Aus Indien nach Püttlingen

Satyendra Baliga (33) wollte immer schon Arzt werden. In seiner indischen Heimat musste er oft überlegen, ob der Patient die Behandlung überhaupt bezahlen kann. In Püttlingen kann er sich auf seine Arbeit als Mediziner konzentrieren.

"Am wichtigsten ist für mich, dass sich die Menschen hier respektieren, alles sicher ist und es kein Chaos auf den Straßen gibt." Das sagt Satyendra Baliga, Assistenzarzt am Knappschaftsklinikum Saar in Püttlingen . Vor fast einem Jahr wanderte er mit seiner Frau von Indien nach Deutschland aus und suchte bessere Arbeitsbedingungen, als er sie in seiner Heimat hat. In Püttlingen wurde er fündig. Jetzt arbeitet er bei der Knappschaft in der Orthopädie .

Auch der Vater war Arzt

"Mein Vater war Kinderarzt, für mich war immer klar, dass ich Arzt werden möchte. 2012 habe ich meinen Facharzt in Orthopädie abgelegt, 2013 war ich für 45 Tage im Saarland an der Klinik hier in Püttlingen und habe als Gastarzt bei einem Austausch mitgemacht. Ich habe festgestellt, dass es hier viel angenehmer ist zu arbeiten, denn in Indien gibt es keine gesetzlichen Krankenversicherungen. Die Patienten müssen alles aus eigener Tasche bezahlen, und die Ärzte müssen die Kosten für sämtliche Behandlungen und Materialien im Kopf haben. Dabei ist es auch äußerst wichtig abzuschätzen, ob der Patient die Behandlung überhaupt bezahlen kann. Das ist unglaublich stressig", schildert der 33-Jährige. Das Gesundheitssystem in Indien sei bei weitem nicht so gut geregelt wie das deutsche - und der Arzt könne sich nicht auf sein eigentliches Tun konzentrieren.

Sein indisches Diplom wurde in Deutschland zunächst nicht anerkannt. Daher ist er nun ein Jahr lang Assistenzarzt. Erst danach kann er als Orthopäde vollwertig anerkannt werden.

Der Auswanderer kommt aus der Stadt Pune im Bundesstaat Maharashtra. Als zweite Fremdsprache lernte er in der Schule Deutsch. Dies sei nichts Ungewöhnliches in Indien, da manche Schulen von Deutschen gegründet wurden. Daher fand er schnell Anschluss in seiner neuen Heimat . "Mein Chef, meine Kollegen und auch mein Vermieter haben mir sehr viel geholfen bei dem ganzen Papierkram." Mit seiner Gattin, die ebenfalls in der Klinik, als Assistenzärztin in der Neurologie arbeitet, spricht er zu Hause Englisch: "Meine Frau kommt aus einem anderen indischen Bundesstaat und spricht nicht meine Sprache." In Indien gibt es keine einheitliche Nationalsprache, dafür aber 179 Sprachen und 544 Dialekte.