", sagt Sozialarbeiter Schmitt. Seiner Wahrnehmung nach hat die Akzeptanz in der Bevölkerung Menschen mit Downsyndrom gegenüber in den vergangenen Jahren stetig zugenommen, nicht zuletzt auch deshalb, weil Betroffene wie die Schauspieler Pablo Pineda oder Rolf "Bobby" Brederlow einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht hätten.



Zum Thema:

HintergrundEin Chromosom macht den Unterschied: Menschen mit Downsyndrom haben eines mehr als die üblichen 23 Chromosomen-Paare: Das 21. Chromosom im menschlichen Erbgut ist bei ihnen dreifach ausgebildet statt nur zweifach, weswegen die Krankheit auch "Trisomie 21" heißt. Im Saarland werden jedes Jahr etwa zehn Kinder damit geboren, 1200 in Deutschland. Die damit verbundenen körperlichen, gesundheitlichen, seelischen und geistigen Besonderheiten sind innerhalb der Gruppe der Betroffenen sehr unterschiedlich ausgeprägt und führen mitunter noch immer zu Vorurteilen. Im Saarland hilft der Verein "Saar 21 - Down-Syndrom " betroffenen Eltern mit Rat und Tat - mehr Infos zum Verein gibt's im Internet. et downsyndrom -saarland.de