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Polizeireform im Saarland
Polizeigewerkschaft sorgt sich um Bürgernähe

Wo ist wann die Polizei ab jetzt zu erreichen? Die neue Struktur trifft auch den Regionalverband. So wird beispielsweise die Inspektion in Alt-Saarbrücken zu einem untergeordneten Revier.
Wo ist wann die Polizei ab jetzt zu erreichen? Die neue Struktur trifft auch den Regionalverband. So wird beispielsweise die Inspektion in Alt-Saarbrücken zu einem untergeordneten Revier. FOTO: dpa / A3462 Marcus Führer
Saarbrücken. Neue Struktur bei Dienststellen vor Ort: GdP-Chef David Maaß befürwortet Entlastung der Kollegen und fordert gleichzeitig mehr Personal. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Nur noch landesweit zwölf Polizeiinspektionen, die rund um die Uhr besetzt sind, vier davon im bevölkerungsstärksten Teil des Saarlandes, im Regionalverband Saarbrücken. Aus den übrigen werden sieben Reviere, drei davon in Püttlingen sowie in der Landeshauptstadt Alt-Saarbrücken und Brebach. Ihre Kernöffnungszeiten: wochentags; der Sonntag ist ausgenommen. Zusätzlich bleibt es bei 38 Posten, die den Saarländern zu lokal unterschiedlichen Bürozeiten bereitstehen. Darunter sind sieben im Regionalverband in Heusweiler, Quierschied, Friedrichsthal, Riegelsberg, Dudweiler, Gersweiler-Klarenthal, Großrosseln sowie Kleinblittersdorf.


Auf diese Weise strafft die Polizei im Saarland ab diesem Montag, 22. Oktober, ihre Strukturen. Was bedeutet: flächendeckende Veränderungen bei den Dienststellen. Insbesondere die zeitliche Erreichbarkeit der 24 Stunden am Tag besetzten Inspektionen wird umorganisiert. Dennoch, versichert ein Sprecher des Landespolizeipräsidiums in Saarbrücken, soll dies alles für die Bürger „ohne spürbare Auswirkungen bleiben“. Sprich: Die Polizei sei im Notfall nach wie vor für alle zu erreichen. Rund um die Uhr.

Aus Sicht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) ein wichtiger Schritt für die Kollegen, allerdings auch eine Gefahr für das Sicherheitsgefühl der Bürger. Das sagt deren Landesvorsitzender David Maaß. „Die Reform begrüßen wir, weil damit Synergieeffekte geschaffen werden, um die Kollegen zu entlasten.“ Das sei im Sinne seiner Organisation zunächst „oberste Prämisse“. Denn durch den seit Jahren andauernden und sich voraussichtlich bis 2021 noch fortsetzenden Stellenabbau sei es nun an der Zeit „die Arbeit wieder sozialverträglich im Sinne der Mitarbeiterzufriedenheit“ zu gestalten.



Allerdings blickt Maaß auch auf die Bedürfnisse der Bürger: „Gleichwohl warnen wir davor, die Sprechzeiten abzuspecken.“ Das baue Bürgernähe ab und schaffe keine Akzeptanz. Darum erneuert GdP-Saar-Chef Maaß seine Forderung: „Wir brauchen 500 zusätzliche Beamte bis 2030, damit 3000 flächendeckend bereitstehen.“ Sonst litten Menschen in den Orten unter dem Abbau. Denn nur einige wenige Polizeiposten sollen künftig mit mehr Personal besetzt sein, darunter Kleinblittersdorf. Bei dem weitaus größten Teil bleibe es bei Sprechzeiten an einzelnen Tagen.

Die Aufgaben zu jeder Stunde sollen Beamte am Einsatzleittisch sowie des Führungs- und Lagezentrums in Saarbrücken landesweit übernehmen. Das betreffe unter anderem die Koordination der Polizeistreifen vor Ort.

Die Strukturen, wie sie ab sofort  gelten sollen:

■ Landesweit bleiben zwölf Polizeiinspektion, die rund um die Uhr besetzt sind. Die Standorte: Homburg, Lebach, Merzig, Neunkirchen, Nordsaarland (Wadern), Saarbrücken-Burbach, Saarbrücken-Stadt (St. Johann), Saarlouis, St. Ingbert, St. Wendel, Sulzbach und Völklingen.

■ Zu sieben Polizeirevieren werden die dann ehemaligen Inspektionen Alt-Saarbrücken, Blieskastel, Bous, Dillingen, Illingen, Köllertal (Püttlingen) und Saarbrücken-Brebach. Sie sollen montags bis freitags zu Früh- (5.45 bis 14 Uhr) und Mittagsdienst (13.45 bis 22 Uhr) zu erreichen sein. Die Personalvertretungen als Mitbestimmungsgremiem der Kollegen haben das letzte Wort, ob es bei den geplanten Zeiten bleibt. Samstags sind die Reviere zwischen 5.45 und 18 Uhr besetzt, sonntags ist geschlossen. Die Reviere sind den benachbarten Inspektionen angeschlossen.

■ 38 Polizeiposten in Orten bleiben unverändert. Wann diese allerdings ihre Sprechzeiten haben, steht noch nicht überall fest, sollen nach und nach bekannt gegeben werden.

GdP-Saar-Chef David Maaß.
GdP-Saar-Chef David Maaß. FOTO: GdP