Alte Klänge in der Martinskirche

Köllerbach. "Mit Ihrer Musik haben Sie sehr schön das Mittelalterfest eröffnet." Das bescheinigte Joachim Conrad, Pfarrer der Evangelischen Martinskirche zu Kölln am Freitag der Trierer Folkloregruppe Pipes 'n' Strings

Köllerbach. "Mit Ihrer Musik haben Sie sehr schön das Mittelalterfest eröffnet." Das bescheinigte Joachim Conrad, Pfarrer der Evangelischen Martinskirche zu Kölln am Freitag der Trierer Folkloregruppe Pipes 'n' Strings. Passender kriegt man's nimmer: Zuerst hörten die Zuhörer Spannendes aus des Pfarrers Mund zur gut tausendjährigen überaus wechselvollen Geschichte des geschichtsträchtigen Gotteshauses und danach die mittelalterlichen Rhythmen, Akkorde und "Melodeien" der Pipes 'n' Strings. Heiliger Martinus von Tours, Heiliger Jakobus mit der Muschel, arme Sünder, die klagend zur Hölle fahren, historische Abendmahlgefäße, Lutherrose, Herrschaftswappen der Nassau-Saarbrücker, preußischer Adler; das alles und viel mehr hat seinen Platz in der denkmalgeschützten Martinskirche. Zu allem hatte das Trierer Ensemble, das seit vier Jahren zusammenspielt, die passende Musik - vierstimmige Pavanen aus Frankreich, barocke irische Musik aus der Feder des wohl berühmtesten irischen Harfenspielers, dem blinden Turlough O'Carolan, Deftiges aus den "Carmina burana", Allemanden, Volten, Gavotten, elegante Tanzformen der Renaissance bis hin zum mittelalterlich klagenden Kirchenlied "Da pacem, Domine - Vergib uns Herr!". Den mittelalterlich gewandeten Musiker, drei blutjunge und zwei ältere, gelang es wunderbar, ihre Instrumente, diverse Flöten, Mandola, Schellenkranz, Trommel und das hochinteressante "Hümmelchen" (Renaissance-Dudelsack, auch Sackpfeife genannt), zum Klingen zu bringen.

HintergrundDie evangelische Martinskirche zählt zu den ältesten religiösen Bauwerken im Saarland und ist eine der wenigen erhaltenen Dorfkirchen aus der Spätgotik. Sie liegt im Köllerbacher Ortsteil Kölln innerhalb der Mauern eines alten Friedhofes. Die Martinskirche wird im Jahre 1223 erstmals urkundlich erwähnt, als Graf Simon von Saarbrücken die Kollatur der Kirche den Mönchen von Wadgassen schenkte. Die Wurzeln der Martinskirche reichen allerdings bis ins 8. Jahrhundert zurück. Seit der Einführung der Reformation in der Grafschaft Nassau-Saarbrücken 1575/76 ist die Kirche evangelisch. 1957 entdeckte man im Chorraum der Martinskirche bei Sanierungsarbeiten mittelalterliche Decken- und Wandmalereien, die daraufhin restauriert wurden. red