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Jugendkultur
Musik und Poesie gegen Hass im Bauch

Auf der Bühne der Garage (von links): Danny, Alex, Ivory und Lukas.
Auf der Bühne der Garage (von links): Danny, Alex, Ivory und Lukas. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Seit zehn Jahren hilft der Verein 2. Chance Saarland jungen Leuten bei den ersten Schritten ins Leben und in die Gesellschaft. Von Laura Vordermayer

Das Licht ist schummrig, vor der Bühne stehen ein paar Tische mit Barhockern. Auf der Bühne: ein Schlagzeug, zwei E-Gitarren, ein Keyboard. Für die Indie Rock Band „Inside Out“ ist es der erste größere Auftritt hier in der Garage. Ivory Opoku (16) und Alex A. (15) haben trotzdem kein Lampenfieber. Sie sind stolz auf ihren selbst geschriebenen Song „Saviour“. „In unserer Musik geht es um den Kontrast im Leben. Das Schwarze kann nicht ohne das Weiße sein“, erklärt Ivory, und Alex ergänzt: „Es geht um traurige und happy Momente.“


Am Dienstag feierte der Verein 2. Chance Saarland, anerkannter Träger der freien Jugendarbeit, sein zehnjähriges Bestehen. Seit 2008 arbeitet er mit sozial benachteiligten Jugendlichen, jungen Menschen mit Integrationshemmnissen sowie Menschen mit Behinderung. Im Rampenlicht standen an diesem Abend die Jugendlichen: Sie sangen, tanzten und schauspielerten vor einem begeisterten Publikum.

Saeid Teimouri ist Gründer der 2. Chance. Für ihn sind Integration und Kultur untrennbar miteinander verbunden: „Wir unterstützen junge Menschen aus allen Himmelsrichtungen, frei nach dem Motto: Hast du keinen Hass im Bauch, bist du bei uns willkommen. Bei uns können die Jugendlichen aktiv werden und ihre eigene Message rüberbringen.“ Das ist auch für Anna Tahmouresi (21) wichtig. Sie singt von Liebe und dem Gefühl der Fremdheit, das sich zwischen zwei Menschen breitmachen kann. Den Text hat sie selbst geschrieben. „Ich bin stolz auf mein Lied, aber auch aufgeregt“, sagte sie vor dem Auftritt. Mit dem Mikrophon in der Hand wirkte sie beim Eröffnungssong ruhig und selbstsicher. Gemeinsam mit anderen sang sie „Die Gedanken sind frei“ – laut Teimouri eine wichtige Botschaft in der heutigen Zeit.



Im Gespräch mit Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD), zeigte er sich besorgt angesichts rechter Tendenzen. „Wir müssen uns Gedanken um unsere Gesellschaft machen, das erleben wir jeden Tag. Deshalb brauchen wir eure Arbeit. Musik verbindet: Man braucht nicht unbedingt zu reden, man versteht sich. Das ist die Basis für Demokratie“, antwortete Britz.

2. Chance Saarland hatte an diesem Abend eine Erfolgsbilanz vorzuweisen. Gründungsmitglied Salvatore Frasca zufolge hat der Verein in zehn Jahren 1189 junge Menschen betreut. In diesem Zeitraum brachten die Jugendlichen gemeinsam drei Musicals und zahlreiche andere Events auf die Bühne. Mittlerweile bietet der Verein auch Ausbildungsplätze für Mediengestalter, Veranstaltungskaufleute und Bürokommunikationsleute an. Bislang haben 12 Azubis das Angebot wahrgenommen.

Zum Abschluss setzten die jungen Künstler mit einem Auszug aus ihrem Musical „Heimat“ noch ein Zeichen: „Eine Welt, eine Heimat“, sangen sie gemeinsam.