Neues von der JazzZeit in Saarbrücken

Jazz-Reihe : Saarbrücken zeigt die Jazz-Vielfalt

„JazzZeit“ vereint zum zweiten Mal weitgereiste Meister der Improvisation mit den lokalen Szene-Größen.

Die junge Saarbrücker Konzertreihe „JazzZeit“ geht in die zweite Runde. Nach den vier Terminen des ersten Halbjahrs gibt‘s nun an drei Freitagen wieder Blue-notes zum Nulltarif. Spielorte sind die Breite63 in Malstatt und die St. Arnualer Kettenfabrik; Start ist um 19.30 Uhr. Thomas Altpeter, der Organisator vom Kulturamt, über das Debütjahr: „Bei den sieben Doppelkonzerten der „JazzZeit“ war uns besonders der Austausch von hiesigen und auswärtigen Musikern wichtig. Außerdem wollten wir das ganze Spektrum der Jazzmusik zeigen.“

Die Programmgestaltung eines jeden Abends legt Altpeter wieder in die Hände eines hiesigen Jazzmusikers. Kurator für den 25. Oktober in der Breite 63 ist der saarländische Jazzgitarrist Roland Gebhardt, der mit verschiedenen Formationen international unterwegs ist. Gebhardt gefällt die Stile-Vielfalt: „Die „JazzZeit“ ermöglicht mir als Künstler und Bandleader, eine Facette darzubieten, die völlig uneingeschränkt ist. Für bestimmte Locations und Veranstalter wägt man ab, womit man sich präsentieren kann, um sowohl der Kunst als auch dem kommerziellen Erfolg gerecht zu werden. Weil die „JazzZeit“ alle Ausprägungen des Jazz darstellen kann, hat man freie Hand. Wunderbar.“

So steigt der Gitarrist bei Ro Gebhardts „Cool Jass“ mit den Rhythmusmannen Max Hughes (Bass, aus Berlin) und Jean-Marc Robin (Schlagzeug, Nancy) aufs Podium. Special Guest ist der Berliner Altsaxofonist Jan von Klewitz. Gebhardt: „Mittlerweile spielen wir fast nur noch Songs von mir: sehr alte Sachen aus meiner Fusion-Zeit, aber auch Stoff aus meiner Modern-Jazz-Zeit. Im Moment arbeiten wir an einem cooleren Sound: ‚Cool Jass‘ der 2000-er eben“.

Als zweite Formation kommt „Choro Jazz“ um den aus Brasilien stammenden Wahl-Berliner Eudinho Soares (Gitarre, brasilianische Ukulele), mit Amoy Ribas (Percussion, Brasilien) und nochmals dem Bassisten Max Hughes. „Choro Jazz ist sehr der brasilianischen Musiktradition verbunden“, erklärt Gebhardt.

Der Posaunist Christof Thewes, bekanntester Saar-Newjazzer, kuratiert den Abend am 8. November in der Kettenfabrik St. Arnual. Thewes begrüßt, dass die „JazzZeit“ das Genre „nicht nur aus der Perspektive von Veranstaltern und Publikum“ ausleuchtet, „sondern aus der Perspektive der Musiker“ – so könnten hiesige Jazzer ihre Verbindungen in die weite Welt zeigen.

An dem Abend wird der Posaunist und Komponist mit seinem überwiegend saarländischen „Christof Thewes Quartett“ mit Hartmut Oßwald (Saxofon), Benjamin Lehmann (Bass; Berlin) und Martial Frenzel (Schlagzeug) Eigenkreationen aus seinem „SurRealBook“ aufführen.

Aus Berlin eingeladen hat Thewes ferner die Combo „Monk’s Casino“ mit Alexander von Schlippenbach (Piano), Axel Dörner (Trompete), Rudi Mahall (Bassklarinette), Jan Roder (Bass) und Michael Griener (Schlagzeug). „Beides sind akustische Bands, beides sind Swing-Bands“, sagt Thewes, und beide widmen sich jeweils dem Gesamtwerk eines Komponisten: So interpretiert Monk’s Casino Noten aus dem Oeuvre des großen Jazz-Pianisten und Komponisten Thelonious Monk (1917 bis 1982).

Die seit vielen Jahren in Saarbrücken lebende finnische Jazz-Sängerin Kirsti Alho, Dozentin an der Emmerich-Smola-Musikschule Kaiserslautern, möchte als Kuratorin am 6. Dezember in der Breite63 eine Lanze für Jazzerinnen brechen: „Die Frauen sind noch nicht so weit mit ihrem Netzwerken wie die Männer, aber langsam kommen wir.“ Technisch jedenfalls seien Jazzerinnen genauso gut ausgebildet wie ihre Kollegen. Ihre Band „Kirsti Alho & All About Eve“ hat sie bereits 2012 zusammengestellt: Mitstreiterinnen sind die finnischen Musikerinnen Riitta Paakki (Piano), Adele Sauros (Saxofon) und Kaisa Mäensivu (Bass). Als Special Guest bedient der Schweizer Silvio Morger das Schlagzeug. „Ein Mann passt doch gut zu uns“, meint Kirsti Alho augenzwinkernd.

Unter der Überschrift „Europas Rhythmus“ will All About Eve nun Lieder über Städte unseres Kontinents zum Jazzen bringen. Als Gäste begrüßt Alho in der Breite 63 das Brodersen-Weindorf-Duo der aus dem Saarland stammenden Saxofonistin Kristina Brodersen und des Pianisten Tobias Weindorf: Der in Köln ansässige Zweier hat Stücke seines Albums „Rabaneo“ und ein paar  Standards im Gepäck.

Ro Gebhardt will in der aktuellen „JazzZeit“ demonstrieren, was er unter „Cool Jass“ versteht. Foto: Ro Gebhardt

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