Plastikgranulat auf Kunstrasenplätzen gilt als Gefahr für die Umwelt

Sportanlagen : Das Granulat macht den Kickern Sorgen

Zwischen den „Halmen“ des Kunstrasens liegen kleine Plastikkörner. Neuerdings gelten sie als Gefahr für die Umwelt.

Vor einem Jahr erneuerte der FV Bischmisheim den Kunstrasen-Fußballplatz. Es ist eine von vielen Anlagen, für die Vereine in der Region gekämpft haben. Darauf liegt das neueste Granulat, das zum Auffüllen solcher Plätze verwendet wird. Es besteht aus dem Kunststoff Ethylen-Propylen-Dien-Monomer (EPDM). Sportstättenberater Kurt Seegmüller hält EPDM für eine gute Wahl. Der Stoff erfülle alle Normen und verklumpe nicht wie ältere Granulate bei großer Hitze. „Dieses Granulat verklumpt auch nicht nach zehn Jahren. Es ist die neueste Entwicklungsstufe“, sagt Seegmüller. Er kümmert sich seit 35 Jahren um Sportplätze – vor allem im Saarland. Und er kennt die Diskussion über die Folgen von Kunstrasenplätzen für die Umwelt.

Kritiker warnen, dass Plastikteilchen ins Grundwasser gelangen. Das geschieht offenbar in einem so großen Ausmaß, dass sich inzwischen die Europäische Chemikalienagentur mit den Folgen der Kunstrasen für die Umwelt befasst.

Und Sportfunktionäre signalisieren ein Umdenken. Viele Verbände, darunter der Saarländische Fußballverband (SFV), haben bereits beschlossen, Plätze mit EPDM-Granulat künftig nicht mehr zu fördern. Im Raum steht sogar ein Verbot solcher Plätze ab 2020.

Der SFV und viele andere Verbände wollen aber bis zu zehn Jahre vergehen lassen, bis die schon gebauten Plätze verboten werden. Das soll den Vereinen Zeit geben, sich darauf einzustellen.

Alternativen zum Granulat sind Quarzsand, Kork oder Vollkunstrasenplätze. Außerdem stärkt die Kunststoffdebatte den Trend zurück zum Naturrasen. Experte Kurt Seegmüller schätzt die Kosten, um das Granulat zu ersetzen, auf mindestens 50 000 Euro je Anlage.

Im Saarland gibt es aktuell etwa 140 Kunstrasenplätz, 140 Naturrasenplätze und 100 Hartplätze. Allein in der Stadt Saarbrücken sind 18 Kunstrasenplätze angelegt. „Wir müssen einfach abwarten, was entschieden wird“, sagt Tony Bender. Er leitet das Sport- und Bäderamt der Stadt. „Wir weisen alle Vereine auf die Problematik hin und zeigen ihnen Alternativen. In Jägersfreude wird der nächste Platz erneuert. Dort tendiert man aktuell zu Kork“, sagt Bender.

In Fischbach ist das Granulat nach zehn Jahren und zwei Monaten verklumpt. So stark, dass auf der Anlage nicht mehr gespielt werden kann. Die Fischbacher Kicker müssen auf die Plätze der Spvgg. Quierschied und des SV Göttelborn ausweichen. Der FV Fischbach bemüht sich um Geld für einen neuen Platz. „Von Granulat halte ich nichts. Uns hat man damals schon gesagt, es sei die neueste Generation und verklumpe nicht mehr. Wir tendieren auch zu Kork“, sagt Bernd Beres, der Vorsitzende des FV Fischbach.

Auf viele Fußballvereine im Regionalverband könnte also in den nächsten Jahren ein Kraftakt zukommen. Und die Entscheidung für einen neuen Platz-Belag. Kurt Seeg­müller kennt aber auch die Nachteile von Quarzsand und Kork. „Bei Sand wird der Platz schnell sehr hart, und Kork kann sich mit der Zeit zersetzen“, sagt der Mann, der auch im deutschen Normenausschuss DIN 18035 sitzt. „Das neue Granulat entspricht der Norm, aber es zählt zum Mikroplastik, und das darf nun mal nicht in die Umwelt. Ich könnte mir vorstellen, dass man eine Lösung findet, wie man das Granulat aus der Umwelt raushält, beispielsweise durch Filter“, sagt Seegmüller.

Generell macht sich auch der Experte für Naturrasen stark, allerdings sollte es Kunstrasenplätze als Ausweichflächen geben, da echter Rasen von November bis März kaum zu bespielen sei.

Europaweit gesehen werde für die deutschen Kunstrasenplätze ohnehin nur ein Bruchteil des Mikroplastiks verbraucht. „In Deutschland ist unter allen Kunstrasen eine elastische Tragschicht. Das gibt es nur bei uns. Dafür brauchen wir nur drei bis fünf Kilogramm Granulat je Quadratmeter. In anderen Ländern, wie Italien, Frankreich oder England, sind es ohne elastische Tragschicht 18 bis 25 Kilogramm Granulat pro Quatratmeter“, sagt Seegmüller.

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