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Philologenverband wertet Gedenkminute als Erfolg

Teilnehmerzahl unklar : Philologenverband wertet Gedenkminute als Erfolg

Die Gedenkminuten-Initiative für den von einem Moslem in Paris ermordeten Lehrer Samuel Paty ist nach Einschätzung des Saarländischen Philologenverbandes (SPhV) als ein Erfolg zu werten – unabhängig davon, wie viele Schulen der Anregung des Lehrerverbandes gestern gefolgt sind.

Es sei dem Verband vor allem darum gegangen, einen Prozess zum Thema Meinungsfreiheit an Schulen in Gang zu bringen, und dies sei gelungen. Der Vorsitzende des Verbandes, Marcus Hahn, von dem die Initiative ausging, sagte der SZ, er habe „sehr viele positive“ Rückmeldungen von Kollegen erhalten. Unter anderem hätten viele darauf verwiesen, dass sie das Thema Meinungsfreiheit als für zu wichtig erachteten, um es durch eine einzige Aktion abzuhandeln. „Viele haben auf die Kurzfristigkeit verwiesen, und meinten, man wolle das besser vorbereiten und die Gedenkminute womöglich später nachholen“, so Hahn. Die Enthauptung Patys und die Initiative des Verbandes fielen in die saarländischen Herbstferien. So traf die Idee viele Lehrer und Schüler unvorbereitet.

Eine Schätzung, wie hoch die Zahl der Klassen war, in denen am Mittwoch um zehn Uhr tatsächlich eine Schweigeminute stattfand, wollte Hahn nicht abgeben. Er lobte das Kultusministerium, das sich hinter die Initiative des Verbandes gestellt hatte. „Es ist ein wichtiges Zeichen, das zeigt, dass sich die gesamte Schulgemeinschaft solidarisch erklärt und wahrnimmt, dass dieser Anschlag etwas ist, das die Lehrer bis ins Mark in ihrem Selbstverständnis erschüttert.“ Zugleich verwies Hahn auch auf die starke Reaktion der Schüler, die der Fall beschäftige. Anders als früher, in denen solcherart Meldungen meist nur in von Erwachsenen genutzten Medien aufgetaucht und diskutiert worden seien, hätten jetzt die sozialen Medien die Schüler über den Fall Paty informiert. „Das ist Teil ihrer Lebenswirklichkeit, darauf müssen die Schulen eine Antwort finden.“ Hahn befürwortet, das Thema Meinungsfreiheit und Demokratielehre stärker als bisher als Unterrichtsstoff zu berücksichtigen. Aus seiner Erfahrung heraus sieht er keine Gefahr einer Polarisierung zwischen moslemischen und christlichen Schülern. „Es gibt kein Gegeneinander.“ Allerdings sei die Lage an Schulen momentan generell sehr aufgeheizt, wegen wachsender extremistischer Haltungen und vieler Konfliktthemen (Corona, Klima). Doch so „konkret und so heikel“ wie jetzt im Fall Paty sei das Thema Meinungsfreiheit bisher noch nie in Schulen aufgetaucht. Beim Landeselternverband waren gestern noch keine Rückmeldungen auf die Gedenkminuten-Initiative eingegangen.

Der Vorsitzende des Saarländischen Philologenverbandes, Marcus Hahn. Foto: Robby Lorenz

Am 16. Oktober wurde der Geschichts- und Geografielehrer Samuel Paty bei einem Anschlag in Conflans-Sainte-Honorine bei Paris ermordet. Saar-Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) erklärte hierzu: „Der brutale Mord an Samuel Paty hat uns alle getroffen. Es sind solche Taten, die uns schmerzlich vor Augen führen, wie wichtig es ist, uns gemeinsam gegen politisch oder religiös motivierten Hass, Hetze und Gewalt zu stellen. Wir alle stehen jeden Tag in der Verantwortung, uns für Meinungsfreiheit und unsere demokratische Gesellschaft einzusetzen. Das gilt ganz besonders auch an unseren Schulen. Sie sind soziale Lern- und Lebensorte, an denen unsere Kinder und Jugendlichen Demokratie und gegenseitigen Respekt vermittelt bekommen sollen.“