Peter Spindler lehrte seit den 1970er-Jahren 20 000 Menschen Autofahren

Serie Menschen im Regionalverband : Seit 1973 Lehrer auf dem Beifahrersitz

Peter Spindler verhalf tausenden Frauen und Männern in der Region zum Führerschein. Die Zeiten sind rauer geworden.

Der Mann aus Saarbrücken mit übersteigertem Selbstbewusstsein war sich sicher, er beherrsche das Autofahren nach allen Regeln der Kunst. Das ließ er vor der Prüfung Fahrlehrer und Prüfer noch einmal ausdrücklich wissen. „Wir fuhren dann 100 Meter. Der Kamerad übersah das Stoppschild und bog auf die Landstraße ab. Die Prüfung war nach 30 Sekunden beendet, und er musste alles von vorn machen“, erzählt Peter Spindler.

Das ist eine von vielen kuriosen Geschichten, die er als Fahrlehrer erlebt hat. Der gebürtige Sulzbacher hat seit seiner Kindheit mit Autos, Motorrädern und Traktoren zu tun. „Mich haben Autos schon immer fasziniert. Ich wusste früh, dass ich Fahrlehrer werden möchte“, sagt der 70-Jährige. Mitte der 1970er-Jahre eröffnete Spindler in Auersmacher seine erste Fahrschule. Später kam eine in Saarbrücken dazu. Bis heute lehrt er in Güdingen in der Nähe des TÜV Lkw- und Staplerfahrer den Umgang mit ihren Fahrzeugen. In den vergangenen 46 Jahren brachte Spindler ca. 4000 - 4500 Fahrschülern die Praxis nahe sowie ca. 15 000 - 20 000 Schülern die Theorie.

„Ich wollte einfach diesen Stress nicht mehr, jeden Tag zehn Fahrschüler zu haben. Ich lasse es ruhiger angehen und mache auch mal einen Tag frei, wenn ich Lust habe. Aber die Arbeit macht mir nach wie vor großen Spaß“, sagt der 70-Jährige, der mit seiner Frau in Ormesheim wohnt. Als es noch keine zwölf Pflichtfahrstunden gab, haben Fahrschüler mit nur fünf oder sechs Fahrstunden den Führerschein gemacht. Wie Spindler sagt, waren das meistens junge Männer vom Land, die ohnehin schon Traktoren fahren konnten. Eine Frau schoss den Vogel ab. „Sie fiel schon dreimal bei einem anderen Fahrlehrer durch die Prüfung und bei mir noch dreimal. Sie nahm es mit Humor und musste am Ende mich motivieren, dass wir weitermachen. Beim achten Mal hat sie bestanden“, erinnert sich Spindler.

Was ist eigentlich mit dem Vorurteil, dass Frauen schlechter Auto fahren als Männer? „Das ist so eine Sache. Frauen werden schneller nervös, und vor allem denken sie immer an tausend Dinge, wenn sie Auto fahren. Wenn ich an die Wäsche zu Hause oder an das Mittagessen denke, während ich rückwärts einparke, dann dauert das eben lange. Männer wollen rückwärts einparken, machen das und fertig“, sagt der Fahrlehrer. Er legt sich aber keineswegs generell fest, ob denn nun Männer oder Frauen besser am Steuer sind.

Und er hat noch Folgendes beobachtet. „Es gibt Strecken in Saarbrücken, da kommt keiner durch, ohne einen Fehler zu machen. Ich habe früher sofort gemerkt, wenn der Fahrprüfer noch Termine hatte und zeitig weg musste. Dann sind wir diese Strecken gefahren, und ruck, zuck waren alle Prüfungen vorzeitig beendet“, erinnert sich der 70-Jährige und muss schmunzeln.

Mittlerweile sei das Fahrlehrer- oder Fahrprüfer-Dasein noch anspruchsvoller geworden. Er und seine Kollegen hätten bei vielen Fahrschülern eine wachsenden Aggressivität festgestellt. Der Sulzbacher ist froh, dass er dies nur am Rande mitbekommt. Er erzählt nach einem so langen Berufsleben lieber die lustigen Geschichten, die er in 46 Jahren als Fahrlehrer erlebt hat.

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