Bergbaumuseum ist „Kohle-Erbe“

Bohren, sprengen, Blasversatz! Das Püttlinger Bergbaumuseum wird Teil des virtuellen Infozentrums „Erbe des deutschen Steinkohleberbaus.“ Vor Ort ließ Zeitzeuge Franz Speicher die Geschichte der Schachtanlage Viktoria III in Köllerbach-Engelfangen Revue passieren.

Dr. Stefan Siemer wundert sich: "So gewaltige Ausbauschilde habe ich noch nie gesehen." Das erstaunt. Immerhin ist Siemer im Deutschen Bergbaumuseum Bochum, dem weltgrößten seiner Art, für montanhistorisches Bewahren zuständig. Und weil in Bochum eine große Datenbank aufgebaut wird, von über 100 kleineren und größeren Bergbaumuseen in Deutschland, besuchte Siemer am Donnerstag die Stadt Püttlingen.

Dort befindet sich, im Köllerbacher Ortsteil Engelfangen, seit 2006 ein Freilichtmuseum am früheren Viktoria III-Schacht. Jürgen Bohnenberger, Vorsitzender des Bergbau- und Unterstützungsvereines St. Barbara Köllerbach , berichtete: "Das Museum gehört der Stadt, wird aber von unserem Verein betreut."

Die erwähnten Ausbauschilde sind in der Tat mächtig. "Das hier ausgestellte Schild wurde eigens für den Standort Luisenthal entwickelt, für den Blasversatz." Daneben steht ein ebenfalls einzigartiges "Redener Bruchversatzschild". Zudem findet man im Freilichtmuseum unter anderem Untertage-Personenzüge, riesige Schrämmaschinen, gigantische Bohrwagen und auch eine Fördermaschine. "Diese Fördermaschine wurde erstmals auf der Weltausstellung in Paris 1900 vorgestellt", weiß Franz Speicher zu berichten. Speicher hat 1948, im Alter von 16 Jahren, in Engelfangen sein Berufsleben als Bergknappe begonnen, ist "eingefahren", wie man sagt. "Dort stand das Bürogebäude mit dem kombinierten Bad, da der Zechensaal und die Lampenbude, dort das Kesselhaus mit der Dampfmaschine", erklärt Franz Speicher dem Gast aus Bochum. Teile der alten Schachtanlage stehen noch. Sie sind heute denkmalgeschützt.

Auch das Stollenmundloch mit dem 1250 Meter langen unterirdischen Gang zur Hauptgrube Viktoria I in Püttlingen wurde erhalten. "Von dort sind die Kohlenwagen über einen Kettenzug zur Kohlenwäsche nach Püttlingen transportiert worden."

"Wir sind heute stolz darauf, dass unser Freilichtmuseum in das geplante Infozentrum ‚Getrenntes Bewahren - Gemeinsame Verantwortung' des Deutschen Bergbaumuseums aufgenommen wird", sagte Püttlingens Beigeordneter Jürgen Detzler vor Ort. Der aktiven Tätigkeit des Bergbauvereines St. Barbara Köllerbach sei es zu verdanken, dass das jederzeit zugängliche Museum in der Grubenstraße in Köllerbach entstanden und für die Öffentlichkeit erhalten werden könne, so Detzler. "Umso wichtiger, als der Bergbau in Deutschland im Jahr 2018 endgültig zu Ende geht", ergänzte Siemer.

Die RAG-Stiftung sei sich des kulturellen Wertes solcher Museen bewusst, die vom Abbauhammer über den Schachthut bis hin zur Fördermarke das Thema "Arbeitswelt Kohle " in seiner Vielfalt dokumentieren, "deshalb wollen wir auch das geplante Portal zum Erbe des deutschen Steinkohlebergbaues aufbauen."

Das Deutsche Bergbaumuseum Bochum kann man auch virtuell im Internet besuchen:

bergbaumuseum.de