Mögliches EU-Verbot von Mikroplastik bedroht saarländischen Jugendfußball

Vereine besorgt : Kunstrasen-Verbot bedroht Saar-Jugendfußball

Der Saarländischen Fußballverband zeigt sich wegen des drohenden Kunstrasenverbotes besorgt. Auch das Nachwuchstraining könnte betroffen sein.

Ein mögliches EU-Verbot von Kunstrasengranulat verunsichert bundesweit die Sportvereine. Nach Angaben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wären rund 5000 Plätze davon betroffen. Auch Nachwuchsförderer wie Mike Rietpitsch reagieren mit Besorgnis: „Wenn es wirklich darauf hinauslaufen sollte, dass es bald keine Kunstrasenplätze mehr gibt, wäre das für viele Vereine sicher der Genickbruch“, sagt der ehemalige Fußballprofi gegenüber der dpa.

Die saarländischen Fußballvereine verfolgen die Entwicklung mit ähnlich großen Bedenken. Rund ein Drittel der knapp 390 Sportplätze im Land sind mit Kunstrasen ausgestattet. Gegenüber dem Saarländischen Rundfunk sagte der Geschäftsführer des Saarländischen Fußballverbandes (SFV) Andreas Schwinn: „Das wäre ein Riesen-Kostenfaktor, den die Vereine nicht stemmen können. Da müssten einige Vereine kapitulieren.“ Vor drei Jahren erst hatte das Innenministerium die Neuanlage von Kunstrasenplätzen mit mehreren Millionen Euro gefördert. Nun gibt es einen Förderstopp. Aktuelle Anträge seitens der saarländischen Vereine hält der SFV zudem zurück.

Dies bestätigte auch der Verbandsjugendleiter Rainer Bommer auf SZ-Anfrage. Ein mögliches Mikroplastikverbot ohne ausreichende Übergangszeit kritisierte er zudem scharf: „Alle betonen immer wieder die Wichtigkeit der Verbände für die Jugendarbeit und jetzt kommt sowas. Wir haben Verständnis und unterstützen auch, dass es weniger Plastik in der Umwelt gibt. Aber man kann das nicht einfach auf dem Rücken der Verein austragen.“ Sollte tatsächlich eine entsprechende Verfügung ohne ausreichende Übergangszeit erfolgen, würde der Trainings- und Spielbetrieb der Jugendmannschaften so stark eingeschränkt werden, dass „die Jugendarbeit im Verbandsgebiet zusammenbrechen würde“, sagte Bommer.

Von einem möglichen Mikroplastikverbot durch die EU wären nicht nur große Vereine wie der FC Homburg, SV Elversberg und der VfB Dillingen betroffen. Auch kleinere Vereine aus Alsweiler, Heiligenwald oder Scheuern würden dazu zählen. In Bubach-Calmsweiler und Eppelborn wurden erst vor kurzem neue Kunstrasenplätze fertiggestellt. „Wenn das so kommen würde, wäre das der absolute Worst-Case“, meint Tobias Saar, Vorsitzender beim FV Eppelborn.

Sportminister Klaus Bouillon (CDU) sicherte den saarländischen Vereinen bereits jetzt Hilfe zu. „Wir sind in zahlreichen Gesprächen mit den Vereinen und empfehlen angesichts eines nicht auszuschließenden zukünftigen Verbots von Gummigranulat, aber auch aus Umweltschutzaspekten, bereits jetzt eine Umstellung auf Naturrasenplätze“. Dafür würde das Innenministerium in den kommenden drei Jahren insgesamt drei Millionen Euro – also eine Million pro Jahr – auf Bedarf bereitstellen, sagte der Minister. Vorreiter bei der Sanierung seiner Kunstrasenplätze ist der 1. FC Saarbrücken. Dort ist man bereits letztes Jahr von einer Füllung mit Plastikanteil auf eine Alternative mit Sand und Kork umgestiegen, wie es auf entsprechende Nachfrage von dort hieß.

Bereits am Wochenende hatte sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) für eine Übergangsfrist von sechs Jahren stark gemacht. Das Bundesumweltministerium hält derweil die Debatte um die Kunstrasen als für zu verfrüht. „Ob die EU-Kommission ein Verbot von Plastik-Einstreumaterial für Kunstrasensportplätze vorschlagen wird, steht noch längst nich fest“, teilte ein Sprecher am Montag mit. Man befände sich noch „in einer frühen Phase der Meinungsbildung“.

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