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Polizei und Feuerwehr im Regionalverband Saarbrücken für Corona gerüstet

Kostenpflichtiger Inhalt: Virus-Krise : Notfall-Plan von Polizei und Feuerwehr greift auch bei Corona in den eigenen Reihen

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr und Polizei arbeiten tagtäglich mit Unterstützungsmodellen. Wenn es eng wird, helfen Kollegen aus. Daher warnen die Retter vor Panikmache in der Corona-Krise.

Stellen wir uns dieses Szenario vor: Großalarm für die Freiwillige Feuerwehr Quierschied. Es brennt in einem Mehrfamilienhaus. Bewohner sind vom Rauch eingeschlossen. Alle Einsatzkräfte werden benötigt. Wenige Minuten später ereignet sich in Quierschied ein Verkehrsunfall. Personen sind in Autos eingeklemmt. Die Quierschieder Wehr ist bei dem Brand gebunden. Die Freiwillige Feuerwehr Sulzbach hat den kürzesten Anfahrtsweg zum Unfallort. Sie wird von der Leitstelle alarmiert. Sulzbacher Einsatzkräfte rücken nach Quierschied aus.

Und dieselbe Nachbarschaftshilfe würden die Sulzbacher leisten, wenn die gesamte Mannschaft der Quierschieder Feuerwehr nicht beschäftigt wäre, sondern aufgrund eines Corona-Falls unter Quarantäne stünde.

Egal, aus welchem Grund eine Wehr nicht zur Verfügung steht – es greift die Vertretungsregelung. Das erklärt Ruwen Dumont: „Deshalb ist die Einsatzbereitschaft im Fall eines Corona-Falls in einer Feuerwehr gegeben.“ Er ist stellvertretender Brandinspekteur im Regionalverband Saarbrücken. Dort sorgen knapp 2400 Männer und Frauen von der Berufsfeuerwehr Saarbrücken und den Freiwilligen Feuerwehren Saarbrücken, Völklingen, Kleinblittersdorf, Riegelsberg, Heusweiler, Friedrichsthal, Quierschied, Sulzbach, Püttlingen und Großrosseln für die Sicherheit der etwa 329 000 Einwohner. Allein in der Landeshauptstadt sichern knapp 750 Einsatzkräfte bei der Freiwilligen Feuerwehr sowie 189 bei der Berufsfeuerwehr den Brandschutz.

Weil das Corona-Virus sich in der Bevölkerung verbreitet, versuchen sich die Helfer vor einer Ansteckung zu schützen. Immer mehr Feuerwehren setzen ihre wöchentlichen Übungs- und Ausbildungsdienste aus, um die Ansteckungsgefahr zu verringern. „Die Entwicklung in der Corona-Ausbreitung zwingt uns dazu, bis auf Weiteres alle Übungsdienste und sonstigen Dienste in den drei Sulzbacher Löschbezirken Stadtmitte, Altenwald und Neuweiler auszusetzen! Die Feuerwehr wird weiterhin zu Einsätzen ausrücken. Die Einsatzbereitschaft ist nicht gefährdet!“ Das teilt zum Beispiel die Sulzbacher Wehr mit.

Auch Dumont erklärt, Panikmache sei nicht angebracht. Die Situation sei derzeit unkritisch. Die Sicherheit der Bevölkerung sei beispielsweise auch im Fall des Totalausfalls eines gesamten Löschbezirks aufgrund infizierter Wehrleute gewährleistet. Der stellvertretende Wehrführer in Püttlingen verweist zudem darauf, „dass die Zusammenarbeit der Feuerwehren auch Kreisübergreifend funktioniert“. Die Vertretungsregelung und Parallelalarmierung eines anderen Löschbezirks wird seit langer Zeit praktiziert. Daher bedürfe es derzeit keiner neuen Notfall-Pläne, sagt der 33-Jährige, der von Beruf Polizist ist.

Auch bei der Polizei greifen im Krisenfall die bereits praktizierten Unterstützungsmodelle. „Dass Kommandos ausgebucht sind, kennen wir aus dem Tagesgeschäft“, erklärt Stephan Laßotta vom Landespolizeipräsidium. Stellen wir uns vor, dass Corana-Fälle zum Beispiel die Polizei-Inspektion (PI) Saarbrücken-Stadt in der Karcherstraße, die mit den Revieren Alt-Saarbrücken und Brebach über fast 270 Mitarbeiter verfügt, lahmlegen – dann würde sich im Notfall erstmal wenig ändern. Denn wählt zum Beispiel jemand den Notruf 110, weil auf dem St. Johanner Markt in Saarbrücken eine Schlägerei ist, läuft dieser in der Leitstelle auf. Von dort wird der Streifenwagen alarmiert, der am nächsten am Tatort ist. In dem Fall wäre das in der Regel ein Kommando von der Karcherstraße oder aus Alt-Saarbrücken. Ist dort keines verfügbar, kommt eines aus Brebach. Sind auch dort keine Kräfte verfügbar, würden Beamte der PI Völklingen oder Sulzbach zum St. Johanner Markt ausrücken.

Sollte im Krisenfall eine Vielzahl an Streifenpolizisten ausfallen, gibt es die Möglichkeit, auf Beamte der Kriminal-, der Bereitschafts- und der Verkehrspolizei zurückzugreifen. Zudem kann die Bundespolizei aushelfen. Damit sich Polizisten vor einer Infektion schützen können, sind Einsatzfahrzeuge mit Atemschutzmasken, Einweghandschuhen, Schutzoveralls und -brillen ausgerüstet, erklärt das Innenministerium auf SZ-Anfrage. 

Die aktuelle Krankenquote bei der saarländischen Vollzugspolizei sei für die Jahreszeit unauffällig. „Im Wach- und Streifendienst liegt sie seit Jahresbeginn bis gestern bei durchschnittlich 5,64 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 lag der prozentuale Anteil der Krankentage im Landespolizeipräsidium insgesamt bei 7,65 Prozent“, teilte das Innenministerium am Mittwoch mit. Auf die Frage, ob schon Polizisten auf das Virus getestet wurden, hieß es: „Heute wurde eine im Polizeivollzugsdienst beschäftigte Person auf Veranlassung des Gesundheitsamtes getestet. Das Ergebnis steht noch aus.“