Nürnberger Theater Salz + Pfeffer zeigt das Stück Frankenstein in Saarbrücken

Horror-Klassiker : Frankensteins Monster erwacht im Theater im Viertel

Es ist eine Geschichte von Hybris, Anmaßung und Selbstüberschätzung, von Lieblosigkeit und rücksichtslosem Handeln. Sie ist altbekannt, Mary Shelley hat sie geschrieben und damit Anfang des 19. Jahrhunderts einen der Klassiker des Horrorgenres geschaffen: Frankenstein.

Dass die Geschichte sich stets neu und einfallsreich erzählen lässt, zeigt das Nürnberger Theater Salz + Pfeffer mit einem Puppenspiel für Erwachsene unter der Regie von Annalena Maas. Wegen der größeren Bühne wurde das Stück im Theater im Viertel statt im Kleinen Theater im Rathaus gezeigt.

In Holzquadern, zum vibrierenden Cellospiel von Nico Nesyba, bedrohlich wummernden Beats und grellen Videoprojektionen spielt sich das Leben von Viktor Frankenstein und seiner Braut ab. Zwei schlanke, hochbeinige Holzpuppen, die Spieler Paul Schmidt statisch in immer wieder neuen Szenen arrangiert, wie festgefrorene Bilder. Ihre Welt ist eng, sie sind Gefangene der Konventionen und ihrer Zeit. Das ist besonders für einen Forscher wie Frankenstein schlimm. Er schießt über das Ziel hinaus und schafft aus Einmachgläsern verdächtigen Inhalts ein Monster, der Holzkubus wird zum Alchemistenkessel.

Wie wirklich aus toten Teilen, Schleim und Hautlappen zusammengestückelt wirkt die große Puppe. Häßlich und linkisch, doch wie Wally Schmidt sie führt, spricht und spielt, gibt ihr in ihrer verzweifelten Lebendigkeit etwas ungeheuer Anrührendes.

Das Monster will geliebt werden. Und das um jeden Preis. Es gibt keine Normen für diese Kreatur, sie wird morden, sich rächen, dennoch wirkt sie hier menschlicher als ihr Schöpfer, fast kindlich. Von diesem gelungenen Kontrast der Puppenführung, bei dem die Spieler stets sichtbar bleiben, lebt das Figurentheater-Stück. Wally Schmidt lässt das Monster, auf ihre Schultern drapiert, manisch im Bottich rühren, dem seine Gefährtin entsteigen soll, gespenstisch und packend, diese Szene. Eine tieftraurige Gestalt mit der man mitfühlt, ein Verlorener, der sterben wird an seiner Einsamkeit.

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