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Patric Cordier, Elternvertreter des Sulzbacher Gymnasiums, berichtet.

Sulzbach/Saarbrücken : „Eltern lassen sich kaum beruhigen“

Patric Cordier, Elternvertreter des geschlossenen Sulzbacher Gymnasiums, berichtet.

Am Dienstag um 22.45 Uhr informiert mich der stellvertretende Schulleiter Klaus Damde telefonisch: „Es gibt einen bestätigten Corona-Fall am Theodor-Heuss-Gymnasium.“ Kaum mehr als eine Stunde zuvor haben wir auf einer Sitzung der Elternvertreterinnen und -vertreter noch über die Erkrankung, die allgemeine Panik und die ernsthaften Vorbereitungen und notwendigen Vorkehrungen gesprochen – jetzt war aus aus dem Gedankenspiel Realität geworden.

Kurz nach 23 Uhr setze ich die Elternvertreter über den aktuellen Stand in Kenntnis: Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler müssen bis Freitag zuhause bleiben, Eltern und Geschwisterkinder „sollten“ das auch tun. So heißt es in der ersten Verlautbarung des Gesundheitsamtes.

Bis zum nächsten Morgen habe ich gut 60 Nachrichten auf dem Handy. Vor allem die Bedeutung des Wortes „sollten“ wird hinterfragt. Dass über Nacht keine weiteren Informationen verfügbar sind, können nicht alle Eltern nachvollziehen.

Dennoch bleibt ein schales Gefühl, wenn man trotz größter Bemühung nicht auf alle Fragen eine Antwort weiß. Wer ist infiziert? Welche Klasse? Wie geht es weiter? Welche Ansteckungswege kann es gegeben haben? Wer bezahlt den entstehenden Arbeitsausfall?

Die Gesundheitsbehörden klären dies im Laufe des Vormittags. Der Informationsfluss an die Elternvertretung ist leider spärlich. Wo belastbare Informationen fehlen, wachsen Gerüchte und Befürchtungen. Es verwundert einmal mehr, dass die Medien manches früher erfahren als unmittelbar Betroffene. „Die Gerüchteküche kocht auch in den Gruppen der Kinder“, schreibt mir eine Klassenelternsprecherin, „die Eltern lassen sich kaum beruhigen.“ Die Schulleitung ist bemüht, aber auch ihr sind offenbar die Hände gebunden. Derweil häufen sich bei mir weiter Anfragen – von Eltern und Journalisten.

Die zwischenzeitliche Regierungserklärung von Gesundheitsministerin Monika Bachmann beruhigt zumindest vordergründig die Situation. Denn auf der Hotline des Gesundheitsamtes des Regionalverbands meldet sich niemand. Die Pressestelle klärt dann zumindest teilweise auf. Eltern müssen mit dem Arbeitgeber sprechen, der hat bei Freistellung aber keine Erstattungsansprüche gegenüber den Behörden. Denn Eltern sind nur „sekundär“ Betroffene, für sie kann man rechtlich keine Quarantäne anordnen. Sie „sollten“ freiwillig zuhause bleiben. Die Schule bleibt vorerst bis zum Freitag nächster Woche geschlossen – das Telefon klingelt schon wieder.