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Peter Backes arbeitet im Völklinger Weltkulturerbe – seit mehr als 30 Jahren

Projektleiter im Weltkulturerbe : Traumjob mit Verlängerung

Er brennt für die Alte Hütte in Völklingen: Peter Backes, Soziologe aus Saarbrücken, ist Projektleiter im Weltkulturerbe.

Unterwegs auf der Plattform an der frisch sanierten Trockengasreinigung, zehn Meter überm Boden – der Ausblick auf die Hochofengruppe des Weltkulturerbes Völklinger Hütte ist atemberaubend. „Ein Kollege und ich überlegen, hier im Sommer unsere Liegestühle aufzustellen“, sagt Peter Backes, Projektleiter im Weltkulturerbe-Team, leise lachend. „Nordseite“, wirft Techniker Gerald Verron trocken ein. „Ach, ist doch völlig egal!“, kontert Backes, und sein Lächeln bekommt etwas Verklärtes.

Backes und die Alte Hütte: Hier ist zusammengekommen, was zusammengehört. Von der ersten Stunde an. Als Johann Peter Lüth, seinerzeit Leiter des Landesdenkmalamtes, kurz nach der Hütten-Stilllegung begann mit der Bestandsaufnahme im Industriedenkmal, war Backes dabei. Und ist dabei geblieben, mit ungebrochener Leidenschaft: „Ich habe meinen Traumjob gefunden.“

Nach dem Soziologiestudium in Saarbrücken hatte Backes, Jahrgang 1952, erstmal ganz andere Themen. An Forschungsprojekten beispielsweise über Vergewaltigungsopfer oder über Fußball-Hooligans hat er mitgearbeitet. Immer zeitbefristet, doch auskömmlich: „Man konnte damals als Student noch richtig Geld verdienen.“ Dann freilich schrumpften allerorten die Forschungs-Etats. Aber es gab Projekte, die über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) finanziert wurden. Eins davon stieß die Planungsabteilung des damaligen Stadtverbands Saarbrücken an: „Werkswohnungen des Preußischen Bergfiskus und der Mines Domaniales Françaises“ heißt das 1985 erschienene Buch, an dem Backes wesentlichen Anteil hatte. „Mein erster Kontakt mit dem Thema Industriekultur“, sagt er.

Das rückte für ihn bald darauf ins Zentrum, bei der Arbeit in und an der Hütte. In Lüths Reich, dem Denkmalamt am Saarbrücker Schloss, versuchte eine bunt gemischte Gruppe aus Ingenieuren, Mitgliedern der Hütten-Initiative, Historikern und Soziologen, Überblick zu gewinnen über den Völklinger Koloss, und traf sich zu „Quasselrunden“ (Backes) in der Stadtgalerie. Backes erarbeitete eine Dokumentation über die Gebläsehalle, „sie liegt heute noch bei mir in der Schublade“. Wieder war der Job befristet, in der Folge pendelte Backes zwischen Arbeitslosigkeit und ABM. Bis 1994 die Alte Hütte Weltkulturerbe wurde. Man brauchte ein Team, Backes gehörte dazu. „Da wusste ich: Das ist es, sonst nichts.“ Als Extra absolvierte er eine Ausbildung zum Besucherbegleiter; begeistert erzählt er, wie es war, Schulklassen durch die Hütte zu führen.

1999 wurde Meinrad Grewenig Denkmal-Chef. Die Völklinger Aktiven erwarteten, dass er Mitarbeiter mitbringen würde aus Speyer, wo er zuvor Museumsleiter war, erzählt Backes. Doch es kam anders, der neue Generaldirektor suchte Mitarbeiter mit Völklingen-Kenntnissen – Bewerbung, Anruf, Gespräch, Backes war quasi binnen Tagesfrist engagiert. „Meine erste feste Stelle, mit 47“, sagt er. „Und was ich danach gelernt habe, ist unvorstellbar.“

Große Ausstellungen auf die Beine stellen, an ungewöhnlichem Ort,  das war Neuland für Backes und seine Projektleiter-Kollegen Hendrik Kersten und Frank Krämer, „Blitzlernen“ (Backes) war angesagt. „Dabei sind wir pragmatisch, das ist unsere Stärke.“ Mittlerweile hat das Trio die Aufgaben aufgeteilt, Backes kümmert sich um Besucher-Information, Besucher-Management, Besucher-Forschung (siehe Info). „Bei den Angelsachsen heißt das ‚audience development’, Publikums-Entwicklung, das ist viel genauer“, sagt er. Und er ist Regionalbeauftragter für ERIH, die Europäische Route des industriellen Erbes. Aus dem losen Verbund von Industriekulturstätten ist heute ein Verein geworden, mit regelmäßigem Über-den-Tellerrand gucken – Backes hat die internationalen Kontakte und das Reisen lieben gelernt.

Seinen „Traumjob“ liebt er ohnehin. So sehr, dass er im November 2017 statt in die Rente in die Verlängerung gegangen ist. „Meine Frau war einverstanden, Grewenig auch“, also hat er zwei Weltkulturerbe-Jahre drangehängt. Wenn im Herbst dann doch der Abschied kommt, wird es nur ein halber Abschied sein: Besucher durchs Denkmal führen will Backes weiter. „Vielleicht mache ich dann ja was für Senioren, mal sehen“, sinniert er. Und lacht.