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Poet Ody und die Band „Wildes Holz“in der Q.lisse in Quierschied

Schräge Kombination : Blockflöte und Wortakrobatik

Bei „Comedy im Frühling“ gastierten Poet Ody und die Band „Wildes Holz“ in der „Q.lisse“.

Die gemeine Blockflöte ist weitaus besser als ihr Ruf. Davon muss spätestens nach einem Auftritt der Band „Wildes Holz“, in der mit Tobias Reisige ein amtlich diplomierter Jazz-Flötist auf dem wirklich allerletzten Loch pfeift, auch der hartnäckigste Zweifler überzeugt sein. Aktuell tourt das Trio im Rahmen der Reihe „Comedy im Frühling – ein knallbunter Abend“ durchs Land und machte am Dienstag Station in der Quierschieder „Q.lisse“. „Wildes Holz“ zählt zu den Lieblingen von Charlie Bick, der die Reihe als künstlerischer Leiter verantwortet – veranstaltet wird sie vom Kulturforum des Regionalverbands in Kooperation mit je vier Gemeinden. Und das seit sage und schreibe 25 Jahren!

Solch ein Jubiläum darf man getrost mit einem Wunsch-Programm feiern, und so engagierte Bick die „wilden Holzarbeiter“ als Top Act. Für‘s Vorprogramm lud er – bereits zum dritten Mal! – den famosen Dichter und Wortakrobaten Ody alias Gregor Köhne ein. Längst hat sich der Wahlsaarländer vom Geheimtipp zur anerkannten Größe gemausert und servierte mit „Dichterdings“ Perlen seiner ebenso charmanten wie schreiend komischen (Schüttel-)Reimkunst. Da geht es oft makaber zu: Bei Odys schwarzhumorigen Blicken in Fauna und Flora tun sich Abgründe auf. Und so manche der oft tierischen Geschichten endet tödlich. Daneben setzt Ody sentimental Verklärtes, um es ironisch zu brechen – herrlich.

Schön, dass Ody auch seine Vortragskunst immer weiter verfeinert: Gekonnt spielt er mit Rhythmik und Tempo und schafft es gerade mit seinem oft beiläufigen Ton, die hintersinnige Wirkung noch zu erhöhen.

Musikalisch ging‘s weiter: „Wildes Holz“ sind ausgezogen, uns die Flötentöne beizubringen. Das tun sie in rein akustischer Besetzung und mit einem wilden Ritt durch die Welt der Musik. Dabei zupft und fiedelt Markus Conrads mal stoischen, mal grimmigen Blicks auf dem Kontrabass so manches intonatorisch waghalsige Solo und lässt tollkühn eine Mini-Mandoline zirpen, derweil der algerische Gitarrist Djamel Laroussi so lässig wie elegant die ganze Bandbreite seines virtuosen Könnens zelebriert – tatsächlich feiert die Fachpresse den Ausnahme-Gitarrero als einen der Besten seiner Zunft. Und Flötist Tobias Reisige strapaziert mit Konfirmandenmiene meisterhaft die komplette Skala von der Piccolo- bis zur Bassflöte, spielt teils sogar zwei Instrumente gleichzeitig, schlägt parallel eine Hängetrommel und nutzt Loop-Effekte.

So verschmelzen die Drei Klassik, Rock, Pop, Jazz, Schlager, Chanson und Folklore. Da mischt sich Santanas „Oye como va“ in Madonnas „Like a virgin“, mutiert eine Barocknummer zum flotten Calypso und bricht Flamenco in Jacques Brels „Ne me quitte pas“ ein – dieses Rührstück geriet gar so innig, dass man die berühmte Stecknadel fallen gehört hätte. Blockflöte? Verdammt sexy, das Ding!