Neues Buch aus Verlag in Saarbrücken: Ex-Einbrecher gibt Tipps gegen Einbruch

Kostenpflichtiger Inhalt: Neues Buch aus Saarbrücker Verlag : Ex-Einbrecher gibt Tipps, wie man sich vor Einbrüchen schützt

Hermann Wenning kennt die Tricks der Einbrecher, schließlich war er lange selber einer, um sich seine Drogensucht zu finanzieren. Ein Saarbrücker Verlag hat jetzt seine Erfahrungen als Buch herausgebracht.

Durchwühlte Schubladen, Geld und Schmuck weg, man fühlt sich im eigenen Haus nicht mehr sicher: Ein Einbruch ist ein Alptraum für Betroffene, der noch lange nachhallt. Hermann Wenning (55) kennt die andere Seite. Der Münsterländer war drogensüchtig, hat zahllose Diebstähle begangen - und hält heute in Schulen Vorträge über Drogenprävention. Über seine Zeit als Einbrecher ist jetzt im Saarbrücker Geistkirch Verlag sein neues Buch erschienen.

Herr Wenning, Sie haben ja schon ein Buch über Ihre Drogensucht geschrieben ( „Lauf zurück ins Leben“, Berlin University Press, Anm.) – wieso jetzt noch eines über Einbruch?

Hermann Wenning warnt heute Schüler vor Drogen. Foto: Feussner/Geistkirch Verlag. Foto: Geistkirch Verlag/Feussner

WENNING Vor zwei Jahren hielt ich mehrere Vorträge bei einer großen deutschen Versicherung zum Thema Einbruchsschutz. Ich war als „Experte der anderen Art“ eingeladen. Die fanden die Sicht eines Ex-Einbrechers dazu sehr interessant. So bin ich auf die Idee gekommen. Ich habe darüber geschrieben, wie man zum Einbrecher wird, aber auch darüber, wie man sich vor Einbruch schützt. Im letzten Teil des Buchs habe ich mehrere Punkte dazu aufgeschrieben.

Die meisten Tipps, die Sie geben, sind eigentlich recht simpel. Sind die Leute wirklich so sorglos?

WENNING Auf jeden Fall. Offene Terrassentüren, Fenster auf Kipp, wenn niemand zuhause ist, ein voller Briefkasten... viele schreiben ja auch von ihrem Urlaub auf Facebook. Man kann heute ganz leicht über soziale Netzwerke Namen und Adressen ausfindig machen. Ein Einbrecher, der gezielt vorgeht, kann da viele hilfreiche Informationen bekommen.

Einbruch! Ex-Einbrecher Hermann Wenning packt aus. Foto: Geistkirch Verlag. Foto: Geistkirch Verlag

Also hat sich das Vorgehen der Einbrecher in den letzten Jahren durch das Internet geändert?

WENNNING Ja, definitiv. Man kommt leichter an Adressen. Das ist ja leider auch bei Trickbetrügern so – die können sich leicht die Nummern älterer Mitbürger beschaffen und da dann ganz skrupellos vorgehen.

Waren Sie schon mal im Saarland?

WENNING Da bin ich mal durchgefahren... aber ich habe da keine Kontakte.

Viele Saarländer wohnen in Dörfern, wo jeder jeden kennt. Ein Vorteil?

WENNING Auf jeden Fall! Wenn sich Leute da irgendwo abends oder nachts rumtreiben oder unbekannte Autos auftauchen, kann man sich gegenseitig warnen. Ich denke, das ist dann auch nicht Neugier – man passt einfach ein bisschen auf, dass niemand beim Nachbarn in den Garten geht und dort versucht, ins Haus reinzukommen. Nachbarschaftlichkeit ist ein guter Einbruchschutz.

2018 wurden im Saarland 1716 Einbrüche gemeldet. Bei mehr als der Hälfte blieb es beim Versuch.

WENNING Allgemein ist die Zahl der Einbrüche zurück gegangen. Der Rekord lag bundesweit im Jahr 2016. Das ging sehr durch die Medien. Die Leute sind dann vorsichtiger geworden, haben Sicherungen in Türen und Fenstern eingebaut. Das hat natürlich viele Einbrüche verhindert. Wenn jeder zweite Einbruch ein Versuch bleibt... ein Einbrecher will ja ganz schnell reinkommen. In der Regel wird nach spätestens zwei Minuten der Einbruchsversuch abgebrochen.

