1. Saarland
  2. Saarbrücken

Osterbotschaft vom Trierer Weihbischof Robert Brahm

Osterbotschaft vom Trierer Weihbischof Robert Brahm : Musste das (nicht) alles geschehen?

Ein winzig kleines Monster hat die Welt seit Wochen fest im Griff. Wer hätte das gedacht? Gewiss überlebte Europa schon Pest und Cholera, doch die Situation heute ist eine andere.

In den vergangenen Jahrhunderten umfasste eine Seuche meist ein regional begrenztes Gebiet. Aber das Corona-Virus kennte keine Grenzen. Es findet seinen Weg überall hin. Das ist das Tragische. (...)

Irgendwie ist unsere Zeit wie eine alte Standuhr stehen geblieben. Eine eigenartige Stille breitet sich in den Straßen unserer Städte und Dörfer aus. So wird es auch am Sterbetag Jesu gewesen sein. Der Sabbat begann nach seinem Tod am Kreuz, damit kehrte Ruhe in Jerusalem ein. Ich stelle mir seine Freunde und Anhänger vor, wie sie am Karfreitag frustriert und schweigend vom Hügel der Kreuzigung heimgingen. Sie zogen sich zurück in eine Art häusliche Quarantäne, denn der Sabbat mahnte auch sie zur Ruhe/Untätigkeit und schränkte ihre Bewegungsfreiheit ein. Sie wussten auch nicht wirklich, wie es weitergehen würde, ob ihr Leben und alles Bisherige noch irgendwie sinnvoll wären? (...)

Damit sind wir in der Gegenwart. Sie und ich, wir wissen auch nicht, warum das alles so passiert ist und wie lange die Beschränkungen noch andauern. Aber wir wissen, was nach Karfreitag geschah. Etwas, das die Welt auf den Kopf stellte! „Er ist auferstanden!“, so berichtet man.

Für viele klang das wie ein Märchen. Doch als die ersten davon erzählten, dass sie Jesus begegnet seien, da kehrte das Leben in sie zurück. Mit dem Leben kam auch eine Perspektive und damit die Motivation zum Handeln. Dennoch werden manche fragen: Wo war und ist denn Gott jetzt und heute? In dieser Frage liegt eine Ernüchterung. Der Gott Jesu drückt nicht irgendwo auf einen Knopf und Corona verschwindet. Gott hat auch den Tod Jesu nicht verhindert. Ein seltsamer Gedanke umschleicht mich… Ob er damals wie heute die „Sache“ einfach laufen ließ? Im Lukasevangelium streiten zwei Anhänger Jesu nach dessen Tod miteinander. In Panik laufen sie weg von Jerusalem. Aber unterwegs treffen sie auf den unbekannten Dritten. Es ist Jesus. Er stellt eine wichtige Frage: Musste das nicht alles geschehen? Ja, es musste. Damit wir erkennen, worin der größere Sinn liegt. (...)

Der Trierer Weihbischof Robert Brahm. Foto: Bistum Trier/Helmut Thewalt

Durch die Jahrhunderte hindurch hat die Osterfreude immer wieder auf unsichtbare Weise die Menschen erreicht und gestärkt. Die Botschaft ist immer die Gleiche: Der Tod hat keine Macht mehr, Jesus Christus hat den Tod besiegt! Daher… Corona – musste auch das so kommen? Nein! Und trotzdem ist die Krise eine Chance, dass die Welt sich besinnt. Den wahren Sinn werden wir vielleicht erst nach und nach erkennen.