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Aus der Klosterküche für heimische Herde

Aus der Klosterküche für heimische Herde

Das hat Stil: Wie sich genusstaugliche Lebensmittelreste in leckere Speisen verwandeln lassen, macht die Hostienbäckerei im Kloster Heilig Kreuz Püttlingen jetzt vor. Namhafte Köche aus der Region haben Rezepte entwickelt. Beim Klosterfest gibt's ein Schaukochen.

Das Kloster Heilig Kreuz Püttlingen wurde 1958 geweiht. Heute leben dort zwei Redemptoristinnen und vier Nazarethschwestern aus dem indischen Kerala. Ein Kreis von Ehrenamtlichen hilft, die Existenz des Klosters zu sichern. Dazu gehört nun einmal auch das liebe Geld.

Von Anfang bis heute verdienen sich die Ordensfrauen einen Teil ihres Unterhaltes mit der Hostienbäckerei. Mehrere deutsche Bistümer und Teile der evangelischen Kirchen beziehen ihre Hostien aus Püttlingen. Einmal pro Woche wird gebacken, gestanzt, geprüft, sortiert, eingetütet, versandt, immer streng nach dem Kirchenrecht und einem päpstlichen Edikt aus dem Mittelalter. Und das bedeutet: Hostien dürfen ausschließlich aus Wasser und Mehl hergestellt werden, ohne Treibmittel und Gewürze. Das macht sie auch diättauglich.

Doch es gibt heute weniger Kirchenbesucher und weltliche Konkurrenz, so ist das Geschäft mit den Oblaten schwieriger geworden. "Kummer macht uns die Tatsache, dass wir bei der Herstellung der Hostien 40 Prozent Verlust einrechnen müssen", sagt der Püttlinger Altbürgermeister Rudolf Müller , Sprecher des erwähnten Helferkreises. Schwester Ja seentha Sebastian, Oberin der Nazarethschwestern, ergänzt: "Der Backautomat produziert viereckige Platten. Die Hostien werden traditionell rund ausgestanzt - das sowie der übliche Bruch ergibt den Verlust."

Bisher hatte ein Landwirt die Reste an sein Vieh verfüttert. Damit sei jetzt Schluss, hieß es. Denn im Kloster hat man gegrübelt: "Immerhin handelt es sich um ein Naturprodukt ohne jeglichen Zusatz. Das kann, das muss in der Küche universell einsetzbar sein", erklärt Paul Lui. Lui hilft im Kloster, wo er nur kann. Als gelernter Bäcker und Konditor kennt er sich mit Rezepturen aus. Hinzu komme die Inspiration der Köchin, seiner Ehefrau. Lui: "Mais, Kokosflocken, Nüsse - das alles kann durch die gemahlenen Hostien ersetzt werden." Man könne damit zum Beispiel Schoko-Napfkuchen herstellen, ebenso Klöße halb und halb, Kroketten, Königsberger Klopse, Pudding, sogar Schneebällchen.

Aufgrund ihres neutralen und wie gesagt diätgeeigneten Geschmacks könne man sie problemlos mit Mehl , Senf, süßen Zutaten oder Gewürzen mischen, sagt Lui, und: "Das Produkt mildert sogar versalzene Suppen." Das Wort Produkt ist gefallen. Bernd Gilgen und Olaf Reek, zwei weitere Helfer aus dem Kreis der Ehrenamtlichen, haben sich Gedanken gemacht: "Wir nennen es Panagusta. Das ist ein eingängiger Name." In der Folge legten die Kloster-Verantwortlichen ihr Panagusta dem Chefkoch der Püttlinger Klinik, Rolf Stuhlfauth, zum Ausprobieren vor. Dessen Urteil lautet: "Sehr gut für die Küche geeignet."

"Perfekt!", sagt auch Abt Mauritius vom Kloster Tholey. Dessen Meinung sollte was wert sein. Denn schließlich war Pater Mauritius in seinem "ersten Leben", also dem vor seinem Eintritt in den Orden, als Alain Choriol ein erst 20-jähriger Sternekoch, unter anderem an der renommierten École d'hôtellerie im elsässischen Straßburg.

Pater Mauritius, der seine Konfratres auch schon mal mit Weinbergschnecken in Kräuterbutter verwöhnt, hat gleich mehrere Rezepte für Panagusta entwickelt. Ebenso der bekannte saarländische Schaukoch Josef Lay, der auch für die Hostienbäckerei in der Küche experimentiert hat. Am Sonntag, 13. September, im Rahmen des ganztägigen Festes Kreuzerhöhung der Kardinal Maurer-Stiftung (Ankündigung folgt), lädt Lay in der Zeit von 13 bis 15 Uhr zum "Unterhaltsamen Schaukochen - Neues aus der Klosterküche" mit dem neuen Hostien-Produkt ein. Ab dann wird Panagusta auch im Klosterladen verkauft. Der Erlös dient dem Erhalt des Klosters.

 Etikett für (auch diätgeeignetes) Panagusta. Foto: Olaf Reeck
Etikett für (auch diätgeeignetes) Panagusta. Foto: Olaf Reeck Foto: Olaf Reeck

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HintergrundDas lateinische Wort "Hostie" bedeutet soviel wie Opfertier oder Schlachtopfer . Nach Kirchenrecht steht das gebrochene Brot beziehungsweise die Hostie für den Leib Christi, der Wein in der Liturgie für das Blut Christi. "Konsekriert" (geweiht) wird die Hostie in der Regel erst in der Kirche. et