1. Saarland
  2. Saarbrücken

Prozess wegen schwerer Nötigung  gegen leitenden Polizeibeamte

Kostenpflichtiger Inhalt: Prozess wegen schwerer Nötigung gegen leitenden Polizeibeamte : Ex-Dozent: „Ich war froh, dass das öffentlich wurde“

Im Prozess wegen schwerer Nötigung  gegen den früheren Vize-Rektor der Fachhochschule für Verwaltung, den leitenden Kriminaldirektor Christof Baltes (58), und einen Polizeirat (42) sagte am Montag ein ehemals hauptamtlicher Dozent aus.

Baltes und sein Kollege sollen im Sommer 2017 vier Polizeistudenten unter Druck gesetzt haben, damit sie ihre Mobiltelefone für eine Auswertung rausgaben. Ihnen soll mit Diziplinarverfahren und dem möglichen Rauswurf aus der Polizei gedroht worden sein. Anlass waren interne Untersuchungen, ob eine Dozentin Studierenden Tipps im Vorfeld einer Klausur gegeben hatte.

Ein Kriminalrat (37) hatte damals Kontakt mit einem der betroffenen  Kommissaranwärter und einer Mitarbeiterin des Vize-Rektors. So habe er erfahren, dass Handys zeitweise eingezogen waren. Den Studenten, den er als „bodenständig und ehrlich“ einschätzte, habe er gefragt, ob er denn in seinem  Unterricht (Staats- und Verfassungsrecht) nicht zugehört habe, als es um Grundrechte ging. Genau in diese sei, so der Zeuge, wohl eingegriffen worden. Die Gegenfrage des Betroffenen sei gewesen: „Was hätte ich denn tun sollen?“ Er habe das Mobiltelefon schließlich ausgehändigt.

Der angeklagte Polizeirat habe im kollegialen Gespräch auf die Frage, was sie denn mit den Polizeistudenten gemacht haben, schlicht gesagt: „Wir haben es gemacht, wie in der Karcherstraße.“ Damit waren wohl Taktik und gelegentliche Drucksituationen bei Vernehmungen von Beschuldigten in der größten saarländischen Polizeiinspektion in Saarbrücken gemeint. Dort wirkte der Polizeirat zeitweise.

Dessen Kollege gab jetzt zu Protokoll, dass ihn die  Vorfälle sehr beschäftigten. „Ich war froh, dass das öffentlich wurde“, sagte er und verwies auf einen Bericht unserer Zeitung über eine anonyme Anzeige.

Der Prozess wird am Donnerstag, 19. März, fortgesetzt.