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Projekt in Burbach soll Kindern ein Leben ohne Drogen näher bringen

Soziales Projekt in Burbach : Glück im Grünen stärkt für ein Leben ohne Drogen

Arbeiterwohlfahrt und Drogenhilfe Saarbrücken machen mit bei hoch gelobtem Vorbeugungs- und Therapieangebot.

Ein Streichholz flammt auf. Im Topf auf der Feuerstelle köchelt bald ein Mahl vor sich hin. Menschen sitzen um den flackernden Wärmespender. Sie lachen einander zu und erzählen sich von einem spannenden Tag, vom Wandern, Kräutersammeln.

Dann geben sie sich wieder dem Knistern des Holzes und den Tierstimmen hin, einer Geräuschkulisse fernab vom Grundrauschen der Stadt. Ganz in der Nähe ihrer Heimat. Und doch weit weg vom Alltag.

Heute ist es ausnahmsweise egal, ob das Geld noch für den Supermarkt reicht. Die Zutaten für dieses Essen sind preiswert, die Kräuter und Früchte, die es verfeinern, kommen direkt aus dem Wald. Selbst gesammelt. Und ob die Show im TV wieder so öde ist wie der Krimi von gestern? Egal.

Heute lachen sie miteinander, singen, brauchen weder Smartphone noch Flachbildschirm. Therapiehündin Nala, bei den Abenteuern im Saar-Urwald stets dabei, lässt den freundlichen Blick hin und her wandern. Braucht ein Kind einen starken Beschützer für die Nacht unter Sternen, legt das geschulte Tier sich selbstverständlich dazu. Zurück bleibt ein Erfolgserlebnis. Das gute Gefühl, dass niemand Drogen braucht, um glücklich zu sein.

Die Menschen, die hinter dieser Wildnispädagogik stehen, hantieren mit Feuerholz und Kräutern ebenso selbstverständlich wie mit Expertendeutsch. „Suchtprävention und Soziale Arbeit mit der Natur“ heißt das, was sie in den Wäldern mit ihren Begleitern tun. Sie arbeiten bei der Drogenhilfe Saarbrücken, gehören wie Projekt-Wegbereiter Jürgen Linneweber zum Sozialraumteam Burbach der Arbeiterwohlfahrt oder beugen mit ihrer Arbeit in Luxemburg Suchtkrankheiten vor. Was sie tun, nutzt den Wald zur Vorbeugung gegen Drogensucht und zur Therapie. Und es passt zu einem auf Nachhaltigkeit angelegten Einsatz für die biologische Vielfalt, zu dem die Vereinten Nationen aufriefen.

Seit kurzem ist dieses Angebot preisgekrönt. Das Bundesumweltministerium und das Bundesamt für Naturschutz haben es als offizielles Projekt im Wettbewerb „Soziale Natur – Natur für alle“ ausgezeichnet.

Stefanie Mohra, Pädagogin bei der Drogenhilfe Saarbrücken, blickt zurück: „Als wir vor 15 Jahren damit anfingen, uns für Wildnispädagogik zu interessieren, war der Ausgangspunkt die eigene Lebenserfahrung und die Begeisterung für die Natur.“ Heute werde allerorten wissenschaftlich untermauert, wie heilsam die Natur ist. So helfe diese Arbeit Abhängigen. „Kiffer können entdecken, dass es echte Zusammengehörigkeit auch ohne Drogen gibt.“

Außerdem stärke Wildnispädagogik das Selbstwertgefühl, damit Kinder und Jugendliche gar nicht erst zu Drogen greifen. „Hier muss niemand Markenschuhe tragen, reiche Eltern haben oder Einsen in der Schule schreiben, um sich Anerkennung zu verschaffen“, sagt Mohra.

Sie arbeitet genauso mit Jungen und Mädchen aus Saarbrücken, deren Eltern suchtkrank sind und die in den Waldgruppen ein paar Tage einfach wieder mal wieder Kind sein dürfen. Mohra weiß um den Stolz, mit dem die jungen Leute von einer Übernachtung im Winterwald erzählen. Sie nehmen aus der Natur eine Freude mit, für die niemand bezahlen musste und die gerade deshalb unbezahlbar ist.

Um all diese großen und kleinen Erfolge für ein Leben ohne Drogen ging es natürlich bei der Preisverleihung im Forsthaus Neuhaus. Nach dem kleinen Empfang brach die Gruppe dorthin auf, wo noch viele von den heilenden Kräften des Zusammenhalts und der Natur profitieren sollen: in den Urwald am Rande der Stadt.