| 20:18 Uhr

Konzert
Chorgesang, der begeistert

 Gerhard Speicher, hier 1997 als Mitglied des Trio Romantique in Uhrmachers Haus.
Gerhard Speicher, hier 1997 als Mitglied des Trio Romantique in Uhrmachers Haus. FOTO: becker/bredel
Püttlingen. Viele Höhepunkte beim Gedächtniskonzert für Gerhard Speicher. Von Walter Faas

Zum intensiv spirituellen Erlebnis wurde 120 Zuhörern das Gerhard-Speicher-Gedächtniskonzert am vorigen Samstag in der Püttlinger Liebfrauenkirche. Ob religiös oder nicht, der Kraft dieser geistlichen Musik konnte sich kein Besucher entziehen. So gab es denn am Ende auch prasselnden Applaus nach dem Mendelssohn-Psalm „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser“. Professor Leo Krämer, Alt-Püttlinger mit musikalischen Wurzeln weltweit, hatte wieder einmal  ein Händchen  für die „richtige“ Programmfolge. Gänsehaut schon beim „Requiem Aeternum“, Mozarts allerletztes Werk, anrührend, klagend, gleichzeitig getragen vom  Glauben an die Auferstehung. Das von Krämer geleitete Palatina-Klassik-Vokalensemble, handverlesene Profis in Sachen Chorgesang, wurde in der ausgezeichneten Akustik der Liebfrauenkirche dieser Stimmung gerecht.


Nahtlos passten sich die von Chordirektor Claus Bär vereinten Kirchenchöre Liebfrauen Bengesen und St. Bonifatius Ritterstraße der Sternstunde des Chorgesangs an, mit starken Interpretationen von Bach-Chorälen, der von Krämer komponierten Jakobuskantate mit impulsiv feurigen Bläseranteilen und schließlich dem Püttlinger Fastenlied „Ach sieh ihn dulden, bluten, sterben“ aus der Feder des posthum geehrten Gerhard Speicher.

Die festliche Begleitmusik lieferte das Vokal- und Brassensemble der Region Rhein/Neckar/Saar mit einer Suite von Tilman Susato, die den Kirchenraum, sauber intoniert, dynamisch ausgewogen, zum Klingen brachte. Einen weiteren Glanzpunkt steuerte der aus Köllerbach stammende Robert Frank mit dem Präludium und Gigue von Johann Sebastian Bach für Violine Solo bei.



Alles zusammen eine gelungene musikalische Ehrung für Gerhard Speicher. Dieser hatte seit den letzten Kriegsjahren und bis ins hohe Alter (Speicher verstarb im Januar 2018) das musikalische Geschehen der Köllertalstadt geprägt wie wenige, als Organist, Chorleiter, Komponist, „als mein Lehrer“, so Leo Krämer, „Vorbild und Freund“.