Industriegeschichte Bergbau-Museum fasziniert bei Petite-Rosselle

Petite-Rosselle · Auf dem 50 Hektar großen Gelände der ehemaligen Grube Carreau Wendel entstand das erstaunliche „Musée Les Mineurs Wendel“.

 Die verbliebenen 22 Gebäude der ehemaligen Förderanlage bieten genügend Platz für das „Musée Les Mineurs Wendel“.

Die verbliebenen 22 Gebäude der ehemaligen Förderanlage bieten genügend Platz für das „Musée Les Mineurs Wendel“.

Foto: Musée Les Mineurs Wendel

Wer zum ersten Mal das „Musée Les Mineurs Wendel“ besucht, das etwas außerhalb von Petite-Rosselle liegt, wird beeindruckt sein. Allein schon das Gelände der ehemaligen Grube Carreau Wendel, die von 1856 bis 1986 betrieben wurde, ist riesig, umfasst 50 Hektar. 22 Gebäude sind noch erhalten, saniert und für eine spätere Nutzung gesichert, elf davon stehen unter Denkmalschutz.

„Derzeit kann man sich zwei Museen auf dem Gelände anschauen, das Bergarbeiter-Museum „Les Mineurs Wendel“ im ehemaligen Direktionsgebäude aus dem Jahr 1866, und das Schaubergwerk „La Mine Wendel“, das seit 2006 existiert“, erläutert Gérard Bruck. Er ist bereits seit elf Jahren als Präsident des Zweckverbandes der Gemeinden Forbach und Freyming-Merlebach zuständig für den „Parc Explor Wendel“.

Nachdem die Grube 1986 stillgelegt wurde und sich damals erstmal Vereine um deren Erhalt gekümmert haben, wurde im Jahr 1999 der Zweckverband gegründet, seit 2002 ist die Anlage ein staatliches Museum. Seither wurden über 2000 Baumaßnahmen durchgeführt, neben den beiden Museen aus den Jahren 2006 und 2012 wurde die Kohleaufbereitungsanlage zu einer großen Veranstaltungshalle für 700 Personen umgebaut und im vorletzten Jahr die „Esplanade“ errichtet, ein knallrot gestalteter, betonierter Open-Air-Bereich zwischen den beiden Museen.

Flankiert von Magazinen und alten Werkstätten finden dort seither kulturelle Veranstaltungen statt. 2017 konnte man 60 000 Besucher im „Parc Explor Wendel“ empfangen, darunter 7000 von der deutschen Seite der nahen Grenze.

Der derzeitige Besuchermagnet ist das Schaubergwerk, das man nur im Rahmen einer Führung besichtigen kann. Das hat seinen Grund. „Unsere Gästeführer sind ehemalige Bergarbeiter oder Familienangehörige von Bergarbeitern. Sie sind bis heute sehr stolz auf diesen Beruf und kennen die Technik“, erklärt Gérard Bruck.

Einer davon ist Claude Mouillet, der vor einigen Jahren bereits den ehemaligen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy durch das Schaubergwerk geführt hat. Mit ihm folgt man - zuerst im Bergbaumuseum - dem Weg der Bergleute, von der Lohnhalle, dem heutigen Eingangsbereich, über die Waschkauen bis hin zur Lampenstube. Unterstützt von Alltagsobjekten, Karten, historischen Fotos, Filmen und Tonaufnahmen kann man sich über die Entstehung der Kohle, über ihre industrielle Nutzung, aber auch über das Leben der Bergleute umfassend informieren.

Beeindruckend ist der riesige „salle des pendus – der Saal der Gehängten“. In dem Umkleidesaal hängen die Kleidungsstücke der Bergleute noch heute in Körben unter der Decke. Über die neu gestaltete „Esplanade“ führt der Weg zum Schaubergwerk. Hier lässt ein enger, rumpelnder Aufzug mit lautem Getöse und flackerndem Licht schnell vergessen, dass man nicht wirklich 1200 Meter untertage einfährt. Wenn man den Aufzug verlässt, wird man von einer Statue der Heiligen Barbara empfangen. Sie zeigt, dass die Arbeit der Bergleute auf beiden Seite der Grenze in vielen Bereichen gleich ablief.

Was dann folgt, geht unter die Haut. Denn die Gefahr, der die Bergleute jeden Tag ausgesetzt waren, lässt sich hautnah nacherleben. In mehreren Förderstollen mit unterschiedlicher Neigung werden die verschiedenen Techniken zur Kohleförderung bis in das Jahr 2004 gezeigt. Und die riesigen Vortriebsmaschinen, Abbaumaschinen und Schrämmaschinen werden gezeigt samt Geräuschkulisse und flackerndem Licht.

„Das „Musée Les Mineurs Wendel“ ist das einzige Bergbaumuseum in Lothringen“, erklärt Gérard Bruck nach der Besichtigung zu recht mit Stolz. „Aber trotzdem ist uns wichtig, dass wir hier nicht nur museal arbeiten. Daher organisieren wir rund um das Jahr kulturelle Events wie Konzerte, Ausstellungen und Vorträge. Sogar ein Konzert der Musikfestspiele Saar wird dieses Jahr hier stattfinden.“

 Das Museum zeigt auch die gewaltigen Maschinen, die früher unter Tage zum Einsatz kamen – hier die Haveuse electra 2000.  

Das Museum zeigt auch die gewaltigen Maschinen, die früher unter Tage zum Einsatz kamen – hier die Haveuse electra 2000.  

Foto: Fly Pixel
 Arbeitskleidung der Bergleute im Saal der „Gehängten“.

Arbeitskleidung der Bergleute im Saal der „Gehängten“.

Foto: Fly Pixel

Und er erläutert noch die Planungen der nächsten Zeit. Im Herbst 2020 soll ein neues Restaurant eröffnet werden. „Außerdem soll die Außenanlage mit einem neuen Wegenetz umgestaltet werden, und natürliche Gärten sollen angelegt werden.“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort