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Ein uralter Verein löst sich auf
Nach 140 Jahren kommt nun das Ende

Brigitte Atz ist die Vorsitzende der Garten- und Blumenfreunde. Unser Bild zeigt sie vor wenigen Wochen, als sie im Rathaus von Bürgermeister Michael Adam als Behindertenbeauftragte verabschiedet wurde.
Brigitte Atz ist die Vorsitzende der Garten- und Blumenfreunde. Unser Bild zeigt sie vor wenigen Wochen, als sie im Rathaus von Bürgermeister Michael Adam als Behindertenbeauftragte verabschiedet wurde. FOTO: Elmar Müller/Stadt
Dudweiler. Der Verein „Garten- und Blumenfreunde“ in Sulzbach löst sich mit Ablauf des Jahres auf.

  Die Garten- und Blumenfreunde Sulzbach werden bald Geschichte sein. Zum 31. Dezember löst sich der Verein auf, teilt die Vorsitzende Brigitte Atz mit. Damit geht eine fast 140 Jahre dauernde, ehemalige Erfolgsgeschichte bitter zu Ende. „Wir haben nur noch 16 Mitglieder“, erklärt Atz. Das ist natürlich kein Vergleich mehr mit der Hochzeit, als der Verein nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zeitweise mehr als 400 Mitglieder hatte.


Die Mitglieder seien zu alt, und Nachwuchs sei auch keiner in Sicht. Es dürfte schon rund zehn Jahre her sein, dass sich ein neues Mitglied anschloss, schätzt sie. Trotz Präsenz auf der Vereinsbörse in Sulzbach und weiteren Werbemaßnahmen wie dem Blumenmarkt oder dem Erntedankfest habe sich niemand mehr für die Tätigkeit interessiert. Generell sei auch das Interesse an Gartenarbeit kaum mehr vorhanden. Sie selbst sei mit ihren 70 Jahren noch eine der Jüngeren. „Wir wollen und können nicht mehr“, so Brigitte Atz.

Bei der Jahreshauptversammlung im März kam schließlich der Vorschlag zur Auflösung auf, der dann auch einstimmig angenommen wurde. Ein wenig schockiert seien die Mitglieder schon gewesen, doch man habe gemerkt: „Es hat schon vorher gebrodelt.“ Nun gibt es noch eine Adventsfeier und ein allerletztes Treffen irgendwann um den Jahreswechsel herum. Dabei muss noch die Kasse geprüft werden. Denn sollte es ein Restguthaben geben, müsse dies einem guten Zweck zugeführt werden, erklärt die Vereinschefin.



Brigitte Atz hat den Vorgang selbstverständlich mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Immerhin hat sie quasi die Hälfte ihres Lebens bei den Garten- und Blumenfreunden verbracht. „Die Liebe zum Garten wurde mir in die Wiege gelegt“, erklärt sie.

Bevor sie 2009 selbst den Vorsitz übernahm, war sie bereits im Vorstand tätig. Insgesamt war sie weit mehr als 30 Jahre Mitglied. Aber das Nachwuchsproblem sei fast überall gleich, sagt die Seniorin. Die Jugend verbringe die Freizeit heute anders, und auch das Anlegen eines Nutzgartens komme nicht mehr so häufig vor. Trotzdem drückt sie allen Mitgliedern ihren Dank aus und hofft, dass es noch viele andere Naturfreunde gibt, die sich um das Wohl der Natur kümmern.

Einfach so von der Bildfläche verschwinden wird der 1879 als „Gartenbauverein für Sulzbach und Umgebung“ gegründete Verein aber doch nicht. Denn an den vom Verein gepflanzten Bäume werden Tafeln angebracht, die an die Garten- und Blumenfreunde erinnern. Dazu gehören neben einer Roteiche, die 1973 gestiftet wurde, ein Gingko-Baum von 1998 und ein Blutahorn (2016) am Ortseingang, von Dudweiler her kommend. 

(bo)