Sie schreiben, der beste Schutz vor Einbruch sei eigentlich Drogenprävention. Wie meinen Sie das?

WENNING Ich bin das beste Beispiel. Vor meinem 34. Lebensjahr war ich nicht kriminell, habe nie geklaut. Danach habe ich innerhalb von zwei Jahren bestimmt 150 Einbrüche begangen. Das war reine Beschaffungskriminialität. Ich brauchte einen Hunderter am Tag für Drogen - das war nur durch Kriminalität zu realisieren. Ich kann guten Gewissens sagen: Ohne Drogen wäre ich nie Einbrecher geworden. Es heißt, bei jedem dritten Einbruch handle es sich um Beschaffungskriminialität.

Sie bezeichnen Alkohol und Nikotin als Einstiegsdrogen. Ist das nicht übertrieben?

WENNING 99 Prozent aller Heroinabhängigen sind Raucher. Das heißt, sie haben alle mit dem Rauchen angefangen. Natürlich landet da nicht jeder, aber wer legale Drogen nimmt, qualifiziert sich auch für illegale. Ein Mensch, der nicht trinkt oder raucht, wird auch keine illegalen Drogen konsumieren. Ich habe mit 13 angefangen, exzessiv Alkohol zu konsumieren. Mit 18 war ich davon abhängig und mit 31 dann auch von Drogen: Ectasy und Amphetamine. Bei Alkohol war’s halt so: Wenn ich zwei Flaschen Wodka brauchte, war das für zehn Mark kein Problem. Da muss niemand kriminell werden. Aber hundert Mark für Amphetamin, später auch Heroin? Das geht nicht anders. Heute bin ich clean, mein letzter Einbruch war vor 20 Jahren. Ich komme gut mit meinem Geld hin.

Als was arbeiten Sie?

WENNING Straßenwärter bei der Stadt.

Sie fordern in Ihrem Buch Alkoholverbot für Jugendliche, sind aber für eine Legalisierung von Cannabis, wie sie ja zum Beispiel auch der Bund deutscher Kriminalbeamter fordert. Trotzdem passiert nichts. Versagt die Politik bei dem Thema?

WENNING Ja. Wenn Jugendliche Cannabis oder Alkohol konsumieren, hat das oft irreparable Folgen, aber ein Erwachsener kann selber entscheiden. Man hat es in den USA gesehen: Durch das Alkoholverbot (1920-33, Anm.) ist die Mafia entstanden und durch das Drogenverbot sind Kriminelle sehr gut aufgestellt, weil sich da viel Geld verdienen lässt. Jemand, der sich ein Gramm Hasch besorgen möchte, geht zu einem Dealer, der vielleicht noch andere Drogen da hat. Man kommt in einen Kreis von anderen Kriminellen. So wird meiner Erfahrung nach Beschaffungskriminalität gefördert. Dadurch werden wiederum andere Bürger in Gefahr gebracht. Sie sind die Opfer. Ich habe vielen Menschen sehr viel Leid zugefügt, die dann unter meiner Abhängigkeit gelitten haben.

Heute beraten Sie Versicherungen, die Polizei oder Privatleute über Einbruchsschutz. Haben Sie manchmal Mitleid mit den süchtigen Einbrechern, denen Sie dadurch „die Tour vermasseln“?

WENNING (schnaubt) Auf keinen Fall. Ich habe nur Mitleid mit den Leuten, denen ich Leid angetan habe. Jeder hat ja die Möglichkeit, eine Therapie zu machen und sich Hilfe zu holen. In erster Linie ist es Pflicht, den Bürger zu schützen. Ich habe keine Kontakte mehr zum kriminellen Milieu und auch keine Angst vor Racheaktionen. Was ich heute mache, tue ich aus Überzeugung.

Hermann Wenning, Einbruch! Ex-Einbrecher Hermann Wenning packt aus. 186 Seiten, Geistkirch Verlag, 12,80 Euro

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