Aldi lässt Püttlingen wachsen

Püttlingen kommt Aldi entgegen. Und das im wahren Wortsinn: Der Discounter soll am Ortsausgang Richtung Völklingen entstehen. Das wäre aber, nach den Vorgaben des Landes, zu weit von der Wohnbebauung entfernt, die Genehmigung wäre fraglich. Also wird auch das Wohngebiet Schlehbach erweitert – dann stimmt die Entfernung zur Bebauung.

In absehbarer Zeit, so scheint es, wird es in Püttlingen einen weiteren Discounter geben. Nicht weit vom Burgplatz entfernt, wo es seit 1999 einen Lidl-Markt gibt, soll im Bereich des Ortsausgangs in Richtung Völklingen ein Aldi-Markt entstehen. Der Püttlinger Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung gebilligt, dass ein "vorhabenbezogener Bebauungsplan Aldi-Markt Püttlingen " erstellt werden kann.

In diesem Zusammenhang beauftragte der Rat auch die Stadtverwaltung, beim zuständigen Regionalverband die notwendige Änderung des Flächennutzungsplanes für das vorgesehene Gelände zu beantragen. Denn die bisher für Landwirtschaft vorgesehene Fläche muss in eine "Sondergebietsfläche Einzelhandel" umgewidmet werden.

Schon vor mehr als einem Jahr hatte der Stadtrat zum Thema "Neubau eines Aldi-Marktes Nähe Bahnhofstraße" beraten. Schnell war dabei deutlich geworden, dass ein so großer Markt mit 1300 Quadratmetern Verkaufsfläche und 100 Stellplätze für Autos nicht, wie vom Rat favorisiert, in innerstädtischer Lage zu realisieren ist. Deshalb hatte der Stadtrat nach erneuter Beratung Anfang des Jahres beschlossen, dass die gewünschte Ansiedlung eines "großflächigen zentrenrelevanten Einzelhandels" auch außerhalb des Zentrums möglich sein soll. Bestimmte Grundvoraussetzung sollten aber eingehalten werden (wir berichteten). Unter anderem sollte dabei eine Auswirkungs- und Standortanalyse in Auftrag gegeben werden, die der Vorhabenträger bei der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) in Auftrag gegeben hat. Sie liegt inzwischen vor und kommt zu dem Ergebnis, dass die Ansiedlung eines Lebensmitteldiscounters grundsätzlich mit dem Entwicklungspotenzial der Stadt übereinstimmt. Auch unter Berücksichtigung der Erweiterungspläne der Köllerbacher Einkaufsmärkte - darunter ein Aldi - läge die in ganz Püttlingen insgesamt vorhandene Verkaufsfläche noch unter dem Bundes-Durchschnitt.

Das Innenministerium hat zudem das Vorhaben im Bezug auf die Landesplanung beurteilt. Demnach widerspreche das Vorhaben allerdings in einem Punkt den Zielen der "Raumordnung": Der Markt befände sich nicht innerhalb des "Siedlungszusammenhangs" - er entstünde demnach etwas außerhalb des bebauten Stadtgebietes. Um das zu ändern, will die Stadt den Markt nicht näher heran holen, sondern die Stadt vergrößern: Parallel zu den Planungen zum Einkaufsmarkt soll das Wohngebiet Schlehbach erweitert werden. Auch diesem Änderungsbeschluss zum Bebauungsplan hat der Stadtrat zugestimmt.

Der neue Lebensmitteldiscounter soll über eine neue Straße erschlossen werden, die von der Bahnhofstraße nach Osten abzweigen wird. Über diese Anbindung soll dann auch die Erweiterung des Neubaugebietes zu erreichen sein.

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Hintergrund Die Sichtweisen ändern sich: Um dem Discounter Aldi räumlich entgegen zu kommen, wird - so das vom Stadtrat gebilligte Vorhaben - die Stadt Püttlingen durch eine Erweiterung des Baugebietes Schlehbach "vergrößert". Im Dezember 2010 hatte der Rat noch einstimmig den Bauantrag einer privaten Investorengesellschaft abgelehnt. Diese wollte an Stelle der ehemaligen Heiselsmühle (Mühle Eckle), die seit 50 Jahren als Ruine dasteht, zwischen Köllner- und Köllertalstraße einen Wohnpark bauen. Begründet wurde die Ablehnung auch mit der sinkenden Einwohnerzahl, weswegen eine Ausdehnung der Innenstadt, mit einhergehender Bodenversiegelung, nicht erwünscht sei. Eine (kleinere) Aldi-Filiale gab es einst in Püttlingen hinter dem Rathaus. Zunächst war im Gespräch, dass diese Filiale am Burgplatz neu eröffnen solle, doch dann eröffnete dort 1999 Lidl (der zuvor eine viel kleinere Filiale woanders im Ort gehabt hatte), und Aldi vergrößerte sich 2000 durch den Umzug nach Köllerbach. mr