Neubau der Polizei Saarbrücken verzögert sich wegen Bombe aus WW2

Kostenpflichtiger Inhalt: Neubau Großinspektion Mainzer Straße : Bombensuche bremst die Polizeibaustelle in Saarbrücken

Arbeiten an der neuen Großinspektion in der Mainzer Straße verzögern sich erheblich und dauern voraussichtlich bis 2022.

Der Bau der neuen Polizeiinspektion in der Mainzer Straße verzögert sich erheblich. Leitende Beamte rechnen nicht mehr mit der vom Innenministerium noch im September 2018 angekündigten „Fertigstellung bis 2021“. Auf dem Areal in der Mainzer Straße, wo die Großinspektion entstehen soll, tut sich denn auch sichtlich wenig. Jedermann kann seit Wochen den Stillstand beobachten. Auf Anfrage der Saarbrücker Zeitung hat Katrin Thomas, die Sprecherin von Innenminister Klaus Bouillon, „unvorhergesehene Probleme“ eingeräumt. Die bauliche Entwicklung sei zwar „unvermindert vorangetrieben worden“. Dennoch hat sich „der Projektverlauf durch äußere Einflüsse verzögert“, wie es in einer schriftlichen Stellungnahme des Ministeriums heißt.

Die betroffenen Beamten sind wenig froh darüber. Denn das Haus in der Karcherstraße ist trotz aller Umbau-Bemühungen alles andere als optimal für die heutige Polizeiarbeit.

Die Polizisten werden sich allerdings weiter gedulden müssen. In der Mainzer Straße wurden Gebäude abgerissen, ein Bauzaun umschließt einen Teil des Projektgeländes. Doch dieses hat es in sich. „Im Rahmen der Baufeldvorbereitungen wurden mehrere Gebäude, darunter eine Bunkeranlage, abgerissen. Ein in den neunziger Jahren zum Teil rückgebauter Hochbunker musste aufwendig ... im Erdreich erkundet werden. Im Zuge der Abrissarbeiten traf man auf kontaminierte Erdmassen. Diese mussten zuerst aufwendig analysiert werden, um den weiteren Umgang ... festzulegen. Entsprechende Entsorgungsmöglichkeiten mussten anschließend gefunden und abgestimmt werden“, heißt es aus dem Ministerium.

Neben den Altlasten und einem Bunker befürchten die Projektplaner Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Ministerium schreibt von einer „zu erwartenden Kampfmittelbelastung“. Das erfordert noch mehr Sorgfalt beim Graben, denn die Schaufeln könnten schlimmstenfalls Bomben freilegen. Diese Sicherungsmaßnahmen würden alles verzögern.

  Und auch der eigentliche Bau der Inspektion erfordert weitere Vorarbeiten. Aus dem Ministerium heißt es dazu: „Für die bauliche Weiterentwicklung des nach Abriss freien Areals wird eine komplett neue Infrastruktur mit Anschlüssen an die bestehenden öffentlichen Ver- und Entsorgungsnetze geplant.“

Die genaue Lage bisheriger Leitungen habe sich erst während der Abrissarbeiten und Bodenerkundungen feststellen lassen. Sehr aufwändig und schwierig werde nun der Anschluss der Geländeentwässerung an die städtische Entwässerungsleitung in der Mainzer Straße. Wegen der unmittelbaren Nähe dieser Leitung zur Saarbahntrasse sei sie offensichtlich viel schwieriger zu erreichen, als zunächst vorgesehen. Noch dazu solle der Verkehr in der Mainzer Straße nicht zum Erliegen kommen. Gleichzeitig seien Bauverfahren zu wählen, die keine Schäden an benachbarten Bauten anrichten.

Solche Tiefbauarbeiten seien nach Möglichkeit während bei Trockenheit zu machen. Und der Anschluss des Neubaus an das Fernwärmenetz sei nur außerhalb der Heizperiode möglich.

Im Winter seien die notwendigen Erschließungsarbeiten nicht möglich. Die sollen nun Anfang 2020 beginnen, sofern das Wetter mitspielt. Und auch dafür seien Sicherungsmaßnahmen wegen möglicher Bomben im Erdreich vorzusehen. Aus all dem lässt sich der aktuelle Stillstand auf der Baustelle erklären.

Wann die am neuen Standort geplanten 300 Polizisten ihre Stadt-Dienststelle beziehen können, sagt das Ministerium nicht. Es betont aber, man sei auf „nicht vorhersehbare Umstände“ gestoßen, und die Verzögerung sei „unverschuldet“.

Die betroffenen Beamten sind darüber nicht froh. 2018 erwartete die Landesregierung noch eine Projektdauer von drei Jahren. In der Karcherstraße rechnen Betroffene nun icht mehr mit einer Fertigstellung vor Ende 2022. „Man muss ja nur an der Baustelle vorbeifahren. Solange da nicht gearbeitet wird, kann es ja nicht fertig werden“, sagt einer der Beamten.

Hinzu kommt, dass für das Bauvorhaben planungsrechtlich noch einiges regeln ist. „Zur Herstellung der Planungssicherheit wurde bei der Stadt ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet“, schreibt das Ministerium und räumt ein, dass der Stadtrat erst am 3. Dezember eine „erneute Offenlegung“ beschlossen habe. Das bedeute die Einbindung von Fachbehörden und betroffenen Bürgern. Ob darin noch Potenzial für eine weitere Verzögerung steckt, lässt das Ministerium offen. Es heißt: „Diese Abstimmungen bedürfen einer gewissen Vorarbeit, nicht zuletzt durch die Erarbeitung von Gutachten, Erkundungen usw., deren Ergebnisse dann in die Antragsunterlagen münden.“

Demnach ist der Bauantrag noch gar nicht gestellt. Fachleute glauben, dass allein dessen Bearbeitung ein halbes Jahr dauere. Stadtsprecher Thomas Blug widerspricht. Bei einem so wichtigen Projekt sei eine bevorzugte Bearbeitung durch die Stadt jederzeit möglich.