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Pictures of Pop: viele Fotos, ein  Spaziergang, drei Orte, Saarbrücken

Gelungene Fotoausstellungen : „Pictures of Pop“ – ein Spaziergang, drei Orte

Ein Hotel, ein Saal und eine Kneipe sind drei der Orte, an denen in Saarbrücken – durchaus reizvolle – „Pictures of Pop“-Fotos zu sehen sind.

Fotoausstellung? Die Rezeptionistin des Hotels am Triller weiß zunächst gar nicht, was der Reporter von ihr will. Die Vernissage sei ja schon vorbei, die Bilder hingen überall. So ist das tatsächlich bei dieser „Pictures of Pop“-Ausstellung – zum Anschauen muss man teilweise in Kauf nehmen, Restaurantgäste zu belästigen, über deren Köpfe ein paar der großformatigen Fotografien von See Bauer hängen. Dabei sollte man sich die Bilder lange betrachten. Sie enthalten oft Kunst in der Kunst, es sind Abbildungen von bemalten Hauswänden innerhalb ihrer urbanen Umgebung. Da fährt ein Fahrradfahrer, scheinbar ohne Notiz zu nehmen, an einer überlebensgroßen Szene aus einem Comic vorbei, die an einer Hauswand in Antwerpen verewigt wurde. Das ist sicher keine illegale Graffiti-Kunst, wobei das aber der Aufhänger der Ausstellung ist. „Urban Art – Tag versus Nacht: Kann Kunst illegal sein?“ heißt sie.

Die meisten von Bauers Fotografien zeigen diese großformatigen Wandbilder, die sicher nicht im Geheimen entstanden sind, sondern mithilfe von Baugerüsten. Er habe den Titel aber bewusst gewählt, sagt er, um die illegale Komponente zu erwähnen. Erst die verbotenen Graffiti hätten zur gesellschaftlichen Akzeptanz geführt und damit letztlich dazu, dass große Wandflächen legal besprüht werden konnten.

Weiter geht’s in die Garage. Dort hängen in der „Pictures of Pop“-Reihe die Fotos von Elena F. Barba und Carlotta Pudelek. Signiert sind die Bilder von beiden, sie zeigen das „Nachher“ von Musik- und Filmveranstaltungen. „Die Fotos selbst habe ich gemacht, und wir haben die Bilder für die Ausstellung dann gemeinsam ausgesucht. Es ist also letztendlich ein Gemeinschaftsprojekt“, sagt Barba. Da hängt noch das Transparent der Band The Offspring hinter der Bühne – Musiker und Instrumente sind allerdings schon längst verschwunden. Oder eine umgestürzte und fast leere Tüte Popcorn liegt auf dem Boden des Kino Camera Zwo. Bei den Bildern wurde der interessante Ansatz verfolgt, mal nicht das zu fotografieren, was alle sehen wollen, sondern das zu zeigen, was hinterher übrig bleibt. Leider können die Fotos nur von Konzertbesuchern betrachtet werden und hängen zudem im Schummerlicht zwischen Konzertplakaten. Das findet Barba aber gerade gut: „Den Ort für die Ausstellung haben wir bewusst gewählt und sind sehr froh, dass wir in der Garage ausstellen dürfen. Wir finden es sehr passend, dass die Ausstellung an einem der Orte stattfindet, der selbst auch auf einigen Fotos zu sehen ist. Eine saubere Galerie hätte nicht so gut zum Thema gepasst.“

Im Kurzen Eck stellt Sascha Markus alias Der Flaneur seit September seine Fotos aus. Mit jedem Konzert dort wechseln diese Fotos, einfach weil nicht genug Platz für alle ist. Seit Sonntag hängt jetzt die letzte der drei Serien von Markus. Die Bilder des Flaneurs sind häufig so aufgebaut, dass sie zunächst rätseln lassen, um was es sich eigentlich handelt. Im Deutsch-Französischen Garten etwa gelang ihm ein geradezu märchenhafter Schnappschuss, der eine Art Zauberkugel mit blauen Flammen darin zeigt, an der sich zwei Hände wärmen. Offenbar war dort in einer Metallkugel ein Feuer angezündet worden. Ein Schwarzweiß-Foto sieht auf den ersten Blick wie eine Straße aus. Erst beim näheren Betrachten erkennt man, dass es sich um eine Eisfläche handelt. Ein anderes Foto zeigt die mit Plastikfolie umwickelte Figur eines Weihnachtsmannes. Das Gitter einer Metallbank korrespondiert mit dem Gitter der Kacheln der dahinter liegenden Wand. Dinge, die ganz alltäglich sind, an denen man normalerweise ohne Notiz vorübergeht, ästhetisiert Markus auf raffinierte Weise. Gerne würde man die Flaneur-Bilder mal alle zusammen in einer gut ausgeleuchteten Galerie sehen.