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April im Mai und ein tropisch-nasser Sommer

April im Mai und ein tropisch-nasser Sommer

In den 25 Jahren, in denen Jörg Hoffmann in Eiweiler eine Wetterstation betreibt, zeigte sich 2014 als das das wärmste Jahr im Köllertal – mit trockenem Frühling, tropischem Gewittersommer und kühlem August. Die Wetterküche hatte jedenfalls 2014 ein abwechslungsreiches Menü zu bieten, zeigt unser Rückblick.

 Eigentlich sind Ringelblumen nichts Besonders – im Winter aber schon: Das Foto entstand im Januar 2014 in Eiweiler. Foto: jh
Eigentlich sind Ringelblumen nichts Besonders – im Winter aber schon: Das Foto entstand im Januar 2014 in Eiweiler. Foto: jh Foto: jh

2014 war im Köllertal ein facettenreiches Wetterjahr, das zuerst einen Totalausfall des Winters brachte, auf den ein sehr trockener, von Sonne und Wärme verwöhnter Frühling folgte. Der Sommer war von Gegensätzen zwischen tropischer Hitze mit vielen Gewittern und herbstlicher Kühle geprägt, ehe der Herbst lange Zeit spätsommerlich verlief. Fast alle Monate waren im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt viel zu warm, ausgerechnet der Sommermonat August fiel als einziger Monat des Jahres zu kühl aus. Daher erlebten wir 2014 mit einem Mittelwert von 10,9 Grad - das sind zwei Grad über der Norm - das wärmste Jahr meiner 25-jährigen Eiweiler Messreihe. Gleichzeitig war es auch das absolut wärmste Jahr in Deutschland seit Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen im Jahr 1881 .

Unterm Strich hielten sich trockene und nasse Monate in etwa die Waage, dennoch war 2014 mit einer Regensumme von 872 Liter auf den Quadratmeter um 50 Liter trockener als üblich, was vor allem auf die große Trockenheit im Frühjahr und Juni zurückzuführen ist.

Der zweitwärmste Januar der Messreihe war von Rekorden bei den Frost-, Winter- und Eistagen geprägt: Es wurde nicht kälter als minus 3,5 Grad und in der ersten Januarhälfte wurden zweistellige Temperaturen bis 12,5 Grad gemessen. Der Winter leistete sich im Januar und Februar einen Totalausfall.

Auch der regenreiche Februar war atlantisch geprägt und mit einem Mittel von 4,8 Grad noch etwas wärmer als der Januar. Die "Winter"-Witterung glich eher einer Mischung aus Herbst und Frühling . So wurden Ende Februar vorfrühlingshafte 14 Grad gemessen, Wiesen und Felder waren so grün wie im Frühling .

Das Frühjahr - das drittwärmste der letzten 25 Jahre - war von Sonne und Wärme verwöhnt, doch auch die Trockenheit war sehr groß. Im März herrschte eine anhaltende Schönwetterperiode, Hochdruckgebiete gaben sich für einen Bilderbuch-Frühling die Klinke in die Hand, die Temperaturen kletterten auf über 20 Grad.

Auch der April zeigte sich deutlich zu warm; bereits zum fünften Mal seit 2007 präsentierte er frühsommerliche Witterung und zeigte auch keine April-Launen. Obstbäume und Raps blühten im Köllertal so früh wie selten zuvor.

Im Mai änderte sich die Großwetterlage grundlegend, dringend benötigter Regen beendete die Trockenheit. Wir erlebten einen wechselhaften Wonnemonat mit Regen und Wind, es wurde deutlich kühler (10 bis 15 Grad), nur kurzzeitig stiegen die Werte bis 26 Grad. Doch insgesamt machte die Sonne im Frühling rund 20 Prozent Überstunden.

Der wechselhafte, gewittrige Schaukel-Sommer bot viele Gegensätze zwischen trocken und nass, warm und kühl. Der Juni hatte uns in der ersten Dekade zu Pfingsten noch eine markante Hitzewelle mit den heißesten Tagen des Jahres bis 33,5 Grad beschert. Danach kühlte eine Gewitterfront etwas ab, doch eine sommerlich warme Schönwetterphase hielt bis zum letzten Junidrittel an. Zum Siebenschläferzeitraum ab Ende Juni stellte sich die Großwetterlage nachhaltig um. Eine atlantische Westwetterlage übernahm die Regie, und Tiefdruckeinfluss etablierte sich oft über Mitteleuropa. Der Juli zeigte auch tropische Verhältnisse mit Hitzetagen bis 33 Grad, häufigen Gewitter- und Regengüssen. Mit einer Regenmenge von 152 Liter pro Quadratmeter fiel im Juli 81 Prozent mehr Regen als im Durchschnitt.

Der August begann noch sommerlich, doch ab dem zweiten Drittel verursachte der Ex-Hurrikan Bertha einen jähen Absturz in den Frühherbst, die Temperaturen fielen unter 20 Grad und der August zeigte sich regnerisch und unbeständig, wurde gar in diesem wärmsten Jahr zum einzigen Monat, der zu kühl war.

Eine kleine Entschädigung bot der spätsommerlich-warme September mit in der ersten Hälfte stabilem Hochdruckwetter und bis zu etwa 25 Grad. Nach einem kurzen Regen-Intermezzo verwöhnte uns der Altweibersommer zum Monatsende mit Sonne und Wärme bis 23 Grad.

Im Oktober folgte auf spätsommerlichen Beginn (bis 22 Grad) eine unbeständige Phase mit Regen und Abkühlung. Nach der Monatsmitte bäumte sich der goldene Oktober mit einem Warmluftvorstoß bis 23 Grad nochmals auf. Die letzte Dekade brachte eine Abkühlung bei hochnebligem Himmel.

Der November-Start an Allerheiligen verlief ungewöhnlich mild bei Werten um 16 Grad mit viel Sonne, ehe Tiefausläufer mit Regen das Zepter übernahmen. Am 7. November trat mit minus 0,4 Grad der erste Frost auf. Bis Monatsmitte blieb es unbeständig, im letzten Drittel wurde es nochmals sehr mild bei 14 Grad, bevor es gegen Monatsende auf einstellige Werte abkühlte.

Der Dezember bescherte im ersten Drittel den ersten Wintereinbruch, mit Schneechaos auf den Straßen am 3. Dezember. Doch in der Folge setzte sich wieder eine milde Westströmung mit Tiefs und Regenfällen bis Weihnachten durch. Nach Weihnachten kam es zu einem neuen Wintereinbruch, und arktische Kaltluft sorgte für strengen Frost. Wenigstens auf der Zielgerade ging der ansonsten milde Dezember winterlich zu Ende - mit den beiden einzigen Dauerfrosttagen des ganzen Jahres am Schluss.