Nationalpark Hunsrück-Hochwald soll bekannter werden

Kostenpflichtiger Inhalt: Noch zu unbekannt : Wildkatzen heimisch – Gäste noch nicht

Im jungen Nationalpark Hunsrück-Hochwald fühlen sich Wildkatzen wohl. Sie sollen nun mehr Besucher locken.

„Wir haben mittlerweile eine sehr große Wildkatzenpopulationsdichte von gut hundert Tieren und können einen keltischen Ringwall vorweisen, der seinesgleichen sucht.“ Für Sören Sturm, Leiter der Abteilung Kommunikation, Umweltbildung, Naturerleben und Regionalentwicklung des Nationalparkamts Hunsrück-Hochwald, liegen die Alleinstellungsmerkmale des Nationalparks auf der Hand. Nur haben die sich noch nicht ausreichend rumgesprochen.

So verwies das rheinland-pfälzische Ministerium jüngst auf Umfragen, wonach weniger als zwei Prozent der Bevölkerung in Deutschland den Hunsrück oder das Naheland kennen. Besucherzahlen lassen sich in dem offenen Gelände zwar kaum erfassen, sicher ist aber, dass an den mehr als 2000 geführten Touren, die der Nationalpark von 2015 bis 2018 bot, mehr als 24 000 Gäste teilnahmen.

Aus Sicht der rheinland-pfälzischen Landesregierung hat der Nationalpark sein Potenzial für den naturnahen Tourismus noch nicht ausgeschöpft. Eine der größten Herausforderungen werde es sein, „die Wahrnehmung und Sichtbarkeit des Nationalparks auszubauen“, erklärte das Umweltministerium des Nachbarbundeslandes in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage seiner Grünen-Fraktion.

Größtes Manko in Bezug auf Besucherzahlen sei die Sichtbarkeit von als strukturschwach geltenden Regionen. „Von der Information, der Anreise, der Orientierung über die Angebote und den Service vor Ort bis hin zur Abreise und Erinnerung heißt es, Qualitätsdefizite zu bearbeiten“, erklärte der Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Umweltministerium, Thomas Griese (Grüne). Das betreffe den Nationalpark mit der Infrastruktur an den Nationalpark-Toren ebenso wie die Gastronomie der Region. „Steht die Region um den Nationalpark herum mit seinen Anbietern als qualitativ hochwertige, nachhaltige ,Destination‘ da, wird auch die Vermarktung dafür ausgebaut werden können“, sagte Griese. Ziel ist, dass etwa zehn Prozent der Besucher an geführten Touren teilnehmen. Wanderwege wie der Saar-Hunsrück-Steig sind der zentrale Ansatzpunkt, um das Gebiet zu erkunden. Zehn ausgewiesene Rad-Querungen sollen in diesem Jahr in das überregionale Radwegenetz eingebunden werden. Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald wurde 2015 neu ausgewiesen und umfasst 10 192 Hektar, was 14 000 Fußballfelder entspricht. Ein Zehntel davon befindet sich im Saarland.

„Ein Nationalpark ist ein Aufbauprojekt, das auf viele Jahre angelegt ist“, erklärt Saar-Grünen-Chef Markus Tressel und gibt zu bedenken, dass es sich hier um den jüngsten der insgesamt 16 deutschen Nationalparks handelt. „Die beiden Bundesländer haben gut daran getan, sich die ersten fünf Jahre zunächst auf die inhaltliche Qualifizierung zu konzentrieren“, bilanziert er. Ausbaubedarf sieht der Landeschef der Grünen bezüglich Erreichbarkeit und Unterbringungskapazitäten. Letzten Endes könne der Nationalpark aber nur einen konzeptionellen Überbau schaffen, den lokale Wirtschaftsakteure und Tourismusindustrie mit Angeboten füllen.

Den Fortschritt des Ausbaus bestätigt das saarländische Umweltministerium und verweist auf das Nationalpark-Tor Keltenpark, das am Rande des Keltendorfes in Nonnweiler-Otzenhausen entstehen wird. In dieser Einrichtung, neben Erbeskopf und Wildenburg eines von insgesamt drei Nationalpark-Toren, sollen Besucher empfangen und informiert werden. „Eine deutliche Aufwertung der saarländischen Nationalpark-Region erwarten wir durch den Bau des saarländischen Nationalparktors im Keltenpark“, teilt Pressesprecherin Sabine Schorr auf Anfrage weiter mit. Das Besucherzentrum soll dem Tourismus zusätzliche Gäste bringen, seine Eröffnung ist 2023 geplant. Um den Ausbau des Nationalpark-Tors zu beleben, wurde von der Gemeinde Nonnweiler der Keltenpark angelegt und 2014 eröffnet, vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr erfolgte eine Unterstützung in Höhe von 176 000 Euro.

Mit Blick auf Infrastruktur und touristische Anziehungspunkte verfüge das Saarland, so Schorr, über eine bessere Ausgangslage als Rheinland-Pfalz. „Mit den Nationalpark-Gemeinden Nohfelden und Nonnweiler haben wir zwei Gemeinden, in denen touristisch bedeutsame Einrichtungen liegen“, teilte sie mit und verwies auch auf den Bostalsee und den dortigen Center Parcs, das Freizeitzentrum Peterberg und die Primstalsperre. Auch eine Tourismusstudie habe 2014, zu Beginn des Nationalpark-Prozesses, „eine deutlich bessere Ausgangsposition“ in punkto Übernachtungsangebote und Gastronomie festgestellt. „Die weitere Entwicklung, das zeigt auch der Blick auf andere Nationalparks, braucht Zeit und Geduld“, so Schorr.

Sturm vom Nationalparkamt sieht das Ziel darin, bei Anwohnern und Touristen eine „Dauerwahrnehmung“ zu erreichen. Ein Weg führe über einen regionalen Business-to-Business-Ansatz mit Gastronomen und Übernachtungsanbietern, die Auskünfte über den Nationalpark erteilen. „In einer Partnerschaftsinitiative setzen wir auf eine Zusammenarbeit mit Betrieben aus einem Bereich von 60 Autominuten.“ Inzwischen seien Partnerschaften zu 48 Betrieben geknüpft.

www.nationalpark-hunsrueck-hochwald.de