Neue Maschine hilft beim Kampf gegen Kaugummiflecken

Sauberkeit : Mit Hochdruck gegen Kaugummiflecken

ZKE-Mitarbeiter lösen mit einer hochleistungsfähigen Maschine jetzt schneller die klebrige Masse vom Asphalt.

Sie sieht fast ein wenig futuristisch aus, diese Maschine, mit der Stadtreiniger Benjamin Hiber und seine Kollegen vom städtischen Entsorgungsbetrieb ZKE fast täglich durch die Bahnhofstraße kurven. Wenn Hiber den Einschaltknopf betätigt, senken sich vorne zwei große orangene Halbschalen mit Gummirand auf das Pflaster. Sofort fangen sie an zu dampfen und zu zischen wie ein Ungeheuer. Doch Hiber, der kurz einen Blick durchs Seitenfenster wirft, strahlt. Schließlich erleichtert ihm dieses Spezialgerät im Kampf gegen eine weitverbreitete Plage sehr das Leben. Die Rede ist von gebrauchten Kaugummis, die zu Hunderten auf dem Pflaster und Asphalt pappen, weil ihre Benutzer zu träge waren, sie in einen der vielen Mülleimer in der Bahnhofstraße zu werfen.

Der ZKE hat sie mal stichprobenartig gezählt: An manchen Stellen kleben bis zu 50 Stück auf einem Quadratmeter. Jahrelang mussten Hiber und seine Kollegen „händisch“ versuchen, sie zu entfernen. Mit einem Dampfstrahler, der von  einem Wasserbehälter gespeist wurde, der wiederum auf einem Lkw stand, arbeiten sie sich zu Fuß Quadratmeter für Quadratmeter vor, um die Kaugummis vom Untergrund zu lösen. Mit der Spezialmaschine, die der ZKE im Mai angeschafft hat, geht das nun viel schneller und effektiver. Unter den beiden Halbschalen vor dem Fahrzeug befinden sich nämlich zwei rotierende Dampfstrahler, die den schwarzen Gummiflecken mit heißem Wasser unter extremem Hochdruck von bis zu 280 bar zu Leibe rücken. Zum Vergleich: Ein normaler Industriereiniger hat 130 bar.

Ganz ohne Handbetrieb geht es zwar auch mit der neuen Maschine nicht. Er müsse mit einem Handstrahler, einer sogenannten „Hochdrucklanze“, drüber gehen, um einzelne Kaugummis zu entfernen, besonders auf dem rosa Tupin-Stein unter den Arkaden, erklärt Hiber. Doch mit dem Spezialgerät kann er in einer Schicht jetzt eine bis zu 500 Quadratmeter große Fläche reinigen. „Für ein Feld, das ich jetzt in 20 Minuten schaffe, habe ich früher einen halben Tag gebraucht“, sagt Hiber. Neben den Kaugummis entfernt die Maschine auch alle anderen Verschmutzungen, wie Essensreste, Grünwuchs in Pflasterfugen und Reifenabrieb vom Lieferverkehr. Gerade auf den Asphaltflächen in der Bahnhofstraße ist der Vorher-Nachher-Effekt erstaunlich: Wie in der Waschmittelwerbung nimmt die Maschine den Flächen den Grauschleier und sie leuchten wieder hell beige wie in der Zeit, als der Asphalt gerade fertiggestellt wurde.

Umweltfreundlich ist die Reinigungsmaschine auch noch, erklärt  ZKE-Sprecherin Judith Pirrot: Für 500 Quadratmeter brauche die Maschine maximal zehn Liter Wasser. Und sie kommt dabei ganz ohne den Zusatz von Reinigungsmitteln aus. Sogar die Kosten für die Reinigung kann der ZKE genau beziffern: 100 000 Euro kostete die Anschaffung der Spezialreinigungmaschine, für ihren Einsatz fallen 2,60 Euro pro Quadratmeter an. „Wenn man eine saubere Stadt haben will, muss man auch Geld in die Hand nehmen,“ hält Roger Walter, ZKE-Abteilungsleiter Stadtreinigung, möglichen Kritikern entgegen. Trotzdem bleibt das Wegwerfen von Kaugummis auf den Boden weiterhin eine Ordnungswidrigkeit, die die Stadt mit einem Bußgeld ahndet. „Zugenommen hat die Kaugummiproblematik nach unserer Ansicht aber nicht“, erklärt ZKE-Sprecherin Pirrot.

Sie führt das auf die intensiven  Sensibilisierungskampagnen des ZKE zurück. Vielen Menschen sei aber trotzdem nicht bewusst, wie viel Arbeit die Entfernung von Kaugummis mache, sagt Pirrot. Wenn heute mehr Abfall und Dreck produziert werde, so liege das auch daran, dass die Menschen den öffentlichen Stadtraum auch viel mehr nutzen, glaubt sie. Oder ist es vielleicht ein Großstadtphänomen? In Sulzbach habe man kein Kaugummiproblem, erklärt Stadtsprecher Elmar Müller auf Nachfrage. Sulzbach habe zwar keine Fußgängerzone, aber auch im Bereich von Berufsbildungszentrum und Rathaus, wo man die Freiflächen neu gestaltet habe, seien keine Kaugummiflecken zu sehen, sagt Müller. „Die Schüler verhalten sich sehr gut“, lobt er.

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