Professor Indra Kupferschmidt lehrt Typographie an der Kunsthochschule

Serie Menschen im Regionalverband : Schriften-Kennerin mag Saarbrücken

Indra Kupferschmidt lebte und lehrte schon in vielen Städten. Die Landeshauptstadt hat es ihr besonders angetan.

Als Indra Kupferschmidt im Jahr 1993 mit ihrem Studium der visuellen Kommunikation in Weimar startete, war noch gar nicht einhundert Prozent klar, wo das Ganze beruflich mal enden würde. Sie liebte jedenfalls damals schon die Typographie, das Gestalten von Druckwerken mit unterschiedlichen Schriftarten. Alles was mit Buchstaben und Schriften zu tun hat, war und ist ihr Ding. „Damals gab es auch nur ganz wenige Arbeitsplätze in dieser Richtung, und die waren natürlich heiß begehrt“, blickt die 47-Jährige zurück. Heute sieht das Ganze etwas anders aus. Schriften sind voll im Trend. Der Bedarf an neuen Schriftarten steigt und steigt.

„Es gibt Unternehmen, die sich von der Masse abheben wollen. Sie lassen sich ihre eigene Schriftart entwickeln und schützen, so dass nur sie sie benutzen dürfen“, sagt Indra Kupferschmidt. Wie Ronaldo oder Messi im Fußball gibt es in der Typographie und im Erfinden von Schriftarten die absoluten Superstars der Szene. Indra Kupferschmidt zählt sich nicht dazu, obwohl sie allen Grund dazu hätte. In Fulda geboren, studierte sie in Weimar, war anschließend in vielen Städten Deutschlands und Europas unterwegs und lehrte ihr Wissen an Universitäten. Nachdem sie in Hamburg, Düsseldorf und Bonn gewesen war, verschlug es die Typographie-Professorin 2006 ins Saarland. Seit 2008 lebt sie in Saarbrücken und unterrichtet an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK). „So lange war ich noch nie an einem Stück an einem Ort. Das ist Rekord“, sagt das Buchstaben- und Schriften-Talent, das im Jahr 2002 eines der am besten bewerteten Bücher Deutschlands schrieb. „Buchstaben kommen selten allein“ heißt es.

Vor einer Woche war die Professorin wegen ihres enormen Wissens in der Samstagabend-Fernsehsendung „Klein gegen Groß“ zu sehen. Dort lieferte sie sich mit einem Elfjährigen ein spannendes Wissensduell um Schriftarten. Der elfjährige Leon gewann schließlich, da er bei der Stichfrage schneller den Knopf gedrückt hatte.

Indra Kupferschmidt nimmt es mit Humor: „Es war total spannend, mal hinter die Abläufe einer solchen Sendung zu blicken. Und zudem war mein Lieblingsthema zur besten Sendezeit im TV. Was will man mehr“, sagt die 47-Jährige. Der Gedanke, dass sie in Saarbrücken – nach ihrer Heimatstadt Fulda – die meiste Zeit ihres Lebens verbracht hat, lässt sie aber nicht los.

Sie denkt nach.„Die Größe der Stadt ist super. Es gibt wunderschöne, aber auch ein paar raue Ecken. Vor allem sind es aber wohl die sehr sympathischen Menschen, die hier im Saarland leben“, sucht die Professorin nach Erklärungen. Bei der Frage, ob sie schon saarländisch kann, sagt sie nur: „Eijo“ und lacht. „Ich bin mittlerweile nicht mehr erkältet, sondern hann die Freck unn die Flemm. Das gibt es sonst nirgends“. An der HBK arbeitet sie bis zu 14 Stunden täglich. In ihrer knapp bemessenen Freizeit schlendert sie gern durch das Land und die Städte. Natürlich immer mit dem Blick für seltene Schriften und Buchstaben auf Plakaten oder Fassaden. „Das Highlight in Saarbrücken ist der Schriftzug der Ortskrankenkasse in der Försterstraße. Der stammt aus den 1920er-Jahren und ist eine echte Rarität. Es  gibt nicht mehr viele davon. Oft lassen Menschen diese Kunstwerke durch Neues ersetzen und wissen gar nicht, was sie damit für einen Schatz zerstören“, sagt die Professorin mit dem außergewöhnlichen Blick in einer noch außergewöhnlicheren Form der Kunst.