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Abschied von Schloss Bietschied

Blick auf das Bietschieder Schloss. Am Sonntag ist dort Tag der offenen Tür. Foto: Andreas Engel/CD
Blick auf das Bietschieder Schloss. Am Sonntag ist dort Tag der offenen Tür. Foto: Andreas Engel/CD FOTO: Andreas Engel/CD
Bietschied. Wechselhafte Zeiten hat das Schloss erlebt. Prunkvolle Feste, eine beliebte Sommerfrische mit Gartenwirtschaft, strenge Disziplin beim weiblichen Reichsarbeitsdienst, Genesung unfallverletzter Bergleute und eine Reha-Klinik, die bald nach Püttlingen verlagert wird. Karl Heinz Janson

Das kleine Bietschieder Schloss hat im Laufe seiner langen Geschichte schon viele Herren und Nutzer gesehen. 1810 erbaute der reiche Holzhändler Wilhelm Heinrich Wahlster sich das Anwesen als Herrenhaus. Er war damals "Maire" von Heusweiler und pflegte zu den Franzosen gute Kontakte, denn bis 1815 gehörte unsere Region zur französischen Republik. Auch bei den Preußen blieb er nach 1815 Bürgermeister. Seine Tochter Heliane erbte das Anwesen und ließ um das Haus schöne Gärten anlegen. Da sie kinderlos war, vermachte sie das Herrenhaus ihrer Nichte Eugenie. Deren Ehemann Emil Nikolaus Jakob Krezzer empfing als ehemaliger Hauptmann gern seine alten Militärkameraden in Bietschied . Er verschuldete mit seinem angeberischen Lebensstil schließlich das Anwesen so, dass es um 1900 an die Grube Dilsburg verkauft wurde.

Beliebte Sommerwirtschaft


Nun nahm deren höchster Werksbeamter, Fahrsteiger Friederich Wahlmann, in dem Anwesen seine Wohnung. Er ergänzte die Gärten durch reichen Blumenschmuck. Seine Frau betrieb in den Gärten eine Sommerwirtschaft, in der auch Konzerte stattfanden. Im Ersten Weltkrieg endete diese schöne Zeit, das Anwesen wurde vom Militär genutzt.

Die ab 1920 französische Grubenverwaltung verpachtete das Anwesen an einen Verwalter. Ab da setzte ein langsamer Niedergang für das Haus und seinen Park ein. 1936 erwarb der Landkreis Saarbrücken das Bietschieder Schloss, um darin ein Lager für den weiblichen Reichsarbeitsdienst einzurichten. Damals wurde das Haus um eine Achse erweitert. Im Zweiten Weltkrieg lag wieder Militär im Schloss, und an dessen Ende wurde das Haus für Notwohnungen genutzt. 1947 erwarb die Grubenverwaltung wieder das Anwesen. Kurzzeitig war es zu Anfang der fünfziger Jahre ein Kindererholungsheim, ehe 1954 in dem Gebäude von der Grubenverwaltung ein Genesungsheim für unfallverletzte Bergleute eingerichtet wurde, als Tagesklinik konzipiert. Die Patienten wurden morgens mit dem Bus gebracht und konnten abends nach Hause. Je Jahr durchliefen ungefähr 400 Bergleute die Einrichtung. Die medizinische Betreuung geschah gemeinsam mit der Knappschaft. An Behandlungsmethoden standen zur Verfügung: Wechselbäder, Unterwassermassagen, Bewegungsbad, Sauna, Massagen, Wärmebehandlung, Kältebehandlung, Elektrische Therapie, Bewegungsübungen und Heilgymnastik. Hinzu kamen Sport und Arbeitstherapie . 1954 wurde zwischen Schloss und dem landwirtschaftlichen Betrieb eine Turnhalle angebaut. Zusätzlich wurde die Einrichtung um eine Werkstatt zur Arbeitstherapie erweitert.

1974 übernahm Alois Schmidt die Leitung der Reha-Klinik. Er konzipierte eine große Anzahl einfacher Gerätschaften für die Bewegungsmechanik der Patienten . Schmidt fühlte sich dem Schloss und seiner Geschichte zugetan. Schon seit 1937 stand das Gebäude und ab 2001 das Ensemble unter Denkmalschutz. Er besorgte sich Literatur und historische Vorlagen aus der Zeit der Erbauung. Im Rahmen der Arbeitstherapie gewann er fähige Bergleute für Restaurationsarbeiten in den Räumen. Ab 1990 änderte sich die Organisation der Einrichtung. Von nun an gab es jeweils einen medizinischen, therapeutischen, sowie kaufmännischen Leiter des Hauses. 1997 erfolgte eine größere Modernisierung der Bietschieder Reha-Klinik. An das Anwesen wurde ein großer neuer Trakt angebaut mit Bewegungsbad, Räumen mit neuzeitlichen Geräten zur Bewegungsgymnastik und einer Rezeption. Mit dem Rückgang des Bergbaus und seiner Beschäftigten im Saarland sank die Auslastung der Reha-Klinik. Ab 2000 wurde das Bietschieder Haus auch für Patienten außerhalb des Bergbaus geöffnet. Bis dahin waren etwa 9500 unfallverletzte Bergleute in Bietschied behandelt worden.

Umzug nach Püttlingen

Zum 1. Januar 2004 übernahm die Knappschaft Bahn-See als Versicherungsträger den Betrieb der Einrichtung von der Deutschen Steinkohle. 2012 traf die Knappschaft die Entscheidung, das Bietschieder Reha-Zentrum in einen Neubau an der Püttlinger Klinik zu verlagern. Damit endet nach 60 Jahre der Reha-Betrieb im Schloss. Im Herbst beginnt der Umzug nach Püttlingen . Was danach mit dem Bietschieder Anwesen geschieht, ist offen.

Zum Ende der Reha-Klinik gibt es am Sonntag, 3. August, einen Tag der offenen Tür. Bei einem Programm ab 14 Uhr gibt es historische Führungen.