Streit um Bäume: Politischer Streit um Bäume

Streit um Bäume : Politischer Streit um Bäume

Zwei umgestürzte Bäume haben politische Debatten ausgelöst. Am 21. Februar fiel im Meerwiesertalweg die Krone einer 20 Meter hohen Buche auf ein vorbeifahrendes Auto; die Fahrerin überlebte mit viel Glück.

Die CDU-Fraktion im Bezirksrat Mitte warf danach der Stadt vor, sie nehme Baumkontrollen nicht ernst genug. Am Rosenmontag stürzte in der Abtsdell ein Baum mit 50 Zentimetern Durchmesser auf ein geparktes Auto. Uwe Conradt, CDU-Fraktionschef im Stadtrat und Oberbürgerrmeisterkandidat, schlug Alarm: Es sei zu fragen, ob die Stadt die nötigen Kontroll-Intervalle einhalte. Und ob „bei gewissen Bäumen diese Intervalle im Interesse der Sicherheit verkürzt werden müssen“.

Für den Baum in der Abtsdell ist nach Auskunft von Stadtpressesprecher Thomas Blug die Saarbrücker Siedlungsgesellschaft (SGS) zuständig, die auf ihren Flächen in eigener Regie kontrolliert. Den fraglichen Baum – übrigens keine Robinie, wie irrtümlich berichtet, sondern eine Linde – habe man zuletzt am 11. Oktober 2018 überprüft und für gesund befunden, sagt SGS-Sprecherin Heike Dillhöfer. Die SGS-Baumkontrolleure wenden bei ihrer Arbeit die von Claus Mattheck entwickelte VTA-Methode an (siehe nebenstehendes Interview).

Nach diesem Verfahren arbeiten auch die Baumkontrolleure des Saarbrücker Grünamtes, sagt Pressesprecher Thomas Blug. Maßgeblich für die Prüf-Intervalle sei die 2004 erarbeitete Richtlinie der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL), von Gerichten und Versicherungen anerkannt. Sie sieht unterschiedliche Prüf-Intervalle vor, bei gesunden Bäumen bis zu drei Jahren. Laut Blug habe die Stadt aber das Ziel, jedes Jahr zu kontrollieren. Bei der umgestürzten, zuvor als gesund beurteilten Buche lag der letzte Check 17 Monate zurück. Grünamtsleiterin Carmen Dams hält es für möglich, dass Nässe das Wurzelwerk der Buche geschädigt haben könnte; aber das ist bisher nur Vermutung.

Um die tatsächliche Ursache des Unfalls zu ermitteln, berichtet Blug, werde in den nächsten Tagen ein externer Gutachter im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Reste des Baums überprüfen.