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Neuer SR-Intendant: Wir sehen einen Generationen-Abriss beim Angebot

Neuer SR-Intendant im Interview : Welche Baustellen beim SR sind die größten, Herr Grasmück?

Als einer der kleinen ARD-Sender kämpft der Saarländische Rundfunk seit Jahrzehnten um dies: Eigenständigkeit. Der neue Intendant Martin Grasmück will inmitten der finanziell unsicheren Zeit neue Wege fürs Programm finden.

Er ist an die Spitze des Saarländischen Rundfunks (SR) gerückt: Martin Grasmück bezeichnet sich im Interview der Deutschen Presse-Agentur als „Hausgewächs“ des ARD-Senders. Der 51-Jährige übernimmt das Intendanten-Amt mit seinem Start am 1. Mai in einer Zeit, in der die finanzielle Lage für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wegen eines laufenden Gerichtsverfahrens zur Rundfunkbeitragserhöhung unklar ist und der digitale Umbau der Medienbranche immer schneller erfolgt.

Frage: Was sind die Unterschiede zwischen Ihnen und Ihrem Vorgänger Thomas Kleist?

Antwort: Es gibt schon allein vom Berufsbild her einen Unterschied. Thomas Kleist ist Jurist, er hatte immer einen sehr medienpolitisch-juristischen Blick auf den Saarländischen Rundfunk – was sehr wichtig ist in vielen Fragen und was dem SR genutzt hat. Ich bin Journalist und ein Hausgewächs des SR. Ich habe als Student 1992 angefangen und habe ganz viele Prozesse in diesen Jahrzehnten intensiv in ganz unterschiedlichen Funktionen begleiten können.

Aus dieser journalistischen und programmlichen Perspektive möchte ich mein Amt wahrnehmen – als ein sehr programmnaher Intendant. Ich werde kein stummer Intendant sein, der sich auf Verwaltung konzentriert. Meine Vorstellung ist hier eine aktive Rolle einzunehmen, und ich will programmlich auch mitdiskutieren.

Frage: Welche Baustellen beim SR sind die größten?

Antwort: Es wird nicht überraschen: Wenn man Intendant des Saarländischen Rundfunks ist, hat man immer im Blick, dass der Sender souverän und als eigenständige Landesrundfunkanstalt für das Saarland erhalten bleibt. Das ist immer die Komplettüberschrift.

Mich interessiert aber auch die programmliche Perspektive. Da müssen wir unsere Rolle ein stückweit neu definieren. Wir kommen aus dem Linearen und sehen uns jetzt in einer neuen Medienwelt mit anderen Akteuren, die mit uns ums Publikum konkurrieren. Wir müssen schauen, dass wir das Lineare weiterhin so anbieten, dass wir die Menschen erreichen. Wir haben nach wie vor unheimlich hohe Reichweiten im Hörfunk und im Fernsehen – das wird auch nicht in wenigen Jahren komplett abreißen. Gleichzeitig müssen wir einen Evolutionsprozess weiterführen. Er muss beschleunigt werden, um mit neuen Angeboten die Menschen zu erreichen. Wir erheben ja von allen auch einen Rundfunkbeitrag. Und deshalb brauchen wir auch eine breite Legitimation. Jeder Mensch kann heute etwas senden, das Monopol des Rundfunks ist einfach gefallen.

Frage: Planen Sie neue Programminhalte?

Antwort: Wir müssen die nachwachsenden Generationen stärker erreichen. Das funktioniert momentan am besten über Drittplattformen. Die jungen Leute auf die eigenen Plattformen zu ziehen, ist wahnsinnig schwierig. Und es ist leichter, wenn ich ein Angebot wie zum Beispiel funk für jüngere Leute auf YouTube bereitstelle, größere Abrufzahlen zu generieren. Wir müssen wirklich aufpassen, dass es nicht zum viel zitierten Generationen-Abriss kommt. Er ist allerdings schon sehr deutlich zu sehen. Ich habe überhaupt keine Berührungsängste, auf diese Plattformen zu gehen, weil ich weiß, da sind die Menschen und wir haben auch schon nachgewiesen, dass wir sie dort erreichen können. Deswegen sage ich: gute Angebote auf unseren Plattformen, aber auch Präsenz auf den anderen Plattformen.

Frage: Debatten zum SR werden gefühlt immer von der Frage nach der Eigenständigkeit begleitet. Ist ein Ziel von Ihnen zu erreichen, dass niemand mehr die Existenzberechtigung des SR als eigenständige Anstalt infrage stellt?

Antwort: Das kann ich nicht alleine beeinflussen. Ich habe nur die Hoffnung, dass der Föderalismus im Rundfunk am Ende von einer sehr breiten Schicht auch in der Politik, Rundfunk ist ja Ländersache, dauerhaft akzeptiert wird. Die ARD ist kein originärer nationaler Broadcaster, sondern wir sind eine Arbeitsgemeinschaft mit starken regionalen Wurzeln, die auch national einen Auftrag erfüllt.

Wir sehen doch gerade in Osteuropa, wie schnell der öffentlich-rechtliche Rundfunk unter Druck geraten kann und von den Regierenden stark umgebaut wird. Das ist viel einfacher, wenn es nur einen zentralen öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt. Alle, die sagen, die einfachste Lösung, um ein paar Cent Rundfunkbeitrag zu sparen, wäre, dass die kleinen Anstalten SR und Radio Bremen mit anderen ARD-Anstalten fusionieren – da sehe ich keinen Sinn drin. Vor allem, weil wir ohnehin schon extrem schlanke Strukturen haben. Die föderale Struktur der ARD ist keine Schwäche, sie macht aus meiner Sicht ihre Stärke aus.

ZUR PERSON: Martin Grasmück (51) ist im Saarland geboren und kennt den Saarländischen Rundfunk (SR) gut. 1992 begann alles noch während seiner Studienzeit mit einer Mitarbeit - seit mehr als 13 Jahren ist er in Führungspositionen tätig. Zuletzt war er stellvertretender Programmdirektor. Grasmück war neben der journalistischen Seite auch auf der Verwaltungs- und geschäftsführenden Ebene schon tätig. Von 2008 bis 2015 war er Leiter der Abteilung Intendanz, zunächst unter Intendant Fritz Raff und dann unter Kleist. Im Februar wählte der Rundfunkrat den Journalisten und Medienmanager zum neuen Intendanten ab 1. Mai.

(dpa)