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Kleinod in Köllerbach
Bald 800 Jahre auf dem Buckel

Pfarrer Professor Dr. Joachim Conrad vor der historischen Martinskirche in Köllerbach. 2023 wird das Bauwerk 800 Jahre alt.
Pfarrer Professor Dr. Joachim Conrad vor der historischen Martinskirche in Köllerbach. 2023 wird das Bauwerk 800 Jahre alt. FOTO: Iris Maurer
Köllerbach. Die Stiftung „Evangelische Martinskirche zu Kölln“ kümmert sich um den Erhalt eines des wohl ältesten Sakralbaus im Saarland. Die Saarbrücker Zeitung hat mit dem Vorsitzenden, Pfarrer Professor Dr. Joachim Conrad, gesprochen. Von Walter Faas

Die Köllerbacher Martinskirche, erstmals 1223 urkundlich erwähnt, besitzt, neben der Stiftskirche St. Arnual, eine besondere kirchengeschichtliche Bedeutung für die Saargegend. Hingewiesen sei an dieser Stelle lediglich an die spätmittelalterlichen und schön restaurierten Deckengemälde, die Kanzel aus der Renaissance, den alten Friedhof, um nur einige bauliche Besonderheiten zu nennen.


Dieses einzigartige Baudenkmal zu erhalten, hat sich 2002 eine damals noch unselbstständige „Denkmalstiftung Martinskirche“ gegründet. Diese wurde acht Jahre später in eine rechtlich selbstständige Stiftung umgewandelt. Pfarrer Conrad erläutert: „Diese Stiftung kann ohne weiteres nicht aufgehoben werden. Die letzte Lufthoheit, beispielsweise über das Stiftungsvermögen, hatte bis 2010 das Presbyterium, nun aber hat es die Stiftung selbst in der Hand.“ Von den Erträgen erhalte die Kirchengemeinde, laut Satzung, immer zwei Drittel, die in den Erhalt der Martinskirche fließen.

Woher kommen denn die Gelder? Zum einen habe die Stiftung, bei ihrer Gründung, von zwei nicht unerheblichen Erbschaften als Startkapital profitiert, zum anderen verbessern Spenden, Kollekten und die Einnahmen bei Veranstaltungen die Habenseite. Gesammelt wird beispielsweise bei den Konzerten, denen sich die Verantwortlichen um Pfarrer Conrad seit gut einem Vierteljahrhundert besonders verpflichtet fühlen. Die gute Akustik der Kirche ermöglicht besonders eindrucksvolle Konzerte sowohl mit sakraler als auch mit weltlicher Musik. „Allein in diesem Jahr haben wir bereits über 20 mehr oder weniger gut besuchte Konzerte in unserer Kirche erlebt“, sagt Conrad.



Hinzu kamen, seit 2002, immer wieder Ausstellungen, Buchvorstellungen, historische Vorträge, Lesungen, oder auch die Köllerbacher Märchenwoche zum Advent, die in diesem Jahr zum 18. Mal über die Bühne ging. Unterstützen will die Stiftung auch die weitere Bauforschung in der Martinskirche: „Über den Gewölben sind weitere Wandmalereien entdeckt worden, die nun in Zusammenarbeit mit der Universität untersucht werden sollen“, sagt Conrad. In der Planung sei aktuell auch ein weiteres Buchprojekt zur Geschichte der Martinskirche, das möglichst im Jahr 2023, dann zur 800-Jahrfeier, mit neuesten Erkenntnissen zur Entstehung, zur Geschichte mit kirchlichen Gruppen, Kreisen und Menschen, aber zur Kunstgeschichte, erscheinen soll.

Und zwar unter Mitarbeit von Archäologen, Historikern und Theologen unter Federführung von Pfarrer Conrad. „Sie sehen also, die Aufgaben der Stiftung werden nicht weniger, sondern mehr. Angenehmer Nebeneffekt unser Arbeit ist, dass der Bekanntheitsgrad der Kirche überregional gesteigert wird. Wir haben viele Führungen für Besucher auch von außerhalb. Wir haben einen Preis für die schönste Dorfkirche des Saarlandes erhalten und auch den Landesdenkmalpreis 2016 gewonnen. Das alles wäre ohne die Anstrengungen der Stiftung kaum möglich gewesen.“

Blick in die Köllerbacher Martinskirche.
Blick in die Köllerbacher Martinskirche. FOTO: Iris Maurer
Schöne Deckengemälde zieren die Kirche.    
Schöne Deckengemälde zieren die Kirche.    FOTO: BeckerBredel