Pfarrer Fürtig bereichert Konzertszene im Regionalverband Saarbrücken

Serie Menschen im Regionalverband : Frank Fürtig holt den Klang der Bretagne

Der evangelische Pfarrer tut in seinen erfüllten Arbeitstagen viel für die Kultur. Vor allem Folklore hat es ihm angetan.

Frank Fürtig hat viel zu tun. Tagsüber unterrichtet der evangelische Pfarrer Religion an einer Berufsschule in Saarbrücken und leitet dort mit einem Kollegen die Schulband. In seiner Freizeit betätigt sich der 56-Jährige als Gitarrist in den Rock- und Pop-Formationen „icarus“ und „Markus Daniel & Band“, die gelegentlich auftreten, so beim Saarbrücker Altstadtfest.

Seit 2010 organisiert Fürtig ehrenamtlich Konzerte mit keltisch-bretonischer Musik in Kirchen im Regionalverband. Am Samstag, 2. November, ab 19.30 Uhr spielt Tom Daun in der evangelischen Martinskirche Köllerbach auf seinen keltischen Harfen. „Von Mönchen, Barden und Elfen“ heißt das Konzert mit Melodien zwischen Mittelalter und Moderne. Musik, ob weltliche oder geistliche, hat in Fürtigs Leben schon immer eine große Rolle gespielt und sich mit seinem religiösen Interesse gut ergänzt, erzählt der gebürtige Rheinländer und sieht in seinem Sessel wie die Ruhe selbst aus.

Schon als Kind habe er angefangen, Gitarre zu lernen, die ersten „Band-Versuche“ in der Konfirmandenzeit unternommen, damals, in den 1970ern, als der moderne „Sacro Pop“ von Peter Janssen Einzug in die Gottesdienste hielt. Als Abiturient trat Fürtigs Band „Augenmerk“ mit eigenen Popsongs in deutscher Sprache rund um Düsseldorf auf. Auch während des Theologiestudiums in Wuppertal und Marburg blieb er dem Musikmachen treu, fand, als er 1990 als Vikar nach Brebach-Fechingen kam, schon bald Leute aus dem kirchlichen Umfeld, die seine Passion teilten.

„So entstand 1994 icarus“, erzählt Fürtig. Als einer der Mitbegründer, Markus Daniel, später eine Unplugged-Version der Band gründete, die Pop-Rock von Klassikern wie Rosenstolz, Heinz-Rudolf Kunze, Sting und Phil Collins bis hin zu Philipp Poisel spielt, war Fürtig natürlich dabei. Auch wenn die Besetzungen der Bands sich änderten, so bewiesen sie doch, da die Chemie stimmte, eine hohe Bindungskraft.

„Da zwei Mitglieder in Koblenz wohnen, die übrigen hier, können wir nur alle paar Wochen proben“, erzählt Fürtig. Dann aber einen ganzen Tag von morgens bis abends. Hinzu kommen die Auftritte. Bei Gemeindefesten, in Gottesdiensten in Saarbrücken wie Koblenz, in der Nacht der Kirchen und bei Kirchentagen sind sie gefragt.

Und wie kam er dazu, auch noch Konzerte zu organisieren? Das wiederum hängt mit Fürtigs Liebe zu Folk-Musik und zu Frankreich, insbesondere zur Bretagne zusammen. Als er im jährlichen Bretagne-Urlaub ein Konzert der keltischen Harfenistin und Sängerin Cécile Corbel besuchte, fand er sie so toll, dass er sie gern noch mal hören wollte. „Als ich später sah, dass sie auf Deutschland-Tournee war, bin ich hingefahren und kam auf die Idee, sie nach Saarbrücken zu holen“, sagt der musikbegeisterte Pfarrer.

Gotteshäuser, fand er zudem, haben für die meditative keltische Musik das passende Ambiente. Da zum ersten Konzert in der Martinskirche gleich 135 Besucher kamen, wechselte er für das im Jahr darauf in die größere St. Arnualer Stiftskirche. Mit den Bretoninnen Cristine Mérienne und Gwennyn sowie der irischen Geigerin Zoe Conway hat er danach noch weitere international bekannte Musikerinnen nach Saarbrücken gebracht und ihnen hier eine Fangemeinde beschert.

Natürlich mache das viel Arbeit, räumt Fürtig ein, aber es gebe einem auch viel. Durch die intensiven Kontakte in die bretonische Musikszene habe sich sein Schulfranzösisch enorm verbessert, und es habe sich ein richtig kleines Netzwerk gebildet, schwärmt der Musikfan. Nicht zuletzt sei die Musik eine fantastische Möglichkeit, um die unterschiedlichsten Menschen mit der Kirche in Kontakt zu bringen.

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