| 22:31 Uhr

Pyrotechnik in Deckenverkleidung versteckt
Polizei stoppt bewaffnete Marseille-Fans

Fans von Olympique Marseille sind bekannt dafür, dass sie gerne Pyrotechnik abbrennen – so wie auf unserem Foto vom Europa-League-Finale am 16. Mai gegen Atletico Madrid, das die Franzosen mit 0:3 verloren. Am Donnerstag fand die Polizei in Saarbrücken bei Marseille-Anhängern Pyrotechnik in großer Menge.
Fans von Olympique Marseille sind bekannt dafür, dass sie gerne Pyrotechnik abbrennen – so wie auf unserem Foto vom Europa-League-Finale am 16. Mai gegen Atletico Madrid, das die Franzosen mit 0:3 verloren. Am Donnerstag fand die Polizei in Saarbrücken bei Marseille-Anhängern Pyrotechnik in großer Menge. FOTO: dpa / Jan Woitas
Saarbrücken. 173 Bengalos, 26 Böller, 25 Sturmhauben, 13 Schlagstöcke, 12 Messer, Pfefferspray, Mundschutz-Stücke und sogar ein Beil: Für 170 Anhänger des französischen Fußball-Clubs endet die Fahrt zum Spiel bei Eintracht Frankfurt in Saarbrücken. Von Marcus Kalmes

Dieses Waffenarsenal, mit dem sogenannte Fußball-Fans zu einem Spiel unterwegs waren, hat selbst erfahrene Polizisten schockiert. 130 Beamte der Bundespolizei, der saarländischen Landespolizei und aus Frankreich haben am Donnerstag, 29. November, gemeinsam am Autobahn-Grenzübergang Goldene Bremm in Saarbrücken Fahrzeuge mit Fans von Olympique Marseille kontrolliert. Sie fanden in drei Bussen und zwei Kleinbussen 173 Bengalos, 26 Böller, 25 Sturmhauben, 13 Schlagstöcke, 12 Messer, Pfefferspray, Mundschutz-Stücke und sogar ein Beil. Die Sachen waren teilweise in den Deckenverkleidungen der Busse versteckt. 170 Ultras aus Marseille waren zudem ohne Eintrittskarten unterwegs. Die Anhänger des französischen Fußball-Erstligisten waren auf dem fast 1000 Kilometer langen Weg zum Europa-League-Rückspiel am Abend bei Eintracht Frankfurt.


„Wir haben die Kontrollstelle errichtet, weil wir den Hinweis hatten, dass etwa 500 Marseille-Fans nach Frankfurt fahren“, erklärte Bundespolizei-Pressesprecher Dieter Schwan am Freitag auf SZ-Anfrage. Die ersten Ultras aus der Mittelmeer-Stadt erreichten gegen 11 Uhr den deutsch-französischen Grenzübergang in Saarbrücken. Dort erhielten sie nach dem Fund der Waffen und der Pyro-Technik – nach Absprache zwischen den Beamten in Saarbrücken mit der hessischen Polizei – ein Stadionverbot für die Commerzbank-Arena in Frankfurt. Zudem wurde ein sogenanntes Betretungsverbot für die Main-Metropole ausgesprochen.

Die Olympique-Fans hatten gerade erst 830 Kilometer von Marseille nach Saarbrücken zurückgelegt – und mussten sich schnurstracks wieder auf die Rückreise machen. Die Kontrolle war ohne Ausschreitungen verlaufen. Und die drei Busse und zwei Kleinbusse kehrten um und fuhren auf die Autobahn nach Frankreich. Etwa 350 Meter hinter die Grenze hielten sie aber wieder an. Die Ultras zündeten Böller, die sie offenbar bei den Kontrollen auf deutscher Seite verstecken konnten. Sie griffen damit französische Polizisten an. Deren Kollegen auf deutscher Seite sahen den Vorfall. Bundes- und Landespolizisten sprangen in ihre Fahrzeuge und rasten mit mehreren Fahrzeugen von der Kontrollstelle auf deutscher Seite nach Frankreich, um ihren Kollegen zu helfen. Ein deutsches Polizei-Auto wurde mit Flaschen und Steinen beworfen und dabei beschädigt. Die französische Feuerwehr musste anrücken, um die Autobahn in Fahrtrichtung Metz von Glasscherben und Steinen zu befreien. Die Autobahn war für etwa 30 Minuten gesperrt.



Nachdem sich die Situation beruhigt hatte, machten sich die Fans von Olympique Marseille auf den Heimweg. Übrigens: Am Abend kassierte ihre Mannschaft eine 0:4-Niederlage bei Eintracht Frankfurt. Der Finalist der vergangenen Europa-League-Saison rutschte dadurch sogar noch hinter Apollon Limssol aus Zypern auf den letzten Platz der Gruppe H ab.