Nach Saarbrooklyn-Film: Spiegel TV weist Kritik zurück

Nach Kritik an Saarbrooklyn-Doku : Spiegel TV bestreitet Vorwürfe

Weder sei Geld geflossen, noch habe man Drogenabhängige alleine gelassen, sagen die Produzenten.

Die Produzentin des umstrittenen Spiegel-TV-Beitrages „Saarbrooklyn“ bestreitet in einer Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung, dass Mitarbeiter ihres Teams einem Drogenabhängigen Geld dafür bezahlt hätten, damit dieser sich vor laufender Kamera eine Spritze setzt. Solche Vorwürfe hatte zuvor der ehemalige Saarbrücker Polizeichef und heutige Geschäftsführer des Drogenhilfezentrums, Peter Becker, erhoben.

„Keinem der gezeigten Drogenabhängigen“ sei Geld bezahlt worden, schreibt Spiegel-TV-Produzentin Maria Gresz in der Mail. Das widerspreche den professionellen und ethischen Grundsätzen des Magazins. Dass die Spiegel-TV-Mitarbeiter den Abhängigen nach der Einnahme allein gelassen hätten, sei ebenfalls falsch. Im Anschluss habe das Team noch „mit ihm gesprochen und einige Zeit mit ihm verbracht“. Die entsprechenden Szenen seien im Beitrag jedoch nicht zu sehen. Becker hatte den Journalisten außerdem vorgeworfen, dass die Information, der Drogenabhängige habe seine Drogen am Drogenhilfezentrum erhalten, das im Beitrag als „Drogenzentrum“ bezeichnet wird, missverständlich sei. Gresz kündigt in dem Schreiben eine Prüfung des Beitrages an sowie eine Klarstellung, sofern diese erforderlich sei. Die Zuschauer würden aber ohnehin nicht davon ausgehen, „dass eine privat organisierte Drogenhilfe-Einrichtung Zugang zu klassischen Drogen ermöglicht“.

Spiegel TV hatte die Vorwürfe bereits am späten Montagabend auf dem Kurznachrichtendienst Twitter kommentiert. Auch dort wies man die Vorwürfe zurück. „Aufgrund einer möglichen juristischen Auseinandersetzung“ könne man aber noch nicht näher auf die Vorwürfe eingehen.

Lars Weber, der Pressesprecher des Regionalverbandes Saarbrücken, bestätigte der Saarbrücker Zeitung inzwischen, dass Regionalverbandsdirektor Peter Gillo (SPD) vom Spiegel-TV-Team im Rahmen der Dreharbeiten in der Landeshauptstadt interviewt wurde. Laut Weber, der bei dem Gespräch anwesend war, drehte sich das Gespräch hauptsächlich um Arbeitslosigkeit und Kinderarmut. Gillo hätte dazu ausgeführt „wie das Jobcenter des Regionalverbandes mit neuen Arbeitsmarktprogrammen Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit vermittelt oder was die Jugendhilfe alles gegen die Auswirkungen von Kinderarmut unternimmt“. Das Interview wurde von Spiegel TV aber nicht im fertigen Beitrag gezeigt. „Für diese Stimme der Vernunft war im Beitrag aber dann anscheinend kein Platz“, sagt Weber dazu. Die Art des Beitrages sei eher problem- als lösungsorientiert.

In einer am Dienstag veröffentlichten Pressemitteilung äußerte sich auch die Landesmedienanstalt des Saarlandes (LMS) zu dem Saarbrooklyn-Bericht. Der stellvertretende Direktor der LMS, Jörg Ukrow, teilt darin mit, dass die Programmbeschwerde der Stadt über den Beitrag, die auch an seine Anstalt und die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein geschickt wurde, an die zuständige Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) weitergeleitet worden sei. Diese müsse prüfen, ob die Sendung „gegen medienrechtliche Vorgaben“ verstoße, die laut Artikel 5 des Grundgesetzes auch „eine zugespitzte und polemische Darstellungsweise“ grundsätzlich schützen würden. Ein Einschreiten der Medienaufsicht sei nur dann eine Möglichkeit, wenn die betroffene Sendung die im Rundfunkstaatsvertrag formulierten Programmgrundsätze verletze oder selbst gegen allgemeine Gesetze verstoßen würde. Die LMS, so Ukrow, werde sich gegenüber der NLM für eine schnelle Aufklärung des Sachverhaltes einsetzen.

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