MS Wissenschaft zeigt in Saarbrücken, was künstliche Intelligenz kann

Attraktion : Dieses Schiff hat die Zukunft an Bord

Seit Mittwoch liegt das Ausstellungsschiff MS Wissenschaft hinter der Congresshalle Saarbrücken. Wer sein Wissen rund um künstliche Intelligenz aufbessern will, sollte dieses Wochenende dazu nutzen.

„Fußgänger auf der rechten Seite erkannt“, sagt die Frauenstimme. Kurz darauf bleibt das Auto stehen; ein Mann, der sich augenscheinlich mehr für sein Smartphone interessiert als für den fließenden Verkehr, stapft auf die Straße und schnurstracks hinüber. Kaum ist der Herr vorbei, setzt sich das Auto wieder in Bewegung. Ein paar Kreuzungen später heißt es plötzlich „Schnelles Fahrzeug von links“, nur wenige Sekunden, bevor ein großer Geländewagen vorbeidonnert und uns die Vorfahrt nimmt.

Eine ungewöhnliche prophetische Begabung der Chauffeurin? Nein, denn die Dame ist kein Mensch, sondern ein Ergebnis künstlicher Intelligenz. Sie hat dem Menschen eines voraus: Sie erkennt Gefahren in Sekundenbruchteilen, reagiert darauf und bringt uns so autonomes Fahren ein Stück näher.

Wer einmal ausprobieren möchte, wie es sich anfühlt, in einem Auto ohne Fahrer zu sitzen, hat noch bis Sonntag Gelegenheit dazu.

Auf dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft, das noch bis 4. August vor der Congresshalle in Saarbrücken liegt, dreht sich dieses Jahr alles um „Künstliche Intelligenz“. Unter anderem simuliert ein Exponat der Universität Osnabrück dort mithilfe einer Virtual-Reality-Brille eine autonome Fahrt durch die Innenstadt. Ein Doktorand der Uni Osnabrück erforscht damit, wie Menschen sich in einem führerlosen Auto fühlen und verhalten.

Noch 33 weitere Exponate sind  auf dem Schiff. Die meisten Ausstellungsstücke laden zum Mitmachen ein. Von lustigen Spielereien bis hin zu anspruchsvollen Forschungsprojekten reicht das Angebot. Während der autonome Fahrsimulator zweifellos zur letztgenannten Kategorie zählt, fällt Exponat Nummer Neun, der „künstlerische Spiegel“, eher in die Rubrik lustige Spielerei.

Wer davor steht, sieht nicht einfach sich selbst, sondern sein Porträt im Stil eines Künstlers vergangener Tage. Die KI hat zahlreiche berühmte Kunstwerke analysiert und so die verschiedenen Stile erlernt. Manchmal erscheint das Spiegelbild wie „Der Schrei“ von Edward Munch, manchmal eher wie die „Landschaft mit Badenden“ von Otto Mueller.

Das „Duett von Mensch und Maschine“ daneben fordert etwas mehr Aktivität vom Besucher. Wer dort auf der Klaviatur zu spielen beginnt, den begleitet schon bald der Computer. Die KI versucht, Tonart und Spielstil zu erkennen und improvisiert anschließend mit dem Pianisten mit.

Frédéric Grosshans-Kraft ist mit seiner Großmutter zum ersten Mal auf der MS Wissenschaft. Er ist „Unterwegs in Future City“ und steuert auf einem Tablet ein Auto durch ein Labyrinth, während die KI versucht, seinen Weg vorauszusagen und ihn an der Weiterfahrt zu hindern.

Rosel Schmitt ist extra aus Kaiserslautern angereist, um die Ausstellung auf der MS Wissenschaft zu besuchen. Sie interessiert sich sehr für künstliche Intelligenz und hält sie für einen sehr wichtigen Bestandteil der modernen Medizin und Diagnostik. Allerdings sieht sie die zunehmende „KI-isierung“ des Alltags eher kritisch: „Ich könnte mir vorstellen, dass es mit dem Hirn wie mit Muskeln ist. Wenn man sie nicht nutzt, werden sie schlaff und träge.“

Das Ausstellungsschiff MS Wissenschaft liegt noch bis Sonntag, 4. August hinter der Kongresshalle in Saarbrücken. Foto: BeckerBredel
Melitta Kraft mit ihrem Enkel Frédéric am Exponat „Unterwegs in Future City“. Frédéric misst sich am Tablet-Computer mit der KI. Foto: BeckerBredel

Doch kann KI auch dabei helfen, das Hirn zu trainieren, etwa beim Vokabeln lernen. Wie genau, das erklärt Exponat Nummer 16. Wer es lieber klassisch hat, der stellt sich dem alten Schachcomputer aus der DDR. Der Eintritt ist frei.

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