Neue Munition für Streit um Cispa-Neubau

Kostenpflichtiger Inhalt: Vergabeverfahren in der Kritik : Kritik am Vergabeverfahren hält an

Die Strukturholding Saar steht zu dem umstrittenen Vergabeverfahren für den Cispa-Neubau. Der Bund Deutscher Architekten Saar hingegen sieht durch einen reinen Wettbewerb die Architektenleistung besser gewürdig.

Thomas Schuck, Geschäftsführer der Strukturholding Saar (SHS), ist sich sicher: IPP, das international tätige Architekturbüro mit Hauptsitz in Düsseldorf, ist die richtige Wahl. IPP wurde beauftragt, einen Neubau für das Cispa (Helmholtz Center for Information Security) auf dem Saarbrücker Universitätscampus zu errichten. Bestätigt sieht Schuck sich auch durch die Kritik des im ersten Teil des Vergabeverfahrens auf den 1. Rang gelangten Architekten Johannes Kister. Kister, der mit der Bietergemeinschaft Kister Scheithauer Groß Architekten und Stadtplaner GmbH antrat, konnte im zweiten Teil des Verfahrens nicht bestehen und zog danach gegen die Vergabe und gegen die Strukturholding Saar, die das Verfahren ausrichtete, zu Feld (wir berichteten).

Kister hatte der SHS „Mauschelei“ vorgeworfen und gar von „mafiösen Strukturen“ gesprochen. Der Wettbewerb – oder wie die SHS es nannte: die Ideenskizzen – wurden allerdings nur zu 30 Prozent gewertet. Weit mehr Gewicht hatte die sich anschließende Vergabeverhandlung. Folglich beansprucht die SHS für sich, das europaweite Vergabeverfahren sei ordnungsgemäß abgelaufen. Alle Teilnehmer seien fristgerecht über die Entscheidung informiert worden. Eine Rüge, die nicht dem gesamten Verfahren galt, sei ordnungsgemäß abgearbeitet worden. Man habe versäumt, die saarländische Bietergemeinschaft, die auf Rang 4 kam, zur weiteren Präsentation einzuladen. Das habe man nachgeholt, schreibt SHS-Geschäftsführer Thomas Schuck in einem Brief an den Bund Deutscher Architekten Saar (BDA).

Der BDA hatte in einem ersten Schreiben die Strukturholding Saar, die das Verfahren ausrichtete, aufgefordert, eine angemessene Verfahrenspraxis sicherzustellen. Außerdem forderte er, die eingereichten Arbeiten für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auch sollte die SHS zu den Vorwürfen von Johannes Kister Stellung beziehen. Diese ersten Einlassungen waren offenkundig nicht mit dem gerade erst gewählten BDA-Vorsitzenden Peter Alt abgestimmt. Der schlug in einem zweiten Schreiben gemäßigtere Töne an.

Zu den emotionalen Einlassungen Johannes Kisters, der einen offenen Brief geschrieben hatte, wollte SHS-Geschäftsführer Thomas Schuck sich nicht äußern. Er nannte sie als „emotionale Ausbrüche getarnte Beleidigungen“. Man werde sich nicht inhaltlich, sondern allenfalls rechtlich damit auseinandersetzen. Kister hatte nach dem Brief eine öffentliche Veranstaltung des Saarbrücker Gestaltungsbeirates, dessen Mitglied er ist, als Bühne für seine Kritik genutzt. Nach Meinung von SHS-Geschäftsführer Schuck hat er sich durch die „völlig unangemessene Wortwahl“ selbst diskreditiert und die Richtigkeit der Vergabeentscheidung bestätigt.

Der BDA wiederum bleibt bei seiner Kritik an der Wahl eines eingeschränkten Wettbewerbsverfahrens. Er hätte einen offenen Architektenwettbewerb und seine vielfältigen Möglichkeiten für besser befunden, schreibt Alt. Der SHS bescheinigt er einen „Mangel an Kenntnissen über das Wesen von Architektenwettbewerben, bei denen es nicht in erster Linie darum gehe, den wirtschaftlich leistungsfähigsten Planungspartner zu finden, sondern die planerisch beste Lösung.“

Durch die Nichtvergabe an Kister als Erstplatzierten in der ersten Verfahrensstufe werde „nicht nur dessen erfolgreiche Arbeit nicht gewürdigt, sondern auch die Arbeit des Gremiums, das ihn mit dem ersten Preis ausgezeichnet hat, herabgewürdigt“. Insofern sei die Aufregung des prämierten Entwurfsverfassers grundsätzlich nachvollziehbar. Über die gewählte Form des berechtigten  ließe sich streiten, schrieb Alt.

Gemeinsamkeit in den Schreiben von SHS und BDA: Beide sprechen von Herabwürdigung von Arbeit. Die SHS möchte „die weitere Herabwürdigung“ ihrer Arbeit nicht hinnehmen. Und der BDA forderte die Würdigung der Arbeit von Architekten, auch aus dem Saarland.

Der Kölner Architekt Johannes Kister. Foto: Chris Rausch
Der Geschäftsführer der Strukturholding Saar, Thomas Schuck. Foto: rup
Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Architekten im Saarland, Peter Alt. Foto: Oliver Dietze

An der Vergabe des Auftrages an IPP ändert der Briefwechsel zwischen SHS und BDA selbstverständlich nichts. Der BDA immerhin sieht seine Kritik als Gesprächsangebot und schreibt, sie geschehe im Sinne der Baukultur im Land. Die SHS allerdings hat in ihrem Schreiben bekräftigt, sie werde auch weiterhin auf die für den Neubau von Cispa 1 gewählte Vergabeform zurückgreifen.