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70 hitzebeständige Wanderfreunde bei einer fröhlichen „Tor-Tour“

70 hitzebeständige Wanderfreunde bei einer fröhlichen „Tor-Tour“

Beten in der Natur, fit werden, sich auspowern: Sehr unterschiedlich waren die Motivationen der Teilnehmer, bei bis zu 30 Grad die gut 41 Kilometer des Pfarrer-Rug-Wanderwegs anzugehen.

Der ehemalige Köllner Pfarrer und Ehren-Professor Karl-Ludwig-Rug (1901 bis 1985) mag selbst kein großer Wanderer vor dem Herrn gewesen sein. Der evangelische Theologe, der den Köllerbachern von 1928 bis 1968 treu diente, hätte aber sicher seine Freude daran gehabt, wie viele Menschen sich am gestrigen Sonntag auf den "Pfarrer-Rug-Weg" machten. Dieser Kulturwanderweg durch das Köllertal und den Saarkohlenwald verbindet auf gut 41 Kilometern Orte und Stätten, die dem passionierten Landeskundler, Heimat- und Familienforscher wichtig waren.

Bereits im Vorjahr hatte die Stadt Püttlingen ihrem Ehrenbürger Rug den "1. Köllertaler Wandermarathon", gewidmet - wegen eines angedrohten Unwetters (das dann doch nicht kam) war die Veranstaltung vorsorglich abgeblasen worden. Nun konnte sie unter demselben Titel stattfinden, wobei die hohen Temperaturen den (anfangs) gut 70 Startern, die Bürgermeister Martin Speicher auf die Strecke schickte, wohl mehr Durchhaltevermögen abverlangten als die Sturmböen von 2015. Bereits am Start um 8 Uhr herrschten 17 Grad, gegen Mittag ging es auf die 30 Grad zu. Etwas Galgenhumor zeigte Manuel Andrack , einer der bekanntesten Wanderer der Republik, Köllerbacher Bürger und als Vor-Marschierer des Tages engagiert: Er sprach am Start von "Tor-Tour", aber das war natürlich nicht ernst gemeint.

Andrack machte seine Sache vorbildlich, gab die zwei wichtigsten Ziele vor - Ankommen und zwischendrin ein Belohnungsbier am Naturfreundehaus Kirschheck -, und dann ging es im Schnitt von fast sechs Stundenkilometern ohne Uhr, GPS, Abschweifung und Selbstzweifel immer frisch voran!

Die Mitwanderer hatten die unterschiedlichsten Beweggründe und Ziele: Sybille Woll aus Heusweiler, mehrfache Saarlandmeisterin im Orientierungslauf, wollte sich hier "mal richtig auspowern und den Kopf frei kriegen". Monika und Harry Müller aus Köllerbach , 32-Kilometer-Märsche gewohnt, schauten mal, ob es auch für eine noch längere Distanz reichen würde. Auch Tanja Hasselbacher aus Püttlingen sah die Herausforderung in der Streckenlänge, derweil die in Allgäu-Wanderungen geübte Freizeitsportlerin die 800 Höhenmeter kaum gespürt haben dürfte. Unverhofft traf sie mit Britta Thees eine alte Schulfreundin, so dass ab Minute eins für Unterhaltung gesorgt war.

Marc Oehlenschläger marschierte in Bundeswehr-Uniform plus zehn Kilo Gepäck mit, um seine Form zu erhalten. AH-Fußballer Thomas Folz fand es schön, an der Spitze der Gruppe in sein Heimatdorf Herchenbach zu wandern. Für Victoria Grillo, eine Amerikanerin mit Wohnsitz Völklingen, war die Wanderung ein Pilgerweg: Die bekennende Katholikin genoss die Natur und betete. Clemens Feld, der Vorsitzende des TV Püttlingen, betrachtete das Mitmachen als "Ehrensache", zumal sein Verein, neben dem TV Köllerbach (auch dessen Vorsitzender Harald Schuler war dabei) und dem Roten Kreuz aus Köllerbach und Püttlingen die Helfer stellte. Die Veranstaltung war vorzüglich organisiert und an den Schnittpunkten zu Landstraßen auch durch Ordner gesichert. Es gab Wasser, Energieriegel und Obst